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Sechs Wochen Bürgerrecherche: Zahlreiche Geschichten und Spuren | BR24

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"Wem gehört die Stadt?" - das haben BR und das Recherchezentrum Correctiv in den vergangenen Wochen in Augsburg, München und Würzburg gefragt. Viele Menschen haben sich beteiligt, jetzt beginnt die Auswertung. Es gibt auch Spuren in Steuerparadiese.

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Sechs Wochen Bürgerrecherche: Zahlreiche Geschichten und Spuren

"Wem gehört die Stadt?" - das haben BR und das Recherchezentrum Correctiv in den vergangenen Wochen in Augsburg, München und Würzburg gefragt. Viele Menschen haben sich beteiligt, jetzt beginnt die Auswertung. Es gibt auch Spuren in Steuerparadiese.

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Über 1.300 Teilnehmer – das ist das Ergebnis der Bürgerrecherche "Wem gehört die Stadt?". Mieter und Vermieter aus Augsburg, München und Würzburg haben dem BR und dem Recherchezentrum Correctiv Informationen zu ihrer Wohnung gespendet, um mehr Transparenz in den bayerischen Immobilienmarkt zu bringen. Dazu kommen zahlreiche E-Mails und persönliche Geschichten, in denen Bürgerinnen und Bürger von ihrer Wohnsituation erzählen.

Mieter: Angst vor Wohnungsverlust

Schon jetzt zeichnet sich ab, was Mieter besonders bewegt: Die Angst vor dem Verlust der Wohnung, vor allem wenn ein Haus verkauft wird. Die Journalisten bekamen Zuschriften, die von gleich mehreren Weiterverkäufen, Modernisierungen und Mietsteigerungen erzählen. Ein Mieter schreibt, dass seine Mietwohnung bereits drei Monate nachdem er eingezogen war, verkauft wurde. Der neue Eigentümer "war nur daran interessiert, die Wohnung schnell gewinnbringend weiterzuveräußern. So wurde versucht, bestehenden Mietern den Auszug bzw. die Suche nach einer anderen Bleibe schmackhaft zu machen durch das Anbieten von Geldprämien."

Es gibt auch positive Geschichten: Gerade private Vermieter oder städtische Unternehmen werden gelobt, zum Teil aber auch größere, privatwirtschaftliche Unternehmen. Das zeigt, dass es offenbar möglich ist, marktwirtschaftlich zu handeln und gleichzeitig fair zu vermieten.

Vermieter: Sorge wegen Erbschaftssteuer

Auch etliche private Vermieter haben bei der Bürgerrecherche mitgemacht. Sie treibt häufig die Frage um, wie sie weiter fair vermieten können. "Die Finanzbehörde will uns keine Steuererleichterung für diese Wohnung geben, da wir die 'ortsübliche Miete' um 40 Prozent unterschritten haben", berichtet einer. Eine Eigentümerin schreibt, die "unsäglichen Bauvorschriften" seien doch die "wahren Preistreiber".

Andere treibt das Thema Erbschaftsteuer um und die Sorge, eine Immobilie langfristig nicht in der Familie halten zu können. Wenn ein Haus an einen profitorientierten Investor verkauft werden müsse, blieben faire Mieten auf der Strecke.

Spuren ins Steuerparadies

In den eingegangenen Daten finden sich außerdem Hinweise auf hochriskante Investmentprojekte. Weitere Spuren führen in Steuerparadiese. Robert Schöffel, der die Datenauswertung des Projekts beim BR leitet, berichtet von schwer zu durchschauenden Firmengeflechten: "Wir haben auch Spuren ins Ausland entdeckt, z.B. nach Luxemburg und in die Ukraine, und da müssen wir schauen, was dahintersteckt und ob das berichtenswert ist."

Bürgerrecherche für mehr Transparenz

Augsburg, München, Würzburg: Woran liegt es, dass die Mietpreise so rasant steigen? Wer profitiert von hohen Renditen? Und wohin fließt das Geld aus den Mieteinnahmen? Um solche Fragen geht es bei der Bürgerrecherche "Wem gehört die Stadt?" des Bayerischen Rundfunks und des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv.

Ziel ist es, mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu schaffen. Denn ein öffentliches Immobilien-Register gibt es, anders als zum Beispiel in Großbritannien, in Deutschland nicht. Mit Hilfe der von Bürgern zur Verfügung gestellten Informationen recherchieren Journalisten weiter, um herauszufinden, welche Rolle institutionelle Anleger und ausländische Investoren am Markt spielen, wo das Geld für die Investitionen herkommt, und wo Gewinne hinfließen. Es geht darum, Strukturen und Muster zu erkennen. Politik und Gesellschaft müssen Lösungen finden für die Krise auf dem Wohnungsmarkt. Das funktioniert nur, wenn sie wissen, wem die Städte gehören.

So geht's weiter bei "Wem gehört die Stadt?"

Bereits in den vergangenen Wochen wurden einige Geschichten aus den Daten veröffentlicht, zum Beispiel zu unzumutbaren Zuständen in einem Mietshaus in Würzburg. Datenjournalisten verifizieren jeden Eintrag mit Hilfe der hochgeladenen Mietverträge. Dabei kategorisieren sie zum Beispiel nach Genossenschaftswohnungen, städtischen Wohnungen, Privatvermietern oder Investoren.

Diese Informationen bilden die Grundlage für weitergehende Recherchen. Gibt es in Augsburg, München oder Würzburg ähnliche Fälle wie in Berlin, wo ein Geflecht von Briefkastenfirmen auftauchte mit einer Spur in ein Steuerparadies?

Sollten Sie Hinweise haben, schreiben Sie an wemgehoert@br.de.

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