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Seit 25 Jahren in Bayreuth: Hilfe für Angehörige um Suizid | BR24

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Vor 25 Jahren wurde in Bayreuth der Verein Agus gegründet. Mittlerweile gibt es ihn bundesweit. Der Verein unterstützt Angehörige um Suizid.

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Seit 25 Jahren in Bayreuth: Hilfe für Angehörige um Suizid

Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit: Damit sind Angehörige um Suizid oft in ihrem Umfeld konfrontiert. Doch das Sprechen darüber ist wichtig. Vor 25 Jahren wurde in Bayreuth der Verein Agus genau dafür gegründet. Mittlerweile gibt es ihn bundesweit.

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"Warum?" Diese Frage haben sich Klaus aus Bayreuth und seine Frau immer wieder gestellt. Vor achteinhalb Jahren verloren sie ihren Sohn durch Suizid. Das Verhältnis zu seinen Eltern war gut. Er studierte in Innsbruck, litt unter Depressionen. Eine Behandlung hat nicht geholfen. Für Klaus und seine Familie begann ein langer, schwerer Weg.

Gemeinnütziger Verein Agus in Bayreuth gegründet

Bis sich die Familie Hilfe geholt hat, dauerte es. "Wir haben einige Monate gebraucht. Wir waren in einer Schockstarre, wussten nicht, was mit uns passiert ist“, erzählt der Sozialpädagoge. Er hatte durch seinen Beruf bereits von dem Bayreuther Verein Agus gehört. Agus – das bedeutet Angehörige um Suizid. Ein gemeinnütziger Verein. Gegründet in Bayreuth vor 25 Jahren.

"Wir sind der zentrale Selbsthilfeverein für Menschen, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben. Die Anlaufstation für Menschen, wo die Welt erst einmal komplett aus den Fugen gerät." Jörg Schmidt, Leiter der Agus Bundesgeschäftsstelle

Jörg Schmidt ist Leiter der heutigen Bundesgeschäftsstelle. Heute gibt es rund 80 Selbsthilfegruppen im deutschsprachigen Raum, 17 allein in Bayern.

Verein Angehöriger um Suizid: Anfänge von Agus im Wohnzimmer

Angefangen hat alles im Wohnzimmer der Bayreutherin Emmy Meixner-Wülker. Sie gründete als Betroffene die erste Selbsthilfegruppe. Damals einzigartig in Deutschland. "Wir sind Helfer auf Zeit in einer emotional schweren Lebensphase", sagt Elfriede Loser. Sie übernahm die Gruppenbetreuung, als Emmy Meixner –Wülker 2008 starb. Auch sie ist Betroffene. Für ihre Arbeit hat sie im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

"In der Gruppe hat Platz, was im Alltag oft schwer und unaussprechlich erscheint." Elfriede Loser, Gruppenleiterin bei Agus

Bis zu zwölf Betroffene sind in einer Gruppe, einmal im Monat finden die Treffen der – wie Elfriede Loser es nennt – großen Schicksalsgemeinschaft statt.

Engagement von Betroffenen wichtig

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Suizide deutschlandweit abgenommen. Aber: noch immer sind es 10.000 + x jährlich. 75 % davon Männer. Für die Angehörigen ist es wichtig, dass sie Hilfe in der Nähe ihres Wohnortes bekommen, sagt Jörg Schmidt. Daher ist man in Bayreuth dankbar, dass sich immer wieder neue Gruppen bilden. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Nur in Bayreuth gibt es drei feste Stellen. Finanziert wird die Arbeit des Vereins sowohl von den Krankenkassen als auch durch Spenden.

Für die kommenden 25 Jahre wünschen sich alle, dass sich auch weiterhin Betroffene bei Agus engagieren. Und das Thema Suizid nicht länger ein Tabuthema bleibt.

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AGUS-Gruppenleiterin Elfriede Loser und der Leiter der AGUS-Bundesgeschäftsstelle, Jörg Schmidt.

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