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SEK ja oder nein? Diskussion nach Schusswaffengebrauch | BR24

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Ein Polizeieinsatz mit Schusswaffengebrauch in Geretsried im Januar hat ein Nachspiel: Das zuständige Polizeipräsidium hatte sich zunächst geweigert ein SEK-Kommando zu schicken.

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SEK ja oder nein? Diskussion nach Schusswaffengebrauch

Ein Polizeieinsatz mit Schusswaffengebrauch im oberbayerischen Geretsried im Januar hat nun ein Nachspiel: Das zuständige Polizeipräsidium hatte sich zunächst geweigert, ein SEK-Kommando zu schicken.

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Von
  • Oliver Bendixen

Sechs Wochen nachdem ein gewalttätiger Randalierer in seiner Wohnung im oberbayerischen Geretsried von Polizeibeamten angeschossen wurde, hat der Vorfall vom 6. Januar jetzt ein behördeninternes Nachspiel. Der Grund: die Einsatzzentrale im Präsidium in Rosenheim hatte sich lange geweigert, das von den Beamten vor Ort angeforderte Spezialeinsatzkommando (SEK) zu alarmieren.

23-Jähriger randaliert und bedroht Polizisten mit Messer

Nach BR-Informationen hatte der Einsatz gegen 22 Uhr begonnen. Bewohner des Wohnblocks hatten die Polizei alarmiert, weil ein Mann in seiner Wohnung randalierte. Als die ersten Beamten der Inspektion Geretsried eintrafen, weigerte sich der 23-Jährige, die Polizisten in seine Wohnung zu lassen und bedrohte die Einsatzkräfte mit einem Messer. Weder der Aufmarsch weiterer Beamter aus Wolfratshausen noch gutes Zureden änderten daran etwas.  

Anfrage nach SEK-Kommando wird mehrfach abgelehnt

Deshalb wurde nach BR-Informationen nach etwa 20 Minuten beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd angefragt, ob nicht das in München stationierte SEK angefordert werden könne, was die Einsatzzentrale aber ablehnte. Auch zwei weitere Anfragen - circa eine und zwei Stunden später - wurden abgelehnt. Erst um 00.45 Uhr ordnete der zuständige "Höhere Beamte vom Dienst" (HVD) die Alarmierung des Spezialeinsatzkommandos an.

Wohnung angezündet - Situation eskaliert

Nur wenige Minuten später zündete der 23-Jährige seine Wohnung an. Binnen weniger Minuten zog dichter Qualm durch den Wohnblock, den die Feuerwehr nun in einem Eileinsatz räumen wollte. Um dies zu ermöglichen, gingen schließlich Streifenbeamte vor und schossen, um einen Angriff auf die Feuerwehrleute zu verhindern, den 23-Jährigen an. Der erlitt mittelschwere Verletzungen und musste in eine Klinik gebracht werden. In dem Haus entstand erheblicher Schaden. Einige Wohnungen waren nach dem Vorfall erst einmal nicht mehr bewohnbar.  

Hätte die Eskalation vermieden werden können?

Nach Ansicht mehrerer an dem Einsatz beteiligter Beamter wäre all dies vermeidbar gewesen, wenn die Einsatzzentrale das SEK gleich alarmiert hätte - und nicht erst knapp drei Stunden nach Einsatzbeginn. Nach BR-Informationen wiesen die Polizisten darauf hin, dass die Hausbewohner unnötig in Gefahr gerieten, und der Gebrauch der Schusswaffe für Polizisten stets eine Belastung ist.

Vorfall wird jetzt intern untersucht

Wie Präsidiumssprecher Stefan Sonntag in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk erklärte, werde der Vorfall nun intern untersucht. Dazu müssten allerdings rund 500 Funksprüche und Handytelefonate ausgewertet werden, die in dieser Nacht rund um den Einsatz an der Geretsrieder Sudetenstraße abgesetzt beziehungsweise geführt wurden. Die Nachbereitung dauert noch.

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