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Seehofer und Söder vor der Landtagswahl
© dpa-Bildfunk
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Seehofer und Söder vor der Landtagswahl

Für ihren ersten gemeinsamen, wirklichen Wahlkampfauftritt haben sich Markus Söder und Horst Seehofer das Stadttheater Ingolstadt ausgesucht. Normalerweise wäre das kein Ort, den man besonders erwähnen müsste, doch weil zwischen den beiden gerade wieder der Machtkampf ausgebrochen ist, erscheint das Theater als bizarr gewählte Bühne.

Es ist die perfekte Projektionsfläche für ein großes Drama, weil es wieder darum geht, wer das Sagen hat in der CSU. Es geht wieder um den Zweikampf zwischen altem Patriarchen und jungem Revolutionär. Es geht darum, wer nach der Landtagswahl die Verantwortung für die zu erwartende schmerzhafte Niederlage übernehmen muss.

Seehofer will den schwarzen Peter nicht alleine haben

Mit dem vergangenen Wochenende ist der Machtkampf zwischen Seehofer und Söder voll entbrannt. Söder gibt dem CSU-Vorsitzenden die Schuld dafür, dass er trotz Initiativen im Wochentakt, Wohltaten für Familien und einem millionenschweren Programm zur Weltraumforschung mit Standort Bayern nicht aus dem Umfragetief kommt. Weil sich nichts nach oben bewegt schimpft Söder auf den Gegenwind aus Berlin und wenn er Berlin sagt, meint er Horst Seehofer.

Der frühere Ministerpräsident und CSU Chef macht umgekehrt deutlich, dass er das ganz anders sieht und schiebt die Verantwortung allein auf Söder. Am Wochenende stellte er noch einmal klar, dass er nicht zurücktreten wird. Egal, wie bitter das Wahlergebnis ausfällt. Es war eine deutliche Kampfansage. Seehofer will sich nicht nochmal vom Hof verdrängen lassen und wenn er es doch hinnehmen müsste, so ist er entschlossen, Söder mitzunehmen. Ganz nach dem Motto: "Wenn ich gehe, muss auch er gehen".

Was macht die CSU nach einer verheerenden Niederlage?

Ministerpräsident Markus Söder könnte eigentlich vergleichsweise entspannt in die Wahl gehen, denn aus der einflussreichen Landtagsfraktion gibt es deutliche Signale, dass Söder nicht zwingend gehen müsste. Die Fraktion honoriert, dass sich der Ministerpräsident aufarbeitet. Sein Ideenreichtum wird besonders gelobt, auch wenn es manchem Vorständler in den letzten Tagen etwas "too much" vorkam. Doch wenn die CSU deutlich unter 40 Prozent landet, wird auch Söder als angeschlagen gelten. Vielleicht zu angeschlagen, um auch noch das Amt des Parteichefs zu übernehmen?

Auf die ersten Tage wird es ankommen

Wie es in der CSU weitergeht, dürfte sich in den ersten Tagen nach der Wahl entscheiden. Am Montag tagt der Parteivorstand, am Dienstag will die Landtagsfraktion ihren Vorsitzenden wählen und vermutlich Söder beauftragen, Koalitionsverhandlungen zu führen, falls diese unumgänglich sind. Doch auch Seehofer beansprucht für sich das Recht, die Verhandlungen zu führen. Formal hat er damit sogar Recht. Koalitionsverhandlungen sind Sache der Parteien und noch ist er der Chef der CSU. Das aber könnte sich rasch ändern.

Wenn nur drei Bezirksverbände den Antrag auf einen Sonderparteitag stellen, muss dieser einberufen werden und so ein Parteitag könnte zum Scherbengericht für Seehofer werden. Seehofer dürfte aber daran gelegen sein, seinen Konkurrenten Söder größtmöglich zu beschädigen. Sollte er darin erfolgreich sein, müsste die CSU sich Gedanken über Alternativkandidaten für Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt machen. Dann könnte die Stunde der Überraschungskandidaten und Kandidatinnen schlagen.

Markus Blume

Markus Blume