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Schwäbisches Kloster Wettenhausen erhält Millionen-Förderung | BR24

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Um das weitläufige Kloster Wettenhausen wiederzubeleben, stellen Bund, Freistaat und Kirche insgesamt 11 Millionen Euro zur Verfügung.

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Schwäbisches Kloster Wettenhausen erhält Millionen-Förderung

Verstaubter Stuck von kultureller Bedeutung: Für die Sanierung von Kloster Wettenhausen sind 11 Millionen Euro zusammengekommen. Um dem weitläufigen Baudenkmal damit neues Leben einzuhauchen, soll auch die Bevölkerung vor Ort einbezogen werden.

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Von
  • Anna Klein

Was tun mit 38.000 Quadratmetern Klostergelände? Elf Klosterschwestern wohnen aktuell in der weitläufigen Anlage in Wettenhausen im Landkreis Günzburg. Vor sechs Jahren hatten sie eine eigens gegründete Entwicklungsgesellschaft mit einem Konzept beauftragt, wie das Kloster erhalten und künftig genutzt werden kann. Für den ersten Bauabschnitt sind jetzt Fördergelder da: in Höhe von 11 Millionen Euro.

Bund, Freistaat, Diözese und Ordensvermögen

Die finanziellen Mittel für das Großprojekt kommen aus dem Bundeshaushalt (fünf Millionen Euro), aus der Denkmalförderung des Freistaates (drei Millionen) sowie aus dem Vermögen des Ordens und der Diözese Augsburg (drei Millionen). Damit wird ab 2021 der erste von vier Bauabschnitten saniert, der unter dem Motto „Gelebter Glaube“ das kirchliche Zentrum des Klosters umfasst.

„Lebendiges Denkmal“

Neben dem Wohnbereich der Schwestern soll mit dem Geld auch Raum für spirituelle Angebote entstehen, damit das Kloster zu einem „lebendigen Denkmal“ wird. Jahrzehntelang ging die Zahl der Klosterschwestern zurück und angesichts der verfallenden Bausubstanz schien fraglich, wie eine geistliche Zukunft in Wettenhausen überhaupt aussehen kann. Über die millionenschwere Förderung sei die Schwesternschaft der Dominikanerinnen deshalb „überglücklich“ erklärte Schwester Amanda, Priorin des Klosters: „Jetzt wird nicht mehr gejammert, jetzt wird renoviert.“

Kloster hat Säkularisation überstanden

Mitten im schwäbischen Barockwinkel zwischen Ulm und Augsburg gelegen, können die Vorläufer des Klosters Wettenhausen bis ins Hochmittelalter zurückverfolgt werden. Aus dieser romanischen Episode stammen zum Beispiel noch die Fundamente des klösterlichen Kreuzgangs. Der Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein (CSU) verwies auf die nationale Bedeutung der Klosteranlage hin, die als eines der wenigen Klöster unbeschadet die Säkularisation überstanden habe. Wegen dieser kulturhistorischen Bedeutung können die Zuschüsse des Bundes auch von der Denkmalförderung des Freistaates Bayern co-finanziert werden, erklärte Generalkonservator Mathias Pfeil und verwies auf den kritischen Zustand der Bausubstanz: „Es ist wichtig, dass wir jetzt anfangen.“

35 Millionen Gesamtkosten

Für die Sanierung des gesamten Klosterkomplex sind insgesamt 35 Millionen Euro veranschlagt, aufgeteilt auf vier Bauabschnitte. Die Idee dahinter: Wenn die einzelnen Gebäudeteile künftig unterschiedliche Funktionen erfüllen, können mehrere verschiedene Fördertöpfe angezapft werden, so der Geschäftsführer der Entwicklungs-Gesellschaft, Hubert Hafner. So sollen sich die weiteren Gebäudeteile beispielsweise den Themen Natur, Kultur und Gastfreundschaft widmen. Geplant sind beispielsweise eine Gaststätte mit Kleinbrauerei, ein Klostermuseum und eine Saatgut-Bibliothek.

Spatenstich für 2021 geplant

250.000 Euro aus dem Bundeshaushalt erhält das Kloster noch in diesem Jahr, daneben wird in der Region das Schloss in Babenhausen mit Bundesmitteln unterstützt. Der Spatenstich für die große Sanierung ist für Ende 2021 angesetzt. Schon im kommenden Frühjahr sollen die Arbeiten am prunkvollen Kaisersaal mit seiner berühmten Stuck-Decke starten, wo sich aus Brandschutzgründen aktuell nur 25 Menschen aufhalten dürfen. Künftig sollen dort wieder Konzerte und Tagungen stattfinden. Außerdem saniert die Gemeinde Kammeltal derzeit den Teil des Klosters, wo der gemeindliche Kindergarten untergebracht ist. „Damit hier ein lebendiges Zentrum entsteht, wollen wir die Bevölkerung miteinbeziehen“, erklärte Bürgermeister Matthias Kiermasz.