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Schweinepest: Landwirte zwischen Hoffen und Bangen | BR24

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Bayerns Schweinebauern haben Sorgen um ihre Tiere. Anfang September wurde bei einem toten Wildschwein aus Brandenburg die Schweinepest nachgewiesen. Südkorea und China haben bereits den Import deutschen Schweinefleischs gestoppt.

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Schweinepest: Landwirte zwischen Hoffen und Bangen

Bei sechs Wildschweinen in Brandenburg ist die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Experten zufolge wird die für Menschen ungefährliche Seuche auch in Bayern ausbrechen. Ein Landwirt in Brunn in Oberfranken macht sich große Sorgen.

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Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest bei sechs Wildschweinen in Brandenburg erwarten Experten den Ausbruch der für Menschen ungefährlichen Seuche auch in Bayern. 3.900 Schweinehalter gibt es im Freistaat. Damit sich die Tiere dennoch nicht anstecken, müssen die Schweine von Andreas Fendt und Julia Foerster in Brunn, einem Ortsteil von Köditz im Landkreis Hof, im Stall bleiben.

Afrikanische Schweinepest nicht die einzige Bedrohung

Im Schweinestall wuseln seit wenigen Tagen neun neugeborene Mangalitzaschweinchen mit schwarzen Borsten herum. Zuchtsau Betsy und Eber Jack haben schon mehrfach gemeinsam für Nachwuchs gesorgt. Sie zählen zu den seltenen reinrassigen Vertretern dieser Ur-Schweine. Andreas Fendt und Julia Foerster züchten seit 2013 ausschließlich nur diese vom Aussterben bedrohte Rasse, deren Fleisch als Delikatesse gilt. Die Afrikanische Schweinepest ist zwar eine große Bedrohung für die Herde, doch bei weitem nicht die einzige.

Mit viel Hygiene im Stall gegen die Seuche

"Es war klar, dass die Seuche irgendwann in Deutschland ankommt", sagt Andreas Fendt und putzt sich die Stiefel kräftig auf der mit Desinfektionsmittel getränkten Matte. "Aber bei uns ändert sich dadurch kaum etwas." Denn die Schweinehygiene-Verordnung zwingt Schweinebauern schon seit Jahren, sich an strenge Maßnahmen zu halten. Dazu zählen zum Beispiel die Absicherung des Hofes oder Stalles gegen Wildschweine, Fliegenfallen, Desinfektion der Schuhe und Arbeitsgeräte, sauberes Futter und kein fremder Besuch im Schweinestall.

In Brunn dürfen die Schweine nicht mehr aus dem Stall

Eigentlich dürfen die wertvollen Mangalitza-Schweine bei warmem Wetter raus auf die Weide, doch seit Monaten schon behalten die Züchter sie im Stall. "Wir möchten erst noch einen sichereren Zaun bauen und ihn auch tief in die Erde eingraben", meint Landwirt Fendt und blickt auf den vorhandenen Zaun, der den Anforderungen nicht entspricht. "Mir tut es mehr weh als den Schweinen, dass sie nicht rausdürfen", ist der 39-Jährige überzeugt und betrachtet die im Stroh wühlenden Borstentiere, denen er auch hin und wieder einen Baumstamm oder anderes Spielzeug zur Beschäftigung in den Stall legt.

Schweinehalter aus Brunn vermarkten ihre Tiere selbst

Andreas Fendt und Julia Foerster zählen zu den 3.900 Schweinehaltern in Bayern. Die beiden haben mit 70 Tieren einen relativ kleinen Schweinebestand. Der größte Vorteil des Fendt-Hofes ist seine Vermarktungsstruktur: Die Fleischprodukte verkauft das Paar nur direkt auf Bauernmärkten und im eigenen Internetshop. Dadurch sind sie unabhängig von Marktpreisen und von Exportverboten. Andere Schweinehalter stehen heute vor zwei großen Herausforderungen: dem Exportverbot in zahlreiche asiatische Länder seit dem Nachweis der Schweinepest in Deutschland und dem Wertverlust von Schweinefleisch.

Bauernverband fordert Exportstopp lokal zu begrenzen

Der Bayerische Bauernverband fordert vor diesem Hintergrund Unterstützung von der Bundesregierung. Diese verhandelt bereits seit längerer Zeit mit den Staaten, die aus Deutschland Schweinefleisch importieren. Es geht darum, den Exportstopp von Schweinefleisch lokal zu begrenzen. Doch die Verhandlungen um diese Regionalisierungsklausel sind noch nicht von Erfolg gekrönt worden. Der Handelsstopp gilt ab dem Nachweis eines infizierten Tieres für zwei Jahre. Das bedeutet auch, dass diese Frist mit jedem gefundenen Tier von vorne beginnt. Immerhin sind Exporte in EU-Länder weiterhin möglich.

Halter müssen Test auf Afrikanische Schweinepest selbst zahlen

Während in Brandenburg nun Maßnahmen laufen, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen, können die bayerischen Schweinebauern wenig tun. Doch eine Sache empfiehlt nicht nur der Bayerische Bauernverband. Auch die Leiterin des Fachbereichs Veterinärwesen im Landratsamt Bayreuth, Iris Fuchs, appelliert an alle Schweinehalter, eine sogenannte Status-Untersuchung durchführen zu lassen. "Ein Vorsorgeprogramm. Man kann sich im Vorfeld einen Status anerkennen lassen, der es im schlimmsten Fall erleichtert, die Schweine zu transportieren." Diese Untersuchung müssen die Landwirte allerdings selbst bezahlen. Ansprechpartner sind die Landratsämter.

Tote Wildschweine nicht berühren

"Das Virus lässt sich nicht aufhalten", warnt Stefanie Härtel, Sprecherin des Bayerischen Bauernverbands. Früher oder später kann es auch in Bayern passieren, dass Waldspaziergänger auf ein infiziertes, verendetes Wildschwein stoßen. Deshalb gilt schon heute: Wer ein totes Wildschwein findet, sollte es nicht berühren und den Fundort über die Notrufnummer 110 melden.

Kein Impfstoff gegen Afrikanische Schweinepest

In Brunn im Landkreis Hof hoffen Andreas Fendt und Julia Foerster, dass ihre kleine Herde von der Afrikanischen Schweinepest verschont bleibt. Einen Impfstoff gibt es nicht. Sollte die Seuche den Hof ereilen, wäre die Ur-Schwein-Rasse Mangalitza dem Aussterben in Deutschland einen großen Schritt näher.

© BR/Anja Bischof

Bei sechs Wildschweinen in Brandenburg ist die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Experten zufolge wird die für Menschen ungefährliche Seuche auch in Bayern ausbrechen. Ein Landwirt in Oberfranken macht sich Sorgen.

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