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Bildrechte: BR / Judith Zacher

Am 17. Mai 1821 wurde Sebastian Kneipp in Stephansried im Unterallgäu geboren. 200 Jahre ist das jetzt her. Der Pfarrer litt an einer Lungenkrankheit und probierte Heilmethoden an sich selbst aus - anfangs heimlich.

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Sebastian Kneipp - 200 Jahre und immer noch aktuell

Vom armen Weber zu einer der bekanntesten Personen des 19. Jahrhunderts - so könnte man das Leben Sebastian Kneipps in Kürze zusammenfassen. Er wurde vor 200 Jahren geboren. Doch seine Theorien sind bis heute nicht angestaubt.

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Von
  • Doris Bimmer
  • Judith Zacher
  • Beate Mangold

Es war der 17. Mai 1821, als Sebastian Kneipp in dem kleinen Weiler Stephansried im Unterallgäu geboren wurde. Damals konnte noch keiner ahnen, dass aus dem Sohn armer Landweber später einmal der berühmte Pfarrer Kneipp werden sollte, dessen Wasserkur bis heute in der ganzen Welt praktiziert wird. Der Weg zu diesem Ruhm war aber nicht ganz einfach.

Kneipp musste schon früh mit anpacken

Denn als einziger Sohn der Familie muss Kneipp schon als Kind mit anpacken und im Keller des Hauses am Webstuhl arbeiten. Freunde darf er bis zu seinem zwölften Lebensjahr keine haben, stattdessen schenkt ihm sein Vater einen Bienenstock. Bei der Beobachtung der Tiere schult Kneipp seine Beobachtungsgabe – ein Talent, dass er später auch bei seinen Patienten anwenden wird.

Arbeit als Weber statt Schule und Bildung

Die strenge Erziehung der Eltern zwingt ihn zu stundenlanger Arbeit im muffigen Keller und hält ihn fern von Bildung, so Helmut Scharpf aus Ottobeuren: "Als der kleine Sebastian im Keller saß am Webstuhl und gelesen hat, wurde ihm das vom Vater verboten. Sebastian hat gesungen im Keller, das wurde ihm verboten."

Eine Lüge ebnet Kneipp den Weg zum Priester

Doch Kneipp will lernen und ausbrechen. Später schreibt er, er habe sich als kleiner Junge gefühlt, wie ein Hund an der Kette. Weil seine Eltern ihn nicht gehen lassen wollen, greift der tiefgläubige Kneipp als 20-Jähriger Mann zu einer Lüge. Seinen Eltern erzählt er, er gehe in die Schweiz um sich dort die neue Generation von Webstühlen anzuschauen. Stattdessen wandert Kneipp aber nach Grönenbach, um wieder mal einen Pfarrer zu fragen, ob er ihn in Latein unterrichten und auf die Schule vorbereiten könne. Bei 20 anderen war er vorher abgeblitzt – bei Kaplan Merkle hat er schließlich Erfolg und beginnt seinen Weg zum Priester.

Kneipp leidet an einer Lungenkrankheit

Seine Ausbildung bringt ihn auch nach Dillingen und damit zum Wasser. Kneipp leidet unter einer Lungenkrankheit, vermutlich durch die stundenlange Arbeit im Keller am Webstuhl. Im Studium fehlt ihm dann die frische Luft, erzählt Helmut Scharpf: "Er hat einen ganz anderen Lebenswandel während der Zeit in Dillingen: Dieses viele Rumhocken, er hatte keine Bewegung mehr. Das fehlte ihm und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich sehr."

Heimliche Kur-Versuche nachts in der Donau

Durch Zufall drückt ihm in dieser Zeit ein Bibliothekar ein Buch in die Hand: "Unterricht in der Heilkraft des Wassers". Die Heilmethoden probiert Kneipp zuerst an sich selbst. Heimlich stiehlt er sich dafür nachts aus dem Schlafsaal. Er riskiert hohe Strafen, denn als Student darf er die Stadt eigentlich nicht verlassen. In einem Seitenarm der Donau taucht er dann bis zum Hals ins Wasser – bei eisigen Temperaturen auch im Winter.

Erfolge bei Patienten – Kritik von Ärzten und Apothekern

Kneipp ergänzt die Kur durch Halbbäder und Güsse und sein Gesundheitszustand bessert sich stetig. Später als Beichtvater in Bad Wörishofen perfektioniert er seine Wasserkur und erzielt auch erste Heilerfolge an Patienten. Er behandelt Menschen, die sich entweder keinen Arzt leisten können oder die von damaligen Medizinern als unheilbar heimgeschickt werden. Er versuchte seine Patienten und damit auch sich selbst zu retten – denn mit seinen guten Taten wollte Kneipp der Hölle entgehen.

Dafür zieht er sich viele Feindschaften zu Lebzeiten zu, vor allem, weil er Apotheker und Ärzte wegen ihrer Pfründe kritisierte. Der Gegenwind folgt prompt, auch in Form von Anzeigen gegen den Wasserdoktor, so Helmut Scharpf. "An Kneipp prallte das alles ab: 'Des goht alls übr de Buckl na. Und der isch breit gnua.'"

Buch über die Wasserkur macht Kneipp berühmt

1886 bringt er seine Beobachtungen und Wasserkuren schließlich zu Papier. Das Buch erscheint und macht ihn und Bad Wörishofen noch berühmter. So berühmt, dass es zur damaligen Zeit gereicht haben soll, ein Konterfei des Pfarrers auf einen Brief zu kleben und er kam zuverlässig in Bad Wörishofen an.

Kneipp legt selbst den Grundstein für den Erfolg seines Namens

Sebastian Kneipp selbst bleibt aber bis zum Schluss bescheiden. Und er ist bis heute modern – meint zumindest Helmut Scharpf. "Sein großes Kredo war die Einfachheit. Stichwort Nachhaltigkeit: Was würde Kneipp dazu sagen, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren? Würde ihm sicher nicht in den Sinn kommen. Würde Kneipp bio kaufen? Ganz sicher, weil er sagt, es muss unverfälscht sein."

Sebastian Kneipp stirbt im Juni 1897 als vielbeschäftigter Mann mit 76 Jahren an einem Tumor. Wenige Jahre vorher legt er noch den Grundstein für die Marke Kneipp, die sich bis heute um die wirtschaftliche Vermarktung seines Namens kümmert.

  • Zum Artikel "Kneipp – vom Pfarrer zur wertvollen Marke“
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Heute feiern wir den 200. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp, der durch sein ganzheitliches Gesundheitskonzept weltberühmt wurde. Unsere #BR24Zeitreise zeigt den Kurbetrieb in Bad Wörishofen im Allgäu, dem Kneipp-Heilbad schlechthin.

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