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Corona und Schule

Schwere Zeiten für Münchner "Haus der Eigenarbeit" | BR24

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Im Münchner "Haus der Eigenarbeit" kann jeder gegen geringe Gebühr werkeln, auch wenn er sich sonst keine Werkstatt leisten kann. Jetzt ist die Einrichtung bedroht - die Coronakrise könnte der Todesstoß werden.

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Schwere Zeiten für Münchner "Haus der Eigenarbeit"

Im Münchner "Haus der Eigenarbeit" kann jeder gegen geringe Gebühr werkeln, auch wenn er sich sonst keine Werkstatt leisten kann. Jetzt ist die Einrichtung bedroht - die Coronakrise könnte der Todesstoß werden.

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Selber machen und reparieren ist voll im Trend – doch vielen fehlen passendes Werkzeug oder Maschinen und oft auch der Platz. Seit mehr Jahrzehnten gibt es in München Haidhausen in der Wörthstraße das Haus der Eigenarbeit. Das sind verschiedenste Werkstätten in denen  jeder der will - gegen eine geringe Gebühr – werkeln kann.  Schon mehrfach stand die Einrichtung vor dem Aus - jetzt könnte die Coronakrise der Todesstoß werden.

Kurse abgesagt, Einnahmen fehlen

Vier Monate lang schwiegen alle Maschinen, Werkzeuge lagen nutzlos umher, alle Handwerkskurse und Beratungen mussten abgesagt werden. Durch die Coronazwangspause fehlen dem Haus der Eigenarbeit jetzt wichtige Einnahmen. Seit jeher ist die Einrichtung unterfinanziert - zwar fließen von verschiedenen Stellen der Stadt München Fördergelder, und auch die Stiftungsgemeinschaft Anstiftung unterstützt. Rund 60 Prozent aller Kosten werden durch Kurs- und Nutzungsgebühren getragen, und die fehlen jetzt.

Crowdfunding im Internet

Alle Mitarbeiter bis auf den Chef sind nach wie vor in Kurzarbeit. Dank einem Crowdfunding im Internet  könnten die Fixkosten gedeckt werden. Seit einigen Tagen haben die Werkstätten wieder geöffnet - jedoch mit begrenzter Anzahl an Bastlern. Auch die ersten Handwerkskurse finden wieder statt - jedoch auch hier nur mit zwei Dritteln der Teilnehmer. Für dieses Jahr sei das Haus der Eigenarbeit erstmal gerettet, doch nächstes Jahr könnte es eng werden, so Leiter Rainer Wirth. Es gäbe Signale von der Landeshauptstadt München, dass Fördergelder gekürzt werden im nächsten Jahr. Zudem würde aufgrund einer Staffelmiete die Unterhaltskosten zunehmen und es sei nicht absehbar, wann wieder alle Kurse mit voller Teilnehmerzahl stattfinden könnten, so Wirth gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Basteln voll im Trend

Um den drohenden finanziellen Engpass im nächsten Jahr zu meistern, wird verstärkt auf Ehrenamtliche gesetzt, außerdem sollen weitere Spendern und Förderer mobilisiert werden. Die Haidhauser Einrichtung versteht sich als ein Ort der Begegnung für alle Milieus. Im Sinne der Nachhaltigkeit soll der Konsumgesellschaft ein "Recht auf Reparatur" entgegengesetzt werden. Basteln sei voll im Trend, so Rainer Wirth. Darum treffe das Haus der Eigenarbeit den Nerv der Zeit und die Coronakrise hätte das sogar noch verstärkt. Die Nachfrage nach Maschinen, Werkzeug sowie Handwerkskurse sei stärker denn je.

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