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Söder und Hartmann
© dpa-Bildfunk/Armer/Hase/Hoppe
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Söder und Hartmann

Für Ministerpräsident Franz Josef Strauß war es ein schmerzhafter Moment. 15 Frauen und Männer in Jeans, bunten Pullovern und mit Sonnenblumen in den Händen marschierten im Herbst 1986 ins altehrwürdige Maximilianeum: Die Grünen zogen erstmals in den bayerischen Landtag ein - für Strauß "keine demokratische Partei". Den Mitarbeitern der Ministerien soll er sogar verboten haben, mit Grünen zu sprechen.

32 Jahre später sitzt die Ökopartei noch immer im Landtag, CSUler und Grüne reden längst miteinander. Mehr noch: Am Mittwoch wird sich mit Ministerpräsident Markus Söder ein Strauß-Nachfolger sogar ein TV-Duell mit einem Grünen-Spitzenkandidaten im BR Fernsehen liefern. Eine Premiere. Denn Umfragen zufolge könnten die Grünen bei der Landtagswahl am 14. Oktober die zweitstärkste Kraft im Freistaat werden.

Ungleiches Duell

Im benachbarten Baden-Württemberg gab es schon ein schwarz-grünes TV-Duell - genauer: ein grün-schwarzes. Dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann stand im Januar 2016 sein CDU-Herausforderer Guido Wolf gegenüber. Das bayerische Duell am Mittwoch steht unter anderen Vorzeichen: Im BR Fernsehen trifft auf den bundesweit bekannten CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder mit Ludwig Hartmann ein Grünen-Spitzenkandidat, der laut BayernTrend sogar im Freistaat 70 Prozent der Menschen kein Begriff ist.

Doch bei aller Unterschiedlichkeit der beiden Politiker: Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich schon drei Wochen nach ihrem TV-Streit zu einem Sondierungsgespräch zusammensetzen könnten.

Schwarz-Grün in Hessen und Baden-Württemberg

In Stuttgart wurden nach der Landtagswahl aus Kontrahenten Partner: CDU-Mann Wolf ist Minister im grün-schwarzen Kabinett Kretschmanns. Und es ist nicht die einzige Landesregierung, in der Union und Grüne gemeinsam am Kabinettstisch sitzen. Die erste gab es 2008 in Hamburg, allerdings platzte das Bündnis nach zweieinhalb Jahren.

Dagegen arbeiten CDU und Grüne in Hessen schon seit 2014 geräuschlos zusammen und könnten sich nach der Wahl am 28. Oktober eine Fortsetzung vorstellen. Allerdings sehen Umfragen derzeit keine Mehrheit für Schwarz-Grün mehr in Hessen. Anders in Bayern: Hier wäre laut dem jüngsten BayernTrend des BR eine Koalition aus CSU und Grünen gegenwärtig die einzige Option für ein Zweierbündnis - in allen anderen Konstellationen wären mindestens drei Parteien für eine stabile Regierungsmehrheit nötig.

Söder gibt sich zurückhaltend

Zu den bevorzugten Koalitionen von Ministerpräsident Söder (CSU) zählt Schwarz-Grün sicher nicht. Zwar bezeichnete er ein Bündnis mit den Grünen mehrfach als kaum vorstellbar, ausschließen mag er es aber auch nicht. "Das sollten wir den Wählern überlassen", pflegt er auf die Frage nach möglichen Koalitionen immer wieder zu antworten.

Posselt hält Schwarz-Grün für möglich

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer schloss zwar Schwarz-Grün im Freistaat mehrfach aus, es gibt aber auch andere Stimmen bei den Christsozialen. Schon vor mehr als einem Jahrzehnt plädierten beispielsweise der damalige JU-Chef Stefan Müller und CSU-Vorstandsmitglied Bernd Posselt dafür, sich Schwarz-Grün nicht zu verschließen.

Für Posselt ist ein Bündnis mit den Grünen auch eine Option nach der Landtagswahl am 14. Oktober. Zwar sei er absolut dagegen, jetzt vor der Wahl über Koalitionen zu reden, betont Posselt im BR. Er fordere aber "ganz klar" weiterhin eine "Offenheit gegenüber Schwarz-Grün". Als Europaabgeordneter habe er mit den Grünen bei vielen Fragen gut zusammengearbeitet. Im Freistaat hält Posselt nach eigenen Angaben "alle Parteien für koalitionsfähig, außer der AfD". Allerdings - schränkt der CSU-Politiker ein - sei es für ihn sehr schwer, das Profil der bayerischen Grünen einzuschätzen.

Die Grünen wollen gestalten

Die Grünen selbst machen keinen Hehl daraus, dass sie eine Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl anstreben. Immer wieder betonen die beiden Spitzenkandidaten Hartmann und Katharina Schulze, ihre Partei sei bereit, Verantwortung im Freistaat zu übernehmen. Auch in der Präambel des Wahlprogramms steht selbstbewusst: "Unser Ziel ist klar: Wir wollen unser Land gestalten! Und das können wir am besten, wenn wir regieren."

Zwar schloss Hartmann im Frühsommer angesichts des harten CSU-Kurses in der Asylpolitik eine Koalition mit den Christsozialen nach der Landtagswahl aus. "Solange die CSU im AfD-Gewand herumläuft, ist eine Zusammenarbeit unvorstellbar", sagte er damals. Doch Söder schlägt längst deutlich gemäßigtere Töne an.

In Berlin saßen CSU und Grüne schon an einem Tisch

Dass CSU und Grüne durchaus gemeinsam Kompromisse finden können, haben nicht zuletzt die Jamaika-Verhandlungen auf Bundesebene im vergangenen Jahr gezeigt. Diese Gespräche scheiterten schließlich weder an CSU-Chef Horst Seehofer noch an der Spitzenriege der Grünen - sondern an der FDP.

Der FDP gab 2012 auch Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die Schuld dafür, als sie nach zwei Jahren die erste Jamaika-Koalition auf Landesebene vorzeitig beendete: Die Saar-FDP sei zerrüttet. In Schleswig-Holstein regieren CDU, FDP und Grüne seit 2017 gemeinsam.

Schwarz-Grün auch schon in Bayern

Auch in Bayern haben CSU und Grüne schon bewiesen, dass sie durchaus gemeinsam Politik gestalten können. In gleich mehreren bayerischen Gemeinden bestimmen die beiden Parteien - meist gemeinsam mit weiteren Partnern - die Geschicke ihrer Kommune. So regiert beispielsweise in Bayerns drittgrößter Stadt Augsburg ein Dreierbündnis aus CSU, SPD und Grünen.

Lieber Wahlkämpfer als Zuschauer

Posselt wird am Mittwoch keine Gelegenheit haben, Erkenntnisse über schwarz-grüne Schnittmengen im Freistaat zu sammeln - das TV-Duell wird er sich nicht anschauen. "Ich bin der Meinung: Man ist entweder Zuschauer oder Akteur", sagt er dazu. Am Mittwochabend werde er daher nicht vor dem Fernseher sitzen. "Da werde ich Wahlkampf machen."

Wahl 2018 - Das TV-Duell: Am Mittwoch, 26. September um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen