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Schweinfurter Original: Wo die Leopoldina ihre Wurzeln hat | BR24

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Seit dem Corona-Lockdown ist die Forschungsgemeinschaft Leopoldina in aller Munde. Was viele nicht wissen: Ihren Ursprung hat die Leopoldina in Unterfranken

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Schweinfurter Original: Wo die Leopoldina ihre Wurzeln hat

Seit dem Corona-Lockdown hat auch die Forschungsgemeinschaft Leopoldina allgemeine Bekanntheit erlangt. Was viele nicht wissen: Ihre Ursprünge liegen in Unterfranken – und in mehreren bayerischen Städten hat die Akademie Station eingelegt.

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Von
  • Ralph Wege
  • Pirmin Breninek

Wer aus dem Raum Schweinfurt kommt und dieser Tage Nachrichten verfolgt, der wird vermutlich besonders aufmerksam zugehört haben. Denn der Begriff Leopoldina steht im Schweinfurter Volksmund vor allem für ein gleichnamiges Krankenhaus, weniger für die Nationale Akademie der Wissenschaften. Dass beide den gleichen Namen tragen, ist indes kein Zufall: Tatsächlich wurde die Forschungsgemeinschaft Leopoldina vor mehr als 350 Jahren in Schweinfurt gegründet. Sie gilt als die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.

Ärzte sammeln Wissen über Arznei

Die "Academia Naturae Curiosorum" haben die vier Ärzte Johann Lorenz Bausch, Johann Michael Fehr, Georg Balthasar Metzger und Georg Balthasar Wohlfahrth 1652 ins Leben gerufen: in Schweinfurt, damals Freie Reichsstadt. 1677 bestätigt Kaiser Leopold I. die Akademie, daher ihr Name: Leopoldina. "Das Ziel war das gesamte medizinische Wissen der Zeit zusammenzufassen, vor allen Dingen was Heilmittel und Arzneimittel betrifft", sagt Uwe Müller, Leiter des Schweinfurter Stadtarchivs und selbst Mitglied der Leopoldina. Aus dem gesammelten Wissen der Ärzte sollte eine Enzyklopädie zum Thema Arznei entstehen.

Von Schweinfurt bis nach Halle

Schnell wächst die Forschungsgruppe an. Ab 1670 veröffentlicht die Akademie eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift, an der Ärzte aus ganz Europa mitarbeiten. Ein "Durchbruch" sei das gewesen, sagt Uwe Müller. In Schweinfurt bleibt die Leopoldina allerdings nur noch einige Jahre. Denn die Statuten der Akademie verlangen es damals, dass der Hauptsitz der Akademie dort liegt, wo der jeweilige Präsident wohnt. Als 1686 Johann Georg von Volckamer den Schweinfurter Johann Michael Fehr ablöst, wechselt der Sitz der Leopoldina nach Nürnberg. Es folgen Stationen unter anderem in Augsburg, Erlangen, Altdorf oder Bonn. 1878 wandert die Akademie schließlich nach Halle, wo sie dauerhaft sesshaft wird.

Leopoldina veröffentlicht Corona-Stellungnahme

Heute hat die Forschungsgemeinschaft rund 1.600 Mitglieder. Längst beschäftigen sie sich nicht mehr nur mit Medizin. Die Forscher, die im Namen der Leopoldina nun eine dritte Ad hoc-Stellungnahme zum Coronavirus abgegeben haben, kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen. Zum Beispiel: Wirtschaft, Recht oder Pädagogik. An den aktuellen Empfehlungen hat zum Beispiel Armin Nassehi mitgearbeitet, Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

"Die besondere Herausforderung ist, dass diese Stellungnahme nicht auf unmittelbarer Forschung basieren kann, sondern auf der Perspektive der Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Disziplinen." Armin Nassehi, Ludwig-Maximilians-Universität München

Es handele sich demnach um eine eher "grobe Einschätzung", die den Politikerinnen und Politikern als Entscheidungshilfe dienen soll. Neben Lob hat die dritte Ad hoc-Stellungnahme allerdings auch deutliche Kritik geerntet. Zum Beispiel weil neben 24 Männern nur zwei Frauen im Wissenschaftsrat saßen; oder weil Lehrerverbände die schrittweise Öffnung der Schulen zum aktuellen Zeitpunkt für unpraktikabel halten.

Schweinfurt und die Leopoldina

In Schweinfurt zeugt das Leopoldina-Krankenhaus der Stadt bis heute davon, dass die Akadamie hier ihren Anfang genommen hat. Auch wenn das ehemalige städtische Krankenhaus erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Seit 1961, also kurz nach dem Mauerbau, vergibt die Stadt Schweinfurt zudem den Carus-Preis, benannt nach einem ehemaligen Leopoldina-Präsidenten. Die naturwissenschaftliche Auszeichnung geht regelmäßig an jüngere Wissenschaftler. "Der Preis diente als wesentliches Glied von Ost nach West und West nach Ost", sagt Müller. Auf diesem Weg sollte eine Verbindung zwischen den Leopoldina-Städten Halle in der DDR und Schweinfurt in der Bundesrepublik aufrecht erhalten werden.

Coronavirus wirkt sich auch auf Carus-Preis aus

Auch in diesem Frühjahr hätte die Stadt Schweinfurt den Carus-Preis wieder verleihen wollen. Wegen der Corona-Krise ist allerdings unklar, ob die Verleihung wie gewohnt stattfinden kann.

Coronavirus: Mehr zur Lage in Unterfranken erfahren Sie hier.

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