BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

"Sea-Eye"-Schiff mit 64 Flüchtlingen sucht sicheren Hafen | BR24

© Fabian Heinz/Sea-eye.org

Deutsche Seenotretter nehmen Migranten auf.

Per Mail sharen
Teilen

    "Sea-Eye"-Schiff mit 64 Flüchtlingen sucht sicheren Hafen

    Nach der Rettung von 64 Menschen aus dem Mittelmeer vor Libyen ist die "Alan Kurdi" der Regensburger Hilfsorganisation "Sea-Eye" weiter auf der Suche nach einem Hafen. Italiens Innenminister Salvini verlangt, dass Deutschland die Geretteten aufnimmt.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Italien hat Deutschland schriftlich aufgefordert, sich um das "Problem" eines Rettungsschiffes der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Eye" zu kümmern, das mit 64 geretteten Flüchtlingen an Bord Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen hat. "Das Schiff ist deutsches Eigentum, unter deutscher Flagge, mit deutscher Besatzung", erklärte Italiens Innenminister Matteo Salvini am Donnerstag am Rande eines Treffens der G7-Innenminister in Paris.

    Italien verweigert Einfahrt in Häfen

    "Sie müssen das klären." Er habe auch dem Kapitän der nach einem ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen benannten "Alan Kurdi" klar gemacht, dass er das Boot "nicht in italienische Hoheitsgewässer einlaufen" lassen werde, bekräftigte der italienische Vize-Regierungschef. Zuvor hatte er die Retter bereits aufgefordert, die Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen und dabei konkret auf Hamburg verwiesen. Italien weigert sich seit Monaten, gerettete Flüchtlinge an Land gehen zu lassen.

    Nimmt Hamburg die Geretteten auf?

    Vertreter der deutschen Flüchtlingshilfsinitiative Seebrücke forderten Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auf, die Flüchtlinge in seiner Stadt aufzunehmen. Tschentscher solle die Bundesregierung und die italienische Regierung kontaktieren und die Bereitschaft dazu signalisieren, erklärte die Hamburger Ortsgruppe des Bündnisses.

    64 Menschen hatten die Mitarbeiter der Regensburger Hilfsorganisation "Sea-Eye" zuvor vor Libyen aus dem Mittelmeer gerettet. Italien und Malta hatten die Retter angefragt, doch die Rettungsleitstelle in Rom habe lediglich mitgeteilt, dass sich "Sea-Eye" an Deutschland wenden solle. Deutschland ist laut dem Bundesinnenministerium zur Aufnahme eines Teils der Flüchtlinge bereit.

    "Seebrücke": Salvinis Worte menschenverachtend, abstoßend

    Die Initiative "Seebrücke" bezeichnete die Äußerungen Salvinis als "absurd". Die "rassistische Stimmungsmache" sei "menschenverachtend und abstoßend", sagte Christoph Kleine von der "Seebrücke Hamburg". Eine wochenlange Seereise nach Hamburg sei für die Geretteten wie für die Crew gleichermaßen unzumutbar. Die "Alan Kurdi" werde zudem für die nächsten Rettungseinsätze benötigt. "Das Seerecht verlangt die Aufnahme im nächsten sicheren Hafen", sagte Kleine. Ein solcher liege entweder in Italien oder auf Malta. Von dort sollten die 64 Geretteten umgehend in ein Land ihrer Wahl weiterreisen können, forderte er.

    Deutschland will humanitäre Lösung

    Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte dem Evangelischen Pressedienst, wie auch in anderen Fällen der Seenotrettung unterstütze Deutschland eine schnelle, humanitäre und solidarische Lösung zur Aufnahme der geretteten Personen. Deutschland sei daher grundsätzlich bereit, die Zuständigkeit für einen Teil dieser Personen im Rahmen einer europäischen Lösung zu übernehmen. Darüber hinaus müsse für die Zukunft jedoch ein Mechanismus zur Verteilung von Geretteten gefunden werden, mit dem sicherzustellen sei, dass rasch sichere Anlaufhäfen für Rettungsschiffe gefunden werden können.

    "Sea-Eye": Wir können nicht mehr Vermisste suchen

    Menschenrechtler kritisieren seit langem, dass die Verteilung von Flüchtlingen, die aus Seenot gerettet werden, zu lange dauert. Oftmals müssen die Rettungsschiffe Wochen im Mittelmeer ausharren, bis klar ist, wo die Migranten Zuflucht finden. Auch Malta hatte Rettungsschiffen in den vergangenen Monaten immer wieder das Anlegen verwehrt. Die Suche nach einem weiteren vermissten Boot mit 50 Flüchtlingen sei unterdessen aufgeben worden, hieß es aus der Regensburger "Sea-Eye"-Zentrale. "Wir können mit so vielen Menschen an Bord nicht mehr weiter suchen", sagte Sprecherin Carlotta Weibl. Das Schlauchboot mit 50 Flüchtlingen an Bord, darunter drei Kinder, wird seit Montagnacht vermisst. Die "Alan Kurdi" ist derzeit das einzig verbliebene private Rettungsschiff im Mittelmeer.