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In Landshut wird die Entfernung eines Schwalbennestes aus dem Foyer des Rathauses zum Politikum. (Symbolbild)

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    Schwalbennest am Rathaus sorgt für Aufregung in Landshut

    In Landshut wird die Entfernung eines Schwalbennestes aus dem Foyer des Rathauses zum Politikum. Vogelschützer und Grüne protestieren. Die Stadtverwaltung sieht hingegen keinen Rechtsverstoß.

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    Von
    • Uli Scherr

    Die Landshuter Stadtverwaltung wehrt sich gegen Vorwürfe, bei der Entfernung eines Schwalbennestes aus dem Rathaus sei gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen worden.

    Die Stadt hatte Ende Mai ein Rauchschwalbennest im Foyer des Rathauses abgenommen. Anschließend wurden mehrere Ersatznistplätze im Innenhof des Rathauses angebracht. Vogelschützer und Grüne reagierten mit Bestürzung auf die Maßnahme.

    Vogelschützer sehen Kette von Fehlern

    Susanne Rieck, Schwalbenexpertin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Landshut, sagt, die Stadtverwaltung habe gleich mehrere fachliche Fehler bei der Entfernung des Nestes gemacht. So hätte das Tor zum Rathausfoyer unmittelbar nach der Entfernung des Nestes sofort dauerhaft verschlossen werden müssen.

    Weil die Tür weiter offenstand, hätten die Schwalben ihren alten Brutplatz in den folgenden Tagen immer wieder angeflogen. Außerdem seien die Ersatznistplätze zu spät und an den falschen Stellen angebracht worden. Wenn kein direkter Ortsbezug zum alten Brutplatz bestehe, hätten die Schwalben keine Chance, die neuen Nistplätze zu finden.

    Stadt spricht von "freiwilliger Maßnahme"

    Die Stadtverwaltung betont in einer Stellungnahme, bei der Einrichtung der Ersatznistplätze handele es sich um eine "freiwillige Maßnahme". Darüber hinaus sei das Vorgehen von Experten der Regierung von Niederbayern auch so vorgeschlagen worden.

    Rauchschwalben sind sogenannte "Gebäudebrüter", sie richten ihre Nester gerne in Pferdeställen oder offenen Durchgängen ein. Die Vögel stehen auf der roten Liste. Sie brüten zwei- bis dreimal pro Jahr und kehren mit Vorliebe an ihre angestammten Brutplätze zurück.

    Landshut ist Schwalbenstadt

    In der Landshuter Innenstadt existiert eine außerordentlich große Population an Rauchschwalben. Der LBV schätzt, dass es hier 80 bis 100 Brutstätten gibt. Viele Hausbesitzer haben also Erfahrung im Umgang mit Schwalbennestern. Vogelschützerin Rieck hätte sich deshalb gerade von der Stadtverwaltung ein sensibleres Vorgehen beim Schwalbennest im Rathaus gewünscht. "Das macht eine ganz schlechte Außenwirkung", kritisiert Rieck.

    Grüne kritisieren Umweltamtsleiter

    Grünen-Stadträtin Sigi Hagl, Mitglied im Landshuter Umweltsenat, macht den Leiter des Landshuter Umweltamtes für die ihrer Meinung unsachgemäße Entfernung des Schwalbennestes aus dem Rathausfoyer verantwortlich. "Hier wurde gleich mehrfach gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen", kritisiert Hagl. Im Gespräch mit dem BR kündigte sie an, gegen den Behördenleiter eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Regierung von Niederbayern einzulegen.

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