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Generation von Nichtschwimmern?

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Mehr Nichtschwimmer wegen Corona: Was Eltern tun können

Monatelang waren Schwimmbäder geschlossen. Deshalb können mehr Kinder denn je nicht oder nicht gut genug schwimmen, warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Das könnte vor allem im Sommer gefährlich werden. Eltern können aber gegensteuern.

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Von
  • Christina Schmitt

Noch paddeln die sechs Jungen und Mädchen mit Schwimmbrettern und Wassernudeln durch das Außenbecken des Schwimmbads im Freizeitpark Grünwald. Bald wollen sie ohne Hilfsmittel schwimmen können und ihr Seepferdchen-Abzeichen machen. Den Kurs hatten sie schon vor der Pandemie begonnen. Nach eineinhalb Jahren "Zwangspause" während der Pandemie können sie nun wieder üben.

Bei Schwimmlehrer Raimund Hennemann ist die Nachfrage nach einem Platz in einem seiner Schwimmkurse groß - trotz der noch kalten Außentemperaturen von um die 15 Grad derzeit. Nach der monatelangen Schließung der Schwimmbäder dürfen seit Kurzem zumindest die Freibäder wieder öffnen, sofern in dem jeweiligen Landkreis die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Schwimmkurse für Kinder sind also grundsätzlich wieder möglich, allerdings ist das Angebot in ganz Bayern derzeit noch rar.

Schwimmkurse nur unter verschärften Bedingungen

Das liegt unter anderem an den Abstands- und Hygieneregeln, die bei einigen Anbietern, wie etwa der Bayerischen Wasserwacht aber auch der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) teils noch für Zurückhaltung sorgen. Außerdem seien Schwimmkurse nicht in allen Freibädern möglich und sinnvoll, sagt Michael Förster von der DLRG in Bayern. Die Bedingungen für den Schwimmunterricht draußen müssten stimmen: "Das Wasser sollte um die 30 Grad warm sein, die Kinder brauchen einen abgesperrten Bereich und es braucht klares Wasser, damit die Kinder bis zum Grund sehen können."

Ein weiterer Knackpunkt sei außerdem, dass der Schwimmlehrer Abstand zu den Kindern halten können muss. Auch deswegen müssten die Eltern dabei sein, damit im Notfall jemand aus dem gleichen Haushalt eingreifen könne.

Die Wasserwacht Bayern ist ebenfalls noch zurückhaltend beim Angebot von Kinder-Schwimmkursen. Schließlich bräuchten gerade die Kleinen am Anfang noch viel Unterstützung, etwa jemanden, der sie festhält, sagt Oliver Welter von der Wasserwacht Bayern: "Wir arbeiten aber derzeit an Konzepten, damit wir bald auch wieder für die Kinder Schwimmkurse unter den geltenden Hygieneauflagen anbieten können."

Weniger Schwimmkurse, höheres Risiko zu ertrinken

Die DLRG warnte zuletzt, dass mehr Kinder denn je nicht oder nicht gut genug schwimmen könnten. Seit Jahren sei zu beobachten, dass der Schwimmunterricht an Schulen immer weniger werde. So konnten bereits vor der Pandemie annähernd 25 Prozent aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil ihnen kein Bad zur Verfügung steht.

"Corona hat die Lage noch verschärft", bestätigt auch Welter von der Wasserwacht Bayern. Das Risiko zu ertrinken steige. "Es gibt einen Stau bei den Kinderschwimmkursen, die eigentlich im letzten Jahr hätten schwimmen lernen sollen", so Förster von der DLRG. Das könne durch Schwimmkurse der Anbieter allein nicht aufgeholt werden. Auch deshalb raten sowohl DLRG als auch die Wasserwacht Bayern den Eltern, selbst mit den Kindern zu üben.

Wassergewöhnung und Schwimmen: Tipps für Eltern

Am wichtigsten sei, dass die Kinder das Element Wasser kennenlernen könnten - und keine Angst davor hätten. Die sogenannte "Wassergewöhnung" sei deshalb etwas, was alle Eltern, sogar zu Hause mit ihren Kindern machen könnten.

Tipp Nummer 1: Haare waschen mit Gießkanne oder Brause

Wichtig sei es, auch beim Baden oder Duschen dem Kind Wasser über Kopf und Augen laufen zu lassen, gerne auch mit einem Eimer oder einer Gießkanne als Spielzeug. "Das Kind soll lernen, dass es am Wasser Spaß haben kann - und dass nichts Schlimmes passiert, wenn Wasser in die Augen kommt", sagt Förster von der DLRG. Dadurch werde das Kind darauf vorbereitet, bei einem Fall ins Wasser auch unter Wasser die Augen aufmachen zu können, um sich zu orientieren.

Tipp Nummer 2: Am Beckenrand strampeln

Bei einem Besuch im Freibad können die Eltern sich mit den Kindern an den Beckenrand setzen und mit den Unterschenkeln im Wasser strampeln. Dadurch gewöhnen sich die Kinder langsam an die - meist kühlere - Temperatur im Wasser und lernen, dass ein paar Spritzer nicht schlimm sind und sogar Spaß machen können.

Tipp Nummer 3: Blubbern

Im Schwimmkurs von Raimund Hennemann gehört zu der Wassergewöhnung auch, dass die Kinder Luftblasen ins Wasser blubbern können. Zuerst mit einem Strohhalm, später dann auch mit dem Mund. Ein spielerisches Training, das am Ende die Kinder befähigen soll, unter Wasser ausatmen zu können - eine der Grundfähigkeiten fürs Schwimmen.

Tipp Nummer 4: Bälle und Spielzeugfiguren in der Badewanne

Auch Spielzeug in der Badewanne kann bei der Wassergewöhnung helfen: Dadurch lernen die Kinder, wie das Element Wasser und insbesondere der Auftrieb funktionieren. Laut DLRG könnten die Kinder dadurch lernen, mit ihrem Körper im Wasser zu schweben.

Schwieriger wird es, wenn die Eltern den Kindern Schwimmen und Tauchen beibringen wollen. Doch auch hier gibt es Unterstützung: Etwa mit Tutorials der Wasserwacht oder der DLRG. Wichtig dabei ist, dass die Kinder den Beinschlag richtig trainieren, damit sie sich keine falsche Bewegung einprägen. Im Zweifel aber lasse sich die Technik auch im Nachhinein noch mit einem Schwimmkurs erlernen - wichtiger sei für die Kinder erstmal, sich über Wasser halten zu können.

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