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Schwierig, aber umso wichtiger: Sozialarbeit in der Coronakrise | BR24

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In Zeiten von Corona ist Sozialarbeit sehr wichtig.

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Schwierig, aber umso wichtiger: Sozialarbeit in der Coronakrise

Wenn der Alltag fehlt, die Schule ausfällt und es in der Familie Konflikte gibt, sind Sozialpädagogen und Sozialarbeiter noch mehr gefordert als sonst. Der Jugendhilfeträger 'Startklar Soziale Arbeit Oberbayern' begleitet 350 Menschen. Ein Besuch.

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Zusammen Fußballspielen geht noch: Für die Jugendlichen, die in Kirchanschöring im Chiemgau gemeinsam in einem Haus des privaten, gemeinnützigen Jugendhilfeträgers 'Startklar Soziale Arbeit Oberbayern' leben, ist Fußballspielen zurzeit die Lieblingsbeschäftigung. Sie leben hier ohne ihre Eltern, aber gemeinsam mit Sozialarbeitern, die sich um sie kümmern.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Vormittags Unterricht, nachmittags Netflix

Der Alltag sei nicht großartig, beschreibt der 14-jährige Levin die Situation. Man dürfe ja nicht raus gehen. Am Vormittag lerne er noch für die Schule, am Nachmittag gucke er Netflix und spiele mit den Betreuern Brettspiele. "Was soll man denn machen?", fragt er.

Das Coronavirus fordert auch die Sozialarbeiter

Auch Betreuerin Carolin Stippel wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Für die insgesamt sechs Sozialarbeiter wurde der Dienstplan verändert, um das Coronavirus nicht einzuschleppen. Die Pädagogin muss jetzt alleine acht Jugendliche unterrichten, die normalerweise unterschiedliche Schulen besuchen. Aber auch für sie kochen und die Kinder auffangen, wenn der Lagerkoller droht, gehört zu ihren Aufgaben.

„Das schlägt definitiv auf die Psyche. Die Jugendliche versuchen, sich in die Zimmer zu verkriechen. Da wirken wir natürlich entgegen. Wir versuchen so viel Struktur wie möglich in den Tag zu bringen. Das ist auch für uns Betreuer eine riesige Herausforderung." Carolin Stippel, Pädagogin

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Oberbayern finden Sie hier.

Viel Stress für Familien

Wie viele andere Wohlfahrtsverbände auch kümmert sich der Träger der Wohngruppe in Kirchanschöring auch um Familien, die wegen der Ausgangsbeschränkungen plötzlich auf engstem Raum zusammenleben. Wenn Eltern um ihren Arbeitsplatz bangen und Großeltern als Unterstützung ausfallen, werde der Stress innerhalb der Familien immer größer und auch die psychische und physische Gewalt würde immer mehr zunehmen, erklärt Silvio Gödickmeier, der Geschäftsführer von 'Startklar Soziale Arbeit Oberbayern'.

Beratung via Skype und Telefon

Die Hilferufe von Familien, in denen es kracht, nehmen zu, sagt Gödickmeier. Wenn möglich beraten Sozialarbeiter deshalb via Skype oder am Telefon. Die Sozialarbeit sei durch die Coronakrise schwieriger geworden, aber wichtiger denn je.

Tipp für Eltern: Raus an die frische Luft

Gödickmeier rät Eltern, derzeit so viel wie möglich als Familie raus zu gehen. Und wenn Stress drohe, solle man sich - wenn möglich - auch mal räumlich voneinander trennen. Es dürfe durchaus sein, dass das Kind einfach mal die Tür zuschlägt und im Zimmer sitzt. Das sei gut, Eltern sollten nicht gleich hinterher laufen und die Situation klären wollen.

"Eltern sind jetzt richtig gefordert. Sie müssen kreativ sein und alles probieren, damit die Situation nicht eskaliert." Silvio Gödickmeier, Geschäftsführer

Linktipp: Wichtige Telefonnummern bei Konflikten zuhause

Viele Einrichtungen in Oberbayern

Der Jugendhilfeträger 'Startklar Soziale Arbeit Oberbayern' begleitet zurzeit 350 Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Einrichtungen gibt es in den Landkreisen Traunstein, im Berchtesgadener Land, in Ebersberg, Mühldorf sowie in Stadt und Landkreis Rosenheim.

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