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Corona-Selbsttests an Schulen – darüber wird zurzeit heiß diskutiert. Besonders an Grundschulen zweifeln Eltern und Lehrkräfte, ob die Kinder die Tests alleine überhaupt hinbekommen. Der Kultusminister hält die Bedenken für unbegründet.

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Selbsttests an Grundschulen: Bedenken bei Lehrern und Eltern

Corona-Selbsttests an Schulen – darüber wird zurzeit heiß diskutiert. Besonders an Grundschulen zweifeln Eltern und Lehrkräfte, ob die Kinder die Tests alleine überhaupt hinbekommen. Der Kultusminister hält die Bedenken für unbegründet.

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  • Rupert Waldmüller

Lehrerin Petra Brönner zeigt den Kindern der 1b an der Schraderschule in Kaufbeuren, wie so ein Corona-Selbsttest funktioniert: Sie packt das kleine Fläschchen mit der Lösung aus, legt das durchsichtige Plastik-Röhrchen für die Flüssigkeit daneben, dann das Abstrich-Stäbchen für die Nase und die weiße, rechteckige Testkassette. "Als erstes tropfe ich zehn Tropfen hier hinein", sagt die Lehrerin und greift zu Röhrchen und Lösung. "Und dann öffne ich meine Packung mit dem Tupfer."

Selbsttest für Kinder zu kompliziert?

Für den Test müssen die Kinder das Abstrich-Stäbchen erst zwei Zentimeter tief in beiden Nasenlöchern drehen, anschließend ins Röhrchen mit der Flüssigkeit tauchen und sechs Mal umrühren. Danach heißt es: genau eine Minute warten, Deckel aufs Röhrchen, exakt vier Tropfen in die Kassette und nach einer Viertelstunde gibt es ein Testergebnis.

Bedenken, ob es bei den Kleinsten klappt

Die Kinder zu testen, sei gut und wichtig, sagt Lehrerin Petra Brönner. Sie hat aber Bedenken, dass das mit den Selbsttests auch bei den Kleinsten klappt: "Die Teströhrchen sind sehr klein, man muss genau dosieren und genau treffen", erklärt die Lehrerin. "Und wenn ich den Ablauf nicht ganz präzise durchführe, dann kann das Testergebnis verfälscht werden."

Schulleiter sieht Verletzungsgefahr

Schulleiter Gerald Reglin bezweifelt ebenfalls, dass alle seine Schülerinnen und Schüler die Tests ohne Hilfe exakt hinbekommen. Die Lehrkräfte sollen mit der ganzen Klasse gleichzeitig die Tests durchführen. Sie dürfen dabei aber nur anleiten und nicht helfen.

Der Rektor hält die Tests, die man laut Gebrauchsanleitung von Kindern fernhalten soll, auch für nicht ganz ungefährlich: "Ich muss mit den Stäbchen in der Nase pulen, die Verletzungsgefahr ist da", sagt Reglin. "Ich möchte als Schulleiter meinen Kindern eigentlich keine Dinge an die Hand geben, mit denen sie sich potenziell verletzen können."

Angst vor seelischen Schäden

Außerdem stellt sich für den Schulleiter die Frage, was passiert, wenn einmal ein Testergebnis positiv ausfällt: "Ein Sechsjähriger sieht: Ich bin Corona-positiv. Und die ganze Klasse sieht es auch. Was macht das mit dem Kind?", fragt Reglin. Normalerweise würden die Lehrer ein Kind in so einer Situation in den Arm nehmen und trösten. "Aber wir müssen es separieren, bis die Eltern kommen. Da mache ich mir wirklich große Sorgen, was wir potenziell für Schäden an den Kinderseelen anrichten könnten", sagt der Schulleiter.

Elternbeirat: Besser zuhause testen

Karsten Fischer, Elternbeirats-Vorsitzender der Schraderschule, ist wie der Rest des Elternbeirats grundsätzlich fürs Testen. Aber nicht so, wie jetzt vom Kultusministerium vorgesehen: "Unser Vorschlag wäre, dass man daheim testet in einer sicheren Umgebung", sagt der Elternbeirats-Vorsitzende. Damit sei auch sichergestellt, dass Kinder, deren Test positiv ausfällt, keinen Kontakt zu anderen Schülern haben.

Lehrer- und Elternverbände gegen Tests ohne Fachpersonal

Auch Lehrerverbände, Bildungsgewerkschaften und der Bayerische Elternverband fordern, dass die freiwilligen Selbsttests nicht in der Schule, sondern daheim mit Unterstützung der Eltern gemacht werden sollten. Alternativ sollten Tests in der Schule nach Ansicht der Verbände nur von Fachpersonal betreut werden.

Kultusminister: In Österreich gute Erfahrungen

Kultusminister Michael Piazolo (FW) sieht dafür keine Notwendigkeit: "Es sind Selbsttests, das sagt schon der Name", erklärt Piazolo im BR-Interview. "Die Lehrkräfte sollen die Aufsicht üben. Sie sind kein medizinisches Personal. Aber das ist auch nicht notwendig, weil es sich eben um einen Selbsttest handelt."

Der Kultusminister hält auch nichts vom Testen zuhause, weil dort die Kontrolle fehle: "Wenn man mehr Sicherheit möchte, dann muss man die Tests in der Schule machen", sagte Piazolo dem BR und verweist auf Österreich. Dort seien Selbsttests seit Wochen im Einsatz und man habe gute Erfahrungen gemacht – auch in der Grundschule. "Wir schaffen mit diesen Tests in der Schule mehr Sicherheit für die Lehrkräfte und für die Schülerinnen und Schüler", erklärt der Kultusminister.

Schraderschule startet nach Ostern mit Selbsttests

An der Schraderschule in Kaufbeuren werden sie nach den Osterferien mit den Selbsttests wie vom Kultusministerium vorgeschrieben starten. Wenn auch mit einigen Bauchschmerzen.

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