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Security bei Festen: Der Bedarf steigt, die Probleme auch | BR24

© BR / Rudolf Heinz

Security auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest

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Security bei Festen: Der Bedarf steigt, die Probleme auch

Strengere Vorgaben und steigende Aggressivität führen bei kleineren Volksfesten immer öfter zum Einsatz professioneller Security- und Ordnungsdienste. Doch die Branche leidet chronisch unter Personalmangel, qualifizierte Ordner sind schwer zu finden.

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Festveranstalter müssen sich zunehmend um Sicherheitspersonal kümmern, denn die Auflagen sind oft streng. Zudem nehmen die Streitigkeiten bei Volksfesten zu. Doch qualifizierte Ordnungshüter sind schwer zu finden.

Feiern: ja – danebenbenehmen: nein

Es ist früher Abend auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest und schon gehen die ersten Streithähne im Festzelt aufeinander los. Dominik Zankl und sein Sicherheitsteam haben die Situation schnell im Griff. Der 26-Jährige ist Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes auf Altbayerns zweitgrößtem Volksfest.

"Es ist nicht unbedingt das beste Image des Sicherheitsdienstes, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir als Firma schauen schon auf dem Gäubodenvolksfest, dass wir uns von unserer besten Seite zeigen. Die Leute wollen ja feiern und wir wollen es ihnen nicht verbieten, aber wenn jemand nicht weiß, wie er sich verhalten muss, werden wir einschreiten." Dominik Zankl, Schichtleiter Sicherheitsdienst
© Heinz Rudolf / BR

Weiß um "Schwarze Schafe": Schichtleiter Dominik Zankl

Personalbedarf bei Security-Unternehmen bundesweit

Immer wieder muss Dominik betrunkene Gäste beruhigen oder freundlich darauf hinweisen, dass das Tanzen auf den Biertischen verboten ist. Fast zwölf Stunden ist er täglich auf den Beinen. Dass in Deutschland rund 12.000 Stellen im Security-Bereich unbesetzt sind, beschäftigt ihn.

"Es ist einfach der enorme Bedarf vorhanden, dass wir nicht wissen, wo wir die Leute hernehmen sollen. Da gibt es schon auch schwarze Schafe. Dementsprechend ist umso wichtiger, dass wir gut ausgebildetes Personal haben, die sich auch anständig artikulieren können." Dominik Zankl, Schichtleiter Sicherheitsdienst

Die Nachfrage nach Sicherheitsdiensten steigt kontinuierlich, besonders bei kleinen Veranstaltungen. Gründe dafür sind entweder Auflagen des Ordnungsamtes oder weil Vereine schlichtweg auf "Nummer sicher gehen wollen" – Stichwort: Haftung und Versicherung. Doch ein Sicherheitsdienst kostet Geld. Viele Veranstalter entscheiden sich oftmals für kleine, lokale Sicherheitsfirmen, und genau das ist der Punkt.

Rabiater Sicherheitsmann verletzt Festbesucher

Kleinere Unternehmen tun sich schwer, gut ausgebildetes Personal zu finden. Die Folge: Festbesucher werden Opfer von rabiaten Sicherheitsdiensten. Auch Wolfgang Fisch hat diese Erfahrung gemacht. Der Lackiermeister aus Donaustauf wurde auf einem Feuerwehrfest von einem Security-Mitarbeiter verletzt.

"Ich war auf dem Feuerwehrfest drei Tage helfen und wurde auf rüde Weise angesprochen, ich solle das Zelt verlassen. Ich habe mich dann auch als Feuerwehrler zu erkennen gegeben, was aber nicht interessiert hat. Mir ist dann gesagt worden, was ich kleines Licht dort möchte. Der nächste Satz war dann, 'ich ziehe dich auf allen Vieren raus.' Und bis ich es richtig realisieren konnte, hat er mich auf allen Vieren aus dem Zelt gezogen und draußen hingeschmissen. Die Ellenbogen und die Knie waren aufgerissen. Ich habe dann auch die Polizei geholt. Ich habe immer noch die Möglichkeit, eine Anzeige zu stellen, habe es aber sein lassen." Wolfgang Fisch, Helfer auf einem Feuerwehrfest und attackiertes Opfer
© Heinz Rudolf / BR

Feuerwehrmann Wolfgang Fisch: "Auf allen Vieren aus dem Zelt gezogen"

Kontrollbehörden an der Auslastungsgrenze

Die meisten Sicherheitsfirmen halten sich an die rechtlichen Vorschriften. Doch es gibt auch schwarze Schafe. Diese stellen Praktikanten oder nicht qualifiziertes Personal ein, was rechtlich verboten ist. Das zuständige Ordnungsamt ist eigentlich für die Überprüfung der Mitarbeiter zuständig. Laut BR-Recherche kommen die Ämter aufgrund der vielen Veranstaltungen aber nicht hinterher oder prüfen nur oberflächlich. Wie uns der Ordnungsdienstleiter Karl-Heinz Nagl erzählt, schaut man in Straubing genau darauf, wer auf dem Gäubodenfest für Sicherheit sorgt.

"Bevor die Leute hier in Einsatz gehen, werden sie von der Behörde überprüft. Sie müssen spezielle Voraussetzungen erfüllen und brauchen eine Ausbildung. Sie werden auf Vorstrafen überprüft, ob nirgendwo Rechtsextremismus oder sonst etwas im Spiel war. Nur dann bekommen sie die Freigabe." Karl-Heinz Nagl, Ordnungsdienstleiter Straubing

Seit dem 1. Juni gibt es das Bewacherregister. Alle Sicherheitsfirmen in Deutschland sind verpflichtet, grundlegende Daten ihrer Mitarbeiter wie Ausweis oder Qualifikation an das Bundeswirtschaftsministerium zu übermitteln. Bei Vor-Ort-Kontrollen kann die zuständige Behörde die Daten schnell überprüfen. Somit soll verhindert werden, dass nicht-qualifiziertes Personal im Dienst ist.

© Heinz Rudolf / BR

Das Gäubodenfest feiert noch bis Montag - hoffentlich friedlich.

© picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

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