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Feuerwehren müssen üben. Weil das Testzentrum in Donauwörth wegen Corona dicht ist, hat ein Feuerwehrler nun in einem alten Rinderstall eine Übungstrecke gebaut: Enge Tunnel, Dunkelheit und Geräusche sollen den Ernstfall simulieren.

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Selbst gebaut: Feuerwehr-Parcours in altem Kuhstall

Wegen der Corona-Pandemie ist die Übungsstrecke für Atemschutzgeräteträger in Donauwörth gesperrt. Deshalb hat sich die Freiwillige Feuerwehr Wemding kurzerhand einen eigenen Parcours gebaut – in einem alten Kuhstall.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

"Wir gehen rechtsherum und schauen, dass wir zusammenbleiben!" Feuerwehrmann Michael Mayer gibt seinen drei Kameraden ein letztes Kommando, dann verschwinden die vier kriechend im dicht vernebelten Stadel. Auf ihren Atemschutzmasken tragen die Feuerwehrleute außerdem ein schwarzes Visier, damit sie auf gar keinen Fall etwas sehen können – so wie bei vielen Einsätzen in der Realität.

Training war wegen Corona kaum möglich

Atemschutzgeräteträger – so der Fachausdruck – haben die gefährlichste Aufgabe bei Bränden. Sie gehen mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken in die Gebäude und retten Vermisste. Umso wichtiger, dass diese Einsätze regelmäßig geübt werden. Einmal pro Jahr ist das normalerweise Pflicht, wegen Corona gibt es aber Ausnahmen. Denn das Training war in den letzten Monaten nur eingeschränkt möglich.

Übungsstrecke der Feuerwehren in Donauwörth gesperrt

So ist auch in Donauwörth die Übungsstrecke für Atemschutzgeräteträger nach wie vor gesperrt. Der Parcours liegt in einem Dachgeschoss ohne Fenster und lässt sich nur schwer belüften. Viele verschiedene Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis gehen normalerweise dort ein und aus. Würde sich das Virus dort verbreiten, hätte das weitreichende Folgen für die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren im Landkreis Donau-Ries.

Übung auf Abstand im alten Kuhstall

So ist Thomas Hönle von der Freiwilligen Feuerwehr Wemding auf die Idee gekommen, eine eigene Übungsstrecke zu bauen. Nur 100 Meter vom Wemdinger Feuerwehrhaus entfernt, liegt der alte Kuhstall seiner Eltern, seit 25 Jahren ungenutzt. Der Stadel ist groß und lässt sich gut belüften. Eine Übung auf Abstand ist hier möglich. Viele Arbeitsstunden über Monate hinweg haben Thomas Hönle und seine Helfer bei der Freiwilligen Feuerwehr in den Aufbau gesteckt.

Feuerwehr-Kameraden müssen 60-Kilo-Puppe retten

Und so tasten sich jetzt Michael Mayer und seine drei Kameraden Wolfgang Laber, Manfred Deckert und Andreas Röthinger durch das dicht vernebelte Erdgeschoss. Nach ein paar Minuten haben sie eine abgeschlossene Zimmertür geöffnet und eine 60 Kilogramm schwere Puppe aus einem Bett gehievt und damit gerettet. Aber der schwierigste Teil folgt erst noch in einem engen Tunnel im Dachgeschoss.

Sirenen und Schreie über Lautsprecher sorgen für Stress

Kondition und Orientierungssinn das sind die zwei Hauptfaktoren, die hier trainiert werden sollen, sagt Thomas Hönle, der Erbauer der Übungsstrecke. Dazu wird Stress simuliert: Über Lautsprecher dröhnen Brandgeräusche, Schreie, Sirenen und das Piepen eines Rauchmelders. Die Übung soll so realistisch wie möglich sein. Dazu kommt Zeitdruck: Der Sauerstoff reicht nur für gut 20 Minuten.

Am Ende wird der Sauerstoff knapp

Und so verlieren die vier Feuerwehrleute wertvolle Minuten, als sie mit ihrer 20 Kilogramm schweren Ausrüstung durch den nur 1,20 Meter großen Tunnel kriechen, vorbei an Autoreifen, durch schmale Luken und schließlich in einer Sackgasse landen. Erst wenige Minuten bevor der Sauerstoff leer ist, finden die vier den Weg ins Freie. "Es war ein bisschen knapp", gibt Michael Mayer zu, aber ihm und seinen Kameraden ist die Erleichterung in den nassgeschwitzten Gesichtern anzusehen. Die Übung ist geglückt und die Feuerwehrleute in Wemding hoffen, auch trotz der Corona-Pandemie für den nächsten Einsatz gerüstet zu sein.