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Schweinemarkt erholt sich

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"Schweinestau" aufgelöst: Markt erholt sich langsam

Der Schweinemarkt erholt sich langsam. Die Bauern haben weniger Tiere in den Ställen. Dadurch sinkt das Überangebot an Schweinen – und es profitiert sogar das Tierwohl.

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Von
  • Lorenz Storch

Ende des vergangenen Jahres haben Verbraucher ein neues Wort gelernt: Von einem "Schweinestau" war die Rede, weil die Schlachthöfe in Deutschland mit dem Schlachten von Schweinen nicht mehr hinterherkamen. Landwirte schlugen Alarm.

Schweinepreise sind gestiegen, Nachfrage weiter niedrig

Inzwischen hat sich die Situation merklich entspannt. "Wir haben uns ein Stück weit der Normalität angenähert“, sagt eine Sprecherin des Dachverbands bayerischer Fleischerzeuger, Ringgemeinschaft Bayern. Der Schweinestau ist aufgelöst. Auch die Preise für Schweine haben sich erholt. Statt 1,30 Euro wie am Tiefststand vergangenes Jahr wird jetzt wieder rund 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht bezahlt.

Und das, obwohl sich an den Rahmenbedingungen scheinbar wenig geändert hat: Die Coronakrise hat Deutschland weiter im Griff. Die Gastronomie ist geschlossen und damit auch der deutsche Schweinefleischverzehr gebremst. Der Export von Schweinefleisch nach China bleibt wegen der Schweinepest in Deutschland unterbunden.

Mehr Tierwohl bedeutet weniger Schweine

Was sich aber geändert hat, ist die Angebotsseite: Die Bauern haben jetzt weniger Tiere in den Ställen, berichtet Willi Wittmann von der Schweine-Erzeugergemeinschaft Südbayern. Ein wichtiger Punkt dabei: Sehr viele Schweinehalter haben sich mit ihren Beständen zum Jahreswechsel neu bei der "Initiative Tierwohl" angemeldet. Finanziert von den großen Einzelhandelsketten bekommen die Bauern dabei 5,28 Euro Zuschlag pro Mastschwein, wenn sie bestimmte Tierwohlkriterien erfüllen. Das wichtigste: Zehn Prozent mehr Platz pro Schwein im Stall. Dadurch sinken die Tierzahlen auf den Höfen entsprechend.

Die Initiative Tierwohl bestätigt das: Zum Jahreswechsel hat dort eine neue dreijährige Programmperiode begonnen, seitdem nehmen um die Hälfte mehr Bauern teil: Aktuell haben sich deutschlandweit 6.364 Landwirte mit jährlich 42 Millionen Schweinen angemeldet. Im vergangenen Jahr waren es 4.186 Landwirte mit 26 Millionen Schweinen. Hintergrund sind einerseits die sinkenden Schweinepreise, die das Zusatzeinkommen attraktiver machen. Andererseits aber auch das Versprechen des Lebensmitteleinzelhandels, ganze Sortimentsbereiche auf Fleisch aus dem Tierwohlprogramm umzustellen und so für mehr Absatz zu sorgen, so ein Sprecher der Initiative.

Düngeverordnung und Steuerrecht sorgen für weniger Schweine

"Dieses Jahr wird sich ein Drittel der Schweinemäster beteiligen an der Initiative Tierwohl“, schätzt Willi Wittmann von der Schweine-Erzeugergemeinschaft Südbayern. Das mache schon etwas aus auf dem Markt. Und es gebe noch weitere Gründe, warum Bauern ihre Schweinezahlen reduzieren: Die strengere Düngeverordnung zwingt Landwirte, das Ausbringen von Gülle zu begrenzen. Und eine Änderung im Steuerrecht deckelt die Pauschalbesteuerung für Schweinehalter seit diesem Jahr bei einem Umsatz von 600.000 Euro.

"Wer bisher zum Beispiel 4.000 Schweine produziert hat, wird deswegen reduzieren auf 3.200,“ schätzt Wittmann. Insgesamt würden dieses Jahr voraussichtlich in Deutschland bis zu fünf Millionen Schweine weniger geschlachtet als 2020: "Das müsste sich dann im Sommer auf die Preise positiv auswirken.“

So dämmen verschiedene Faktoren auf der Erzeugerseite das Schweine-Überangebot ein. Was allerdings fehlt, ist ein Impuls bei der Nachfrage. Der Export nach Thailand und Südkorea läuft langsam wieder an. Hierzulande aber würden sich die Schweinebauern jetzt gutes Grillwetter wünschen.

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