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Seehofer lobt Lebenseinstellung der Sudetendeutschen | BR24

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Bundesinnenminister Horst Seehofer hat beim Sudetendeutschen Tag in Regensburg die Bedeutung der Sudetendeutschen für Bayern, Deutschland und Europa hervorgehoben. Als "Brückenbauer" bezeichnete Seehofer die Heimatvertriebenen.

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Seehofer lobt Lebenseinstellung der Sudetendeutschen

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat beim Sudetendeutschen Tag in Regensburg die Bedeutung der Sudetendeutschen für Bayern, Deutschland und Europa hervorgehoben. Als "Brückenbauer" bezeichnete Seehofer die Heimatvertriebenen.

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Mit Horst Seehofer (CSU) war seit langem wieder ein Bundesinnenminister beim Sudetendeutschen Tag zu Gast. In seiner Rede in Regensburg hob er am Samstag die Bedeutung hervor, die die Sudetendeutschen seiner Ansicht nach für Bayern, Deutschland und Europa haben. Trotz Flucht und Vertreibung würden sie auf Dialog statt Konfrontation setzen, damit seien sie "Brückenbauer", würdigte Seehofer.

"Die Sudetendeutschen haben eine Lebenseinstellung, die auch ein bayerisches Prinzip ist: Leben und leben lassen." Bundesinnenminister Horst Seehofer

Weiter erklärte Seehofer in seiner Rede: Der Begriff Heimat könne unterschiedlich definiert werden. "Heimat ist für mich dort, wo man geborgen ist. Und es gibt auch mehrere Heimaten."

Seehofer wünscht sich Sudetendeutschen Tag in Tschechien

Der Bundesinnenminister erinnerte an die Bedeutung der Versöhnungspolitik zwischen Tschechen und Deutschen. Allerdings: "So richtig abgerundet ist die Geschichte erst, wenn wir einen Sudetendeutschen Tag in Tschechien begehen", meinte Seehofer.

Freistaat immer an der Seite der Sudetendeutschen

Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) betonte in ihrer Rede, die Handschrift der großen Gemeinschaft der Sudetendeutschen habe Bayern mitgeprägt – "kulturell, wirtschaftlich und auch im politischen Handeln". Schreyer versicherte, der Freistaat Bayern trete für die Anliegen der Volksgruppe ein und sei sich seiner Verpflichtung gegenüber den Sudetendeutschen als seinem Vierten Stamm bewusst. Vor 65 Jahren hatte der Freistaat die Schirmherrschaft über die Sudetendeutsche Volksgruppe verkündet.

"Wir setzen uns ein, dass Ihr Schicksal und Ihre Geschichte lebendig im Bewusstsein unserer Gesellschaft erhalten bleiben. Wir fördern Projekte und Einrichtungen der Sudetendeutschen, wie das Sudetendeutsche Musikinstitut und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg, das Egerlandmuseum in Marktredwitz und das Isergebirgsmuseum in Neugablonz." Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer

Sozialministerin Schreyer ging auch auf den Bau des Sudetendeutschen Museums in München ein. Das Gebäude soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. "Der Freistaat baut für Sie das Gebäude. Sie aber sind diejenigen, die das Gebäude mit Leben und Geschichte füllen werden", erklärte Schreyer. Das Museum werde künftig ein Ort sein, "der unserer ganzen Gesellschaft die Kultur und Leistung der Sudetendeutschen eindrucksvoll nahebringt". Die Einrichtung werde "das notwendige Bewusstsein für die Geschehnisse von Flucht und Vertreibung" schärfen. Gleichzeitig hofft Schreyer auf einen Ort des Dialogs, auch mit den tschechischen Nachbarn.

Jugendorganisation tritt Rechtspopulismus entgegen

Die jungen Mitglieder der Sudetendeutschen Landsmannschaft werden von der Sudetendeutschen Jugend vertreten, die sich ebenfalls als Brückenbauer nach Tschechien versteht. Ihr Vorsitzender Mario Hierhager forderte im BR-Interview dazu auf, Konsequenzen aus den Erfahrungen der Vertriebenen zu ziehen. Die Sudetendeutsche Jugend stelle sich jeder Form von Rechtspopulismus und Nationalismus entgegen, betonte Hierhager. "Nationalismus und Hass gegenüber speziellen Ethnien und Volksgruppen haben dazu geführt, dass vertrieben worden ist, dass Kriege geführt worden sind."

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Mario Hierhager, Vorsitzender der Sudetendeutschen Jugend

Die Abstände zwischen den tatsächlich Vertriebenen und der Jugend werden laut Hierhager immer größer. "Wir gehören zur Generation Erasmus, bei uns waren die Grenzen offen. Bei uns hat das einen anderen Stellenwert, weil wir das nicht selbst erlebt haben", so der Vorsitzende der Sudetendeutschen Jugend. "Das heißt aber nicht, dass wir das als unwichtig sehen. Sondern wir ordnen das, was unsere Großeltern, unsere Urgroßeltern erlebt haben, in die heutige Welt ein."

Sudetendeutsche Jugend setzt auf Versöhnung

Mit Blick auf den Vorwurf, der Vertriebenenverband wolle die deutsche Schuld relativieren, sagte der Chef der Sudetendeutschen Jugend: "Der Anteil derer, die auf Versöhnung aus sind und auf die europäische Annäherung aus sind, der ist deutlich höher. Und das entspricht auch dem, was wir möchten."

Nach der Europawahl mahnte Hierhager: "Die Angriffe vor allen Dingen von rechts nehmen zu. Und ich denke, dass das europäische Haus noch ein sehr festes Fundament hat. Aber man muss dieses Fundament auch immer wieder mit Mörtel versorgen. Und zu diesem Mörtel gehören auch wir und man muss es auch gegen die verteidigen, die von ganz stark rechts oder von ganz stark links angreifen."

Zum Auftakt des 70. Sudetendeutschen Tags hatte die Sudetendeutsche Landsmannschaft Charlotte Knobloch am Freitag für ihre Verdienste um Europa mit dem Europäischen Karlspreis ausgezeichnet. In seiner Laudatio lobte der Vorsitzende Posselt ihren Einsatz gegen Nationalismus und Populismus.

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Bundesinnen- und Heimatminster Horst Seehofer (CSU) hat auf dem Sudetendeutschen Tag in Regensburg die Bedeutung der Sudetendeutschen für Bayern, Deutschland und Europa hervorgehoben und sie als 'Brückenbauer' bezeichnet.

💡 Geschichte der Sudetendeutschen

Traditionell zu Pfingsten treffen sich die Sudetendeutschen, in diesem Jahr zum 70. Mal. Als Sudetendeutsche werden seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die deutschsprachigen Bewohner Böhmens und Mährens bezeichnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden drei Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben.

Die Sudetendeutschen gelten als Bayerns 4. Stamm. Der bayerische Ministerpräsident ist gleichzeitig Schirmherr der Sudetendeutschen. Jahrzehntelang war das Verhältnis Bayerns zur Tschechoslowakei und der Tschechischen Republik eher schwierig – seit mehreren Jahren gibt es jedoch deutliche Signale der Annäherung und Verständigung.