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Schwammspinner breitet sich in Unterfranken weiter aus | BR24

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Die anhaltende Dürre besorgt viele Waldbesitzer in Bayern. Zum einen herrscht schon jetzt in weiten Teilen des Freistaats höchste Waldbrandgefahr, zum anderen vermehren sich ungebremst Schädlinge wie der Schwammspinner.

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Schwammspinner breitet sich in Unterfranken weiter aus

Der Klimawandel begünstigt die Massenvermehrung der Schwammspinner. Viele Waldbesitzer sorgen sich wegen der Raupen um ihre Bäume - andere sich um ihre Gesundheit. Vor allem die Landkreise Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt sind schwer betroffen.

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Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft nehmen derzeit die Eigelege der Schwammspinner genauestens unter die Lupe, die gerade schlüpfen. Die Massenvermehrung der Schwammspinner wird durch den Klimawandel begünstigt. Vor allem die Landkreise Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt sind seit 2018 schwer betroffen. 2020 müssen sie teilweise mit bestandsgefährdendem Befall rechnen.

Ein Blick in die Gegenden, die besonders betroffen sind: Im unterfränkischen Schraudenbach im Landkreis Schweinfurt hat Janine König schon wieder einen Schwammspinner an ihrer Garage entdeckt. Sie wohnt mit ihrer Familie am Waldrand. Die Raupe ist vorne blau, hat hinten rostrot schimmernde Warzen und lange dornige Härchen. Noch ist der Schwammspinner rund fünf Millimeter klein – doch ausgewachsen kann er bis zu siebeneinhalb Zentimeter groß werden. Innerhalb von zwei Monaten frisst ein Schwammspinner einen Quadratmeter Blattgrün.

Schwammspinner-Befall in Schaudenbach

Schon im vergangenen Jahr war in Schraudenbach alles voller Schwammspinner. "Wir sind gar nicht mehr raus gegangen. Selbst wenn die Kinder hier geschaukelt haben, haben sich die Schwammspinner hier so abgeseilt und waren einfach überall", sagt Janine König. Vergangenes Jahr wurde es in dem Ortsteil von Werneck versäumt, die Schwammspinner mit einem Pflanzenschutzmittel zu besprühen. In diesem Jahr soll genauer hingeschaut werden.

Zaun soll Verbreitung in Wohngebiet verhindern

Zusammen mit den Experten der Bayerischen Forstverwaltung schaut sich die Wernecker Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl die Eigelege vor Ort an. "Wir unterstützen die Menschen, denn es ist nicht nur Waldschutz. Hier geht es um den Gesundheitsschutz", sagt Baumgartl. Es seien alle Vorkehrungen getroffen, bei Bedarf einen Zaun aufzubauen. Dieser soll verhindern, dass die Raupen aus dem Wald in die Wohngebiete wandern. Denn vereinzelt kommt es durch die Schwammspinner zu Gesundheitsproblemen wie Juckreiz und Hautrötungen.

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Die anhaltende Dürre sorgt viele Waldbesitzer. In weiten Teilen Bayerns herrscht Waldbrandgefahr. Außerdem vermehren sich Schädlinge wie der Schwammspinner. Die Forstverwaltung fürchtet, dass der Befall vor allem in Unterfranken weiter zunimmt.

Biologin Gabriela Lobinger kniet vor einer Hainbuche. In den unteren zwei Metern begutachtet sie die schwammartigen Gelege mit schlüpfenden Raupen. Das seien sehr große Gelege, sagt die Biologin. Sie schätzt, dass 600 bis 700 Räupchen aus einem Eischwamm herauskommen. "Da kann man sich hochrechnen, dass das einige 10.000 Raupen pro Baum sind, die da nach oben wandern", sagt Lobinger. Das sei eine sehr hohe Populationsdichte.

Befall dehnt sich weiter aus

30.000 Bäume wurden bayernweit untersucht. Hitze und Trockenheit begünstigen die Ausbreitung der Schwammspinner. Die Experten der bayerischen Forstverwaltung beobachten, dass sich der Befall weiter ausdehnt und der Schwammspinner nicht nur Eichen angreift, sondern auch vor anderen Baumarten, wie Rotbuche, Kiefer oder Fichte keinen Halt macht.

Pflanzenschutzmittel kommt zum Einsatz

In den kommenden Wochen soll ein Pflanzenschutzmittel bayernweit auf 3.000 Hektar versprüht werden. Der Bund Naturschutz kritisiert, dass dadurch auch andere blätterfressende Insekten sterben. Laut der Bayerischen Forstverwaltung sei das Spritzmittel für den Menschen unbedenklich und so hat sich auch Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl für die kritischen Bereiche ihres Gemeindewaldes dafür entschieden.

Laut Forstdirektor Stephan Thierfelder gebe es in diesem Jahr im Amtsbereich Schweinfurt und Haßberge neun Ortschaften, wo Waldflächen mit sehr hohen Eigelegedichten unmittelbar an Wohnbebauungen angrenzen. In vielen Fällen könne nicht chemisch behandelt werden, da der Mindestabstand von 50 Metern nicht eingehalten werde. Hier seien Alternativen, wie Zäune als Barrieren, angedacht.

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