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Ärger um Besuch von Kurz im Kleinwalsertal | BR24

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Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat das Kleinwalsertal besucht, das nur über Deutschland zu erreichen ist.

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Ärger um Besuch von Kurz im Kleinwalsertal

Der Besuch von Österreichs Kanzler im Kleinwalsertal sorgt für Wirbel. Sebastian Kurz wurde in dem Gebiet, das nur von Bayern aus zugänglich ist, von den Menschen gefeiert - ohne Masken und ohne gebührend Abstand. Die Opposition droht mit Anzeige.

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Österreichs Kanzler hat das Kleinwalsertal besucht, das nur über Bayern zu erreichen ist und deswegen in der Coronakrise wochenlang quasi isoliert war. Bei der Visite wird Sebastian Kurz umjubelt. Dabei geht es eng zu. Der Kanzler selbst, einige in seiner Entourage und viele Bewohner tragen keine Masken. Kurz sucht das Gespräch mit den Menschen. Immer wieder mahnt er dabei, den Abstand einzuhalten. Doch das will nicht so recht klappen, wie BR24-Reporter Andreas Herz berichtet. Die Menschen stehen dicht gedrängt um ihn und feiern. Dafür erntet Kurz nun heftige Kritik.

Empörung auf Twitter über "Corona-Party"

"Kann mir irgendwer erklären, wieso diese Corona-Party erlaubt ist und die Masken als Halsketten getragen werden?", wunderte sich Florian Klenk am Abend auf Twitter. Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Falter" sprach von "Verarschung". In Wien würden die Menschen bestraft, wenn sie alleine im Park seien, Wirtshäuser hätten zu, die Menschen blieben im Home-Office. Und im Kleinwalsertal gebe es "Gedränge um Kurz".

Nicht nur Klenk fand die Szenen befremdlich. Auf Twitter kommentierten viele, der Kanzler habe ein schlechtes Vorbild abgegeben: "Kurz pfeift auf seine eigenen Corona-Maßnahmen", heißt es da. Oder: "Der Kanzler lässt die Maske fallen".

Opposition droht mit Anzeige

Der NEOS-Abgeordnete Sepp Schellhorn machte nicht nur seinem Ärger Luft, er drohte Konsequenzen an. "Die Kulturschaffenden, Theater und Filmemacher müssen sich über Hygienebestimmungen den Kopf zerbrechen. Wirte um Abstandsregelungen mit Masken und dann das", schrieb der Liberale auf Twitter.

Seine Partei werde Anzeige erstatten. Der Grund für die Anzeige blieb zunächst unklar. Möglicherweise geht es um die Nichteinhaltung der Ein-Meter-Abstandspflicht oder einen Verstoß gegen das Versammlungsverbot. In Österreich sind im Moment nicht mehr als zehn Personen erlaubt.

Bundeskanzleramt reagiert auf Kritik

Angesichts der scharfen Kritik und der angekündigten Anzeige appellierte das Bundeskanzleramt am Morgen, den Corona-Sicherheitsabstand zu beachten: "Egal ob man den Bundeskanzler oder Freunde auf der Straße trifft: Der Abstand ist einzuhalten." Obwohl man sich vor und beim Besuch direkt darum bemüht habe, sei von Bewohnern und Medienvertretern "teilweise der Mindestabstand leider nicht eingehalten worden", hieß es weiter. Mit der Maske halte es Kurz in den Bundesländern nicht anders als in Wien: Bei Bewegungen in geschlossenen Räumen trage er Mund-Nasen-Schutz, im Freien nicht.

NEOS: Kurz muss sich entschuldigen

Die NEOS sind mit dieser Erklärung nicht zufrieden. "Es auf die Menschen und Medien im Kleinwalsertal zu schieben wird nicht reichen", schrieb die Bundesvorsitzende Beate Meinl-Reisinger auf Twitter und forderte eine Entschuldigung des Kanzlers.

Der Besuch im kleinen Hauptort Mittelberg an der Grenze zum Allgäu bildete den Auftakt einer Rundreise von Kanzler Sebastian Kurz durch alle neun Bundesländer. Es ist der erste auswärtige Termin, den der Regierungschef seit Beginn der Coronakrise vor über zwei Monaten wahrgenommen hat.

Heute wird Kurz in Innsbruck erwartet, wo das Thema Ischgl erneut zur Sprache kommen dürfte. Das Skigebiet gilt als eine der Keimzellen des Coronavirus in Europa. Viele Skifahrer sollen sich dort angesteckt haben und das Virus in Europa verbreitet haben. Die österreichischen Behörden stehen deshalb in der Kritik. Kurz wird sich auch dazu unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.

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