| BR24

 
 

Bild

Neues Ankerzentrum Schweinfurt
© BR / Achim Winkelmann
© BR / Achim Winkelmann

Neues Ankerzentrum Schweinfurt

Die Regierung von Unterfranken hat diese neues Ankerzentrum jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Grundsätzliche Kritik an der Gemeinschaftsunterbringung kommt von Sozialverbänden. Zu viele Menschen werden eine zu lange Zeit ohne Perspektive gemeinsam und zu weit vom Leben der anderen untergebracht.

Kritik der Sozialverbände

"Es bleibt ein Problem, dass so viele Menschen mit Existenzängsten und anderen Schwierigkeiten beisammen sind. Eine dezentrale Unterbringung wäre viel schöner.“ Jochen Kessler-Rosa, Vorsitzender der Schweinfurter Diakonie.

Die Diakonie und die Caritas teilen sich mit dem Roten Kreuz die Beratung und andere soziale Dienste in der Einrichtung.

"In dezentralen, kleineren Unterkünften fällt der Kontakt zur Bevölkerung natürlich leichter. Die Bewohner sind in der neuen Einrichtung auch mehr als bisher auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.“ Leonie Sengenberger, Caritas Schweinfurt.

Aufwändig sanierte Kaserne

Zustand und Zweckmäßigkeit der neuen aufwändig sanierten Gebäude der Conn Barracks seien aber gut, das Gelände sogar großzügiger mit mehr Grünflächen als bisher in den Ledward Barracks. In Gruppen hatte der Leiter des Ankerzentrums Alexander Warkotsch und weitere Mitarbeiter mehrere Dutzend interessierte Bürger, Journalisten und Ehrenamtliche über das Gelände geführt, Wohnunterkünfte mit Stockbettzimmern, medizinische Versorgungsräume, Klassenzimmer und Kinderbetreuungen gezeigt.

Bewohner überwiegend aus Afrika

Die 800 Bewohner des unterfränkischen Ankerzentrums kommen mehrheitlich aus afrikanischen Ländern. Neben dem eigenen Sicherheitsdienst mit 50-60 Mitarbeitern in der Tagschicht wird auch die Schweinfurter Polizei ein eigenes Büro beziehen.

💡 Was ist ein Ankerzentrum?

Das Wort "Anker" steht für für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen mehrere Institutionen in den sogenannten Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den „Anker-Einrichtungen“.

Der Aufenthalt in den „Ankerzentren“ soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate. Laut Koaltionsvertrag sollen nur noch diejenigen auf die Kommunen verteilt werden, für die eine positive Bleibeprognose bestehe. Alle anderen sollen aus den „Ankerzentren“ in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.

Insgesamt gibt es sieben Anker-Einrichtungen in Bayern, einige von ihnen haben Dependancen (auch dort leben dann Flüchtlinge) in anderen Orten.