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Schweinehaltern drohen wegen Schweinepest drastische Einbußen | BR24

© BR/Andreas Wenleder

Die Afrikanische Schweinepest: Den Landwirten droht deswegen ein Preisverfall, wie das Beispiel eines Schweinehalters aus der Oberpfalz zeigt.

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Schweinehaltern drohen wegen Schweinepest drastische Einbußen

Die Afrikanische Schweinepest könnte Schweinehalter hart treffen. Von "großen Sorgen" spricht Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber - besonders, wenn große Abnehmer am Importstopp für Schweinefleisch aus ganz Deutschland festhalten.

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Nach Bekanntwerden des ersten Falls der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland haben manche Länder den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt. Bleibt dieser Importstopp für Schweinefleisch aus ganz Deutschland bestehen, könnte das Bayerns Schweinehalter wirtschaftlich hart treffen. Eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks beim Staatsministerium für Landwirtschaft in München zeigt, welchen wirtschaftlichen Stellenwert die Schweinemast im Freistaat hat: In Bayern gibt es rund 3.900 Betriebe, die insgesamt 1,47 Millionen Schweine halten. Bis zu 850 Millionen Euro jährlich bringt der Verkauf von Schweinen den bayerischen Schweinehaltern ein, 2017 sogar mehr als 900 Millionen Euro.

Ein Drittel wird in Niederbayern erwirtschaftet

Gut ein Drittel des Verkaufserlöses wird in Niederbayern erwirtschaftet: in den Regionen rund um Landshut und im Rottal. Weitere große Schweinemast-Regionen sind bei Augsburg sowie rund um Ansbach und Coburg. In diesen Gebieten leben in der Regel 168 Tiere auf 100 Hektar. Der bayernweite Durchschnitt liegt bei rund 61 Tieren je 100 Hektar.

Industrialisierung schreitet voran

Die Zahlen zeigen auch: Die Industrialisierung bei der Schweinehaltung und -schlachtung schreitet weiter voran. Wurden 2015 noch bei mehr als 33.000 Schweinen in Bayern eine Hausschlachtung vollzogen, waren es letztes Jahr nur noch knapp 13.000 Tiere. Sollten sich weitere Länder für einen Importstopp von deutschem Schweinefleisch entschließen, wird das auch die Schweinehalter im Freistaat schwer treffen. Mehr als 30 Prozent (2017: 299 Millionen Euro) bringt der Export von frischem Schweinefleisch ein.

Nachbarländer sind wichtigste Abnehmer

Die wichtigsten Abnehmer sind mit Österreich, Italien und Tschechien die unmittelbaren Nachbarn. Asiatische Länder, die bisher ein Einfuhrverbot ausgerufen haben, spielen nur eine untergeordnete Rolle.

"Große Sorgen" wegen Drittlandabnehmern

Trotzdem könnten auch bayerische Schweinebauern die wirtschaftlichen Folgen zu spüren bekommen, so Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in einem Brief an Bundesministerin Julia Klöckner (CDU). Kaniber schreibt darin:

"Große Sorgen bereiten mir allerdings die zu erwartenden Auswirkungen der Seuchenfeststellung auf das Marktgeschehen. (...) Es ist deshalb zu befürchten, dass es durch den Wegfall wichtiger Drittlandabnehmer zu schweren Preiseinbußen und Verwerfungen auf den Märkten kommt." Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Kaniber hofft daher, dass China in Bezug auf ASP-Freiheit eine Regionalisierung in den Zertifikaten akzeptiert. Das heißt: Statt eines Importstopps für Schweinefleisch aus ganz Deutschland sollen Regionen, in denen keine ASP nachgewiesen wurde, weiter liefern dürfen.

Innerhalb der EU Regionalisierungskonzept bereits anerkannt

Innerhalb der EU, in die mit rund 70 Prozent des Exports deutsches Schweinefleisch geht, ist das Regionalisierungskonzept für ASP bereits anerkannt.

Mit China und anderen Staaten laufen derzeit Verhandlungen, so das Bundeslandwirtschaftsministerium auf BR-Anfrage. "Wenn dies gelingen könnte, dürfen die Auswirkungen auf das Marktgeschehen weitaus geringer ausfallen", schreibt Kaniber in ihrem Appell an die Bundesministerin. "Wir dürfen unsere Schweinehalter, die in letzter Zeit viel hinnehmen mussten, jetzt nicht im Regen stehen lassen. Sie wären diejenigen, die im Preiskampf am Markt die größten Verlierer wären", so Kaniber weiter.

Bayern auf Platz vier

Bayern ist mit derzeit 260.000 Tonnen geschlachtetem Schweinefleisch aber nur auf Rang vier der deutschen Bundesländer, knapp hinter Sachsen-Anhalt mit 276.000 Tonnen (Stand: Januar bis Juli 2020). Weitaus stärker betroffen von den Folgen eines Einfuhrverbots auf deutsches Schweinefleisch sind Niedersachsen mit einer Million Tonnen und Nordrhein-Westfallen mit 800.000 Tonnen Schweinefleisch. Dabei handelt es sich um vorläufige Zahlen.

Zum Vergleich: In der Regel werden in Nordrhein-Westfallen um die 1,8 Millionen Tonnen Schwein pro Jahr geschlachtet. In Bayern im Schnitt "nur" um die 450.000 Tonnen.

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