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Schwäbischer Warnstreik-Auftakt der IG Metall in Dillingen | BR24

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Bildrechte: IG Metall

Die Friedenspflicht ist abgelaufen: Im Tarifkonflikt in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen jetzt auf Streik. Auch in Schwaben stehen zahlreiche Aktionen an. Den Anfang machten die BSH-Beschäftigten in Dillingen.

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Schwäbischer Warnstreik-Auftakt der IG Metall in Dillingen

Die Friedenspflicht ist abgelaufen: Im Tarifkonflikt in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen jetzt auf Streik. Auch in Schwaben stehen zahlreiche Aktionen an. Den Anfang machten die BSH-Beschäftigten in Dillingen.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

Die IG Metall hat zum Auftakt der Warnstreiks im Tarifkonflikt in Schwaben etwa 2.000 Beschäftigte der BSH Hausgeräte GmbH in Dillingen dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Seit der Nacht beenden die Mitarbeiter ihre Schicht jeweils eine Stunde früher. Dadurch sollen die Bänder in der Produktion zwischenzeitlich immer wieder stillstehen. Eine Kundgebung ist wegen der Corona-Pandemie nicht geplant.

IG-Metall: Aktion bei BSH Hausgeräte als Signal

Der Chef der IG Metall Augsburg, Michael Leppek, sagte dem BR, dass es BSH zurzeit wirtschaftlich gut gehe. Das hat nach Ansicht des Gewerkschafters auch mit der Pandemie zu tun, da viele die Geschirrspüler von BSH kauften. Tatsächlich belegen verschiedene Statistiken, dass Verbraucher zurzeit Geld, das sie eigentlich für Vorhaben wie Urlaube gespart hatten, in die eigenen vier Wände investieren. Laut IG-Metall-Chef Leppek ist es daher auch ein Signal, dass BSH bestreikt wird.

Unternehmen: Nachfragewelle bei Geschirrspülern

Wie ein Sprecher der BSH Hausgeräte GmBH dem BR bestätigte, beobachte man in Deutschland und weltweit den "Cocooning-Effekt", den Trend zum Rückzug ins häusliche Privatleben. Dadurch investierten die Konsumenten verstärkt in ihr Zuhause und damit auch in die Geräte der BSH. Vor allem ab der zweiten Jahreshälfte habe es eine europaweite, unerwartete Nachfragewelle gegeben. So habe man 2020 in Dillingen 2,7 Millionen Geschirrspüler produziert. Das seien nur 200.000 weniger als 2019, obbwohl das Werk in der ersten Corona-Welle drei Wochen geschlossen blieb. Der Bedarf an Geschirrspülern übersteige zurzeit die industriellen Kapazitäten. Deshalb arbeite man in Dillingen bei maximaler Auslastung, so der Sprecher.

Forderung nach höheren Gehältern

Im Tarifstreit fordert die IG Metall unter anderem vier Prozent mehr Gehalt für die 840.000 Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Die Arbeitgeber bieten dagegen nach einer Nullrunde in diesem Jahr eine Einmalzahlung und erst für 2022 eine Lohnsteigerung, ohne sich auf die Höhe festzulegen.

Weitere Warnstreiks in Schwaben

Um den Druck zu erhöhen, überzieht die Gewerkschaft ganz Bayern mit Warnstreiks. In Augsburg und der Region Nordschwaben sind diese und kommende Woche in 30 weiteren Unternehmen Aktionen geplant. So sind etwa am Mittwoch die Beschäftigten der Eberle Federnfabrik in Schwabmünchen zu Arbeitsniederlegungen eine Stunde vor Schichtende aufgerufen. Von der IG Metall heißt es: Wenn die Arbeitgeber bis Mitte März kein verhandelbares Angebot vorlegen werden, werde man die Warnstreiks ausweiten.

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