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Schweigemarsch für Pfarrer nach Strafbefehl wegen Kirchenasyl | BR24

© BR/Katharina Reichart

Erstmals hat ein bayerischer Geistlicher einen Strafbefehl wegen Gewährung eines Kirchenasyls erhalten: 4.000 Euro Strafe soll der evangelische Pfarrer Ulrich Gampert zahlen. Dagegen erhebt er Einspruch und viele unterstützen ihn.

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Schweigemarsch für Pfarrer nach Strafbefehl wegen Kirchenasyl

Rund 250 Menschen sind durch Kempten gezogen, um ein Zeichen für Ulrich Gampert zu setzen. Der Pfarrer hatte einem abgelehnten Asylbewerber mehr als ein Jahr lang Asyl in seiner Kirche in Immenstadt gewährt - und dafür einen Strafbefehl erhalten.

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Am späten Vormittag haben sich rund 250 Menschen auf dem St-Mang-Platz in Kempten versammelt, um ein Zeichen für Ulrich Gampert zu setzen. Der evangelische Pfarrer hatte dem abgelehnten Asylbewerber Reza Jafari aus Afghanistan mehr als ein Jahr lang Asyl in seiner Kirche in Immenstadt gewährt - und dafür einen Strafbefehl erhalten, außerdem soll er 4.000 Euro bezahlen.

"Das Kirchenasyl darf nicht kriminalisiert werden"

Vergangene Woche wurde ihm vom Amtsgericht in Sonthofen beschieden, dass er 4.000 Euro bezahlen müsse. Das Kirchenasyl dürfe nicht kriminalisiert werden, heißt es in einer Erklärung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Kempten, das zu dem Schweigemarsch aufgerufen hatte. Pfarrer Gampert ist der erste Geistliche in Bayern überhaupt, der nach der Gewährung von Kirchenasyl einen Strafbefehl wegen "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" erhalten hat. "Das ist ein merkwürdiges Gefühl. Es war angekündigt, dass es kommen wird, aber jetzt wo ich das hier schwarz auf weiß in der Hand halte als Beschuldigter, ist das schon merkwürdig. Das hatte ich bisher noch nicht in meinem Leben", sagte er dem BR.

"Kirchenasyl bleibt strafbare Handlung"

Im Fall des heute 22-jährigen Reza Jafari aber hat das Kirchenasyl, laut Dekanat ein "Instrument, den Rechtsstaat zu bitten, eine Entscheidung nochmal zu prüfen", sein Ziel erreicht: Vor zwei Wochen gab das Innenministerium seine Zusage, für sechs Monate auf seine Abschiebung zu verzichten. So lange bekommt er nun Zeit, sich die notwendigen Papiere für die geplante Hochzeit mit seiner deutschen Freundin zu besorgen. Das zuständige Amtsgericht in Sonthofen nahm das allerdings nicht zum Anlass für Milde. "Nach einer Entscheidung des OLG München ist es so, dass die Gewährung von Kirchenasyl beziehungsweise die staatliche Respektierung bei der Nichtabschiebung nicht dazu führt, dass das Kirchenasyl legal wird. Sondern es bleibt nach wie vor eine strafbare Handlung", sagte Richter Christian Roch dem BR.

Pfarrer erhofft sich "grundsätzliche Klärung"

Die Duldung des Kirchenasyls greift nur bei sogenannten Dublin-Fällen, also Asylbewerbern, die in ein anderes EU-Land abgeschoben werden sollen, in dem sie zuvor registriert wurden. Jafari aber sollte direkt nach Afghanistan ausreisen.

Der Pfarrer hat nun Einspruch gegen das Urteil eingelegt, mit Unterstützung durch die Evangelische Landeskirche. Es wird damit zum Prozess kommen. Gampert erhofft sich dadurch eine grundsätzliche Klärung, "ob Kirchenasyl zu gewähren oder in Anspruch zu nehmen wirklich ein Straftatbestand ist. Und ich hoffe natürlich, dass es diesbezüglich einen Freispruch geben wird. Das betrifft nicht nur das Kirchenasyl, das wir durchgeführt haben, sondern es betrifft bayernweit zurzeit 33 Kirchenasyle und bundesweit rund 400."

Auch wenn die Entscheidung der Justiz noch aussteht, für Pfarrer Gampert ist jetzt schon klar, dass er wieder Kirchenasyl gewähren würde, wenn er das Leben eines Schutzsuchenden im Fall einer Abschiebung bedroht sieht, sagte er dem BR.