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Schwieriger als gedacht: Schutzzäune gegen den Wolf | BR24

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Bildrechte: BR/Zara Kroiß

In einem Waldstück nahe dem Chiemsee wird mit Schildern vor Wölfen gewarnt. Diese befinden sich vor Weiden.

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    Schwieriger als gedacht: Schutzzäune gegen den Wolf

    Immer wieder reißen durchziehende Wölfe in Bayern Schafe. In den betroffenen Regionen können Landwirte jetzt ein neu aufgelegtes Förderprogramm zum Schutz von Weidetieren abrufen. Doch ist es immer möglich und praktikabel, Schutzzäune zu errichten?

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    Von
    • Doris Fenske
    • Eva Huber

    Die Mitglieder des Arbeitskreises Weideschutzkommission an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft haben derzeit einen vollen Terminkalender. Mehr als 20 Weidetiere wurden in den letzten Wochen von durchziehenden Wölfen gerissen. Vor allem am Alpenrand, in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und im Ostallgäu. Diese Gebiete sind in die Förderkulisse "Investition Herdenschutz Wolf" aufgenommen worden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte Zuschüsse für Maßnahmen aus dem neu aufgelegten Förderprogramm zum Herdenschutz beantragen können.

    Experten: Zaun nicht immer möglich

    Experten wie Johanna Mehringer und ihr Team prüfen nicht nur digitale Karten, sondern besuchen betroffene Betriebe, um zu beurteilen, wo es möglich ist, Schafe und andere Weidetiere mit Elektrozäunen vor Wolfsangriffen zu schützen. Sie schauen aber auch darauf, wo das Landwirten zumutbar ist. Nicht selten kommen sie zu dem Urteil, dass das Errichten eines Zauns nicht zumutbar oder nicht möglich ist.

    Beispiel: Weide an steilem Hang

    Auch ein hoher Elektrozaun kann nicht sicher verhindern, dass ein Wolf auf die Weide und damit zu den Tieren gelangt. Wie zum Beispiel auf dem Hof von Landwirt Hacher in Marquartstein: Die Weidefläche liegt zwar direkt hinter dem Hof. Um seine Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen, müsste sie ringsum eingezäunt werden – mindestens 90 Zentimeter hoch. Doch am Rande der Weide gibt es einen steilen Hang, und der ist ein großes Problem.

    "Da könnte er vom Hang aus reinspringen", sagt Johanna Mehringer. Rein theoretisch gibt es dafür eine Lösung: den Zaun vom Hang etwas abrücken und die Weidefläche verkleinern. Doch das bedeutet unverhältnismäßig viel Mehraufwand für den Landwirt, wenn er einen Streifen Wiese zwischen Hang und Weide pflegen müsste. Das Urteil der Experten ist eindeutig: Diese Weide mit einem wolfssicheren Zaun zu schützen, ist nicht möglich bzw. dem Landwirt nicht zumutbar.

    Weiden mit Wanderwegen problematisch

    So wie in diesem Fall gibt es an vielen Stellen Probleme, so eine erste Zwischenbilanz von Johanna Mehringers Team. Viele Flächen ließen sich nicht wolfssicher einzäunen. Oft liegt das auch daran, dass Wanderwege quer durch die Weiden führen. Weil man nicht sicher davon ausgehen kann, dass Wanderer Zauntore zuverlässig schließen, gelten solche Weiden als nicht schützbar.

    Entschädigung von (möglichem) Zaunbau abhängig

    Die Einschätzung von Johanna Mehringer und ihrem Team ist für Landwirte sehr wichtig. Denn wenn die Fläche schützbar ist, müssen die Landwirte sie einzäunen. Tun sie das nicht und ein Wolf reißt ein Schaf, dann bekommt der Landwirt keine Entschädigung dafür. Dagegen wird der Bau von Weideschutzzäunen von der Regierung massiv bezuschusst. Bis zu 100 Prozent der Kosten werden erstattet. Und zwar unabhängig davon, ob die Weide komplett wolfssicher gemacht werden kann oder nicht. Landwirt Georg Hacher kann sich also immer noch dafür entscheiden, einen Zaun zu bauen. Aber so oder so: Sollte in Zukunft ein Wolf eines seiner Tiere reißen, bekommt er weiterhin den Wert des Tieres ersetzt, auch ohne Schutzzaun.

    Zuschüsse auch für Herdenschutzhunde

    Um Weidetiere vor Wölfen zu schützen, könnten Landwirte aber auch sogenannte Herdenschutzhunde einsetzen. Die Anschaffung wird ebenfalls durch das neu aufgelegte Förderprogramm des Freistaats bezuschusst. Doch Nutztierhalter dahingehend zu beraten, ist nicht Aufgabe von Johanna Mehringer. Sie und ihre beiden Kollegen fahren unterdessen weiter zum nächsten Hof. Vier Betriebe schaffen sie im Schnitt am Tag. Wahrscheinlich werden sie noch weitere Weiden begutachten, auf denen ein Zaun gegen den Wolf als nicht zumutbar eingestuft wird.

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