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Schwieriges Mathe-Abi: Bayerische Schüler fordern Notenanpassung | BR24

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Die Aufgaben seien zu schwierig gewesen. Mit einer Online-Petition fordern die Abiturienten in Bayern, dass bei der Korrektur der Notenschlüssel an den Schwierigkeitsgrad angepasst wird.

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Schwieriges Mathe-Abi: Bayerische Schüler fordern Notenanpassung

Bayerische Schülerinnen und Schüler halten die Aufgaben des Mathe-Abiturs für deutlich schwerer als in den Vorjahren. Sie starteten eine Petition mit der Forderung, den Notenschlüssel zu senken. Kultusminister Piazolo will die Sache prüfen.

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Am Freitag sind die bayerischen Abiturientinnen und Abiturienten ins Mathe-Abi gestartet. Offenbar waren aber die Aufgaben in diesem Jahr deutlich schwerer als in den vergangenen Jahren. Die bayerischen Schüler starteten nun eine Petition, die schon mehr als 50.000 Menschen unterschrieben haben.

Forderung nach Senkung des Notenschlüssels

Die Jugendlichen wollen, dass der Notenschlüssel des diesjährigen Mathe-Abiturs gesenkt und dem Schwierigkeitsgrad angepasst wird. In der Begründung für die Online-Petition heißt es, in diesem Jahr seien die Prüfungen in Mathematik so anspruchsvoll gewesen wie in keinem Jahr zuvor: Das Mathe-Abitur habe Aufgabenstellungen enthalten, die so noch niemand zuvor gesehen habe. In den Kommentaren zur Petition schreiben Schülerinnen und Schüler, die harte Arbeit im Unterricht der vergangenen Jahre sei "mit Füßen zertreten" worden.

Unterstützer der Petition fordern Chancengleichheit

Auf der Online-Seite mit der Petition haben etliche Personen geschrieben, warum sie die Forderung unterstützen: "Weil das diesjährige Mathe-Abitur in keinem Verhältnis zu denen der letzten Jahre steht", heißt es da zum Beispiel. "Während andere Bundesländer ein um Einiges simpleres Mathe-Abitur bekommen, müssen Schüler in Bayern immer das Doppelte und Dreifache leisten! (...) Das hat mit Chancengleichheit nichts mehr zu tun!!!" Eine andere Meinung: "Es sollte keine Glückssache sein, welche Note man bekommt, abhängig vom dem Jahr, in dem man schreibt." Eine weitere Stimme fordert: "Im zentralen Mathe-Abitur sollte eine weitgehende Objektivität gegeben sein und keine großen Schwankungen zwischen den Jahrgängen."

Unterstützung und Ablehnung von Lehrern

Unterstützung bekommt die Petition auch von Lehrern. So schreibt ein Mathematiklehrer, er könne seine Wut über die diesjährigen Mathe-Aufgaben kaum in Worte fassen; der Bewertungsmaßstab müsse überarbeitet werden, sonst würden nicht nur die Schüler unter schlechten Noten leiden, es werde sonst auch zahlreiche Nachprüfungen geben.

Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV bestätigte, "eklatant viele" Schüler seien dieses Jahr mit dem Mathe-Abitur schlicht nicht fertig geworden. Selbst Mathelehrer hätten dieses Jahr keine einzige Aufgabe im Kopf rechnen können, was sonst zumindest teilweise immer möglich gewesen sei, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

"Es ist schon schade auch für uns Lehrerinnen und Lehrer. Da muss man einfach sehr sensibel sein. Was soll man denn sonst tun: Wir präparieren, wir trainieren mit den Jugendlichen die alten Abituraufgaben. Und wenn es da einen deutlichen Unterschied gibt, dann ist das schon legitim, da mal genauer hinzuschauen." Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

Fleischmann regte darüber hinaus an, über den Leistungsbegriff generell nachzudenken.

Ablehnung kam dagegen vom Deutschen Lehrerverband. Dessen Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sah zunächst keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren:

"Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten. Ohne dem endgültigen Bewertungsergebnis vorwegzugreifen: Die Tendenz zeigt für Bayern, die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik." Heinz-Peter Meidinger in der Rhein-Neckar-Zeitung

Auch in anderen Bundesländer hätten sich Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und mit Online-Petitionen an ihre Kultusministerien gewandt, so in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt. In Niedersachsen kündigte das dortige Kultusministerium ebenfalls an, die Abiturprüfung zu überprüfen.

SPD solidarisiert sich mit Schülern

Die SPD im Landtag solidarisierte sich mit den Schülern. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, appellierte an das Kultusministerium, die Beschwerden der Schülerschaft ernst zu nehmen und die Aufgaben noch einmal gewissenhaft zu prüfen. "Wenn eine entsprechende Petition der Schülerinnen und Schüler innerhalb weniger Stunden tausende Unterschriften sammelt, dann muss der Vorgang sehr ernst genommen werden", sagte Strohmayr.

Falls die Mathematik-Aufgaben tatsächlich deutlich schwerer gewesen seien als in den vergangenen Jahren, müsse das Ministerium die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Der Notenschlüssel müsse dann gesenkt und an den Schwierigkeitsgrad angepasst werden. "Ein entsprechender Fehler sollte auch eingestanden werden und entsprechende Korrekturen nach sich ziehen", so Strohmayer.

Kultusminister will Abitur-Aufgaben prüfen lassen

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat unterdessen eine Überprüfung der Aufgaben angekündigt. "Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen", sagte der Minister. Dies werde auch "zeitnah" geschehen. Bereits an diesem Montag wolle er sich mit den Experten in seinem Ministerium besprechen.

Unmut auch in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen regt sich Unmut über die diesjährigen Mathe-Prüfungen. Wie in Bayern seien die gestellten Aufgaben zu schwer gewesen, weswegen Schülerinnen und Schüler eine Petition starteten.

Die niedersächsische ist eine Öffentliche Petition und braucht ein sogenanntes Quorum, also eine notwendige Anzahl von Unterstützern, damit es eine öffentliche Anhörung zu den in der Petition angemahnten Sachverhalten gibt.

Petition braucht in Bayern keine Mindestanzahl an Stimmen

In Bayern gibt es solche Öffentlichen Petitionen nicht. Dort kann jeder eine Petition beim Landtag einreichen, eine notwendige Zahl an Unterstützern braucht es nicht. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis die Petition eingegangen ist, das Kultusministerium eine Stellungnahme verfasst hat und sich auch der Landtag mit den Anliegen der Petenten befasst hat. Es geht den Schülerinnen und Schüler wohl auch darum, öffentlichen Druck auf das Kultusministerium aufzubauen und die Unterstützung der Landtags-Opposition zu gewinnen.

© BR/Gerhard Brack

Bayerische Schülerinnen und Schüler halten die Aufgaben des Mathe-Abiturs für deutlich schwerer als in den Vorjahren. Sie starteten eine Petition mit der Forderung, den Notenschlüssel zu senken. Kultusminister Piazolo will die Aufgaben prüfen lassen.

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Die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann, im Interview zum schwierigen Mathematik-Abitur heuer in Bayern.