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Trotz freier Intensivbetten sind die Kliniken in Schwaben mit dem Normalbetrieb gut beschäftigt.

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    Schwabens Krankenhäuser trotz freier Intensivbetten ausgelastet

    Die Infektionszahlen sind gering, die Krankenhäuser müssen nur wenige Corona-Patienten behandeln. Zeit zum Zurücklehnen? Nein – der Normalbetrieb fordert die Kliniken in Schwaben. Außerdem bereiten sie sich auf eine mögliche vierte Welle vor.

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    Von
    • David Donocik
    • Johanna Kempter

    Die aktuelle Corona-Lage mit niedrigen Inzidenzen wirkt sich auch auf die Bettenbelegung der schwäbischen Krankenhäuser aus. Wie der Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, Dr. Hubert Mayer, auf Anfrage des BR mitteilte, wird derzeit weder in Aichach noch in Friedberg ein Corona-Patient behandelt. Auch in den Häusern des Klinikverbunds Allgäu liegen an den sechs Standorten zur Zeit lediglich drei Personen mit Covid-19 auf der Normalstation, eine Person wird auf der Intensivstation behandelt.

    Kliniken rechnen mit steigenden Patientenzahlen

    Mit Blick auf die sich auch in Bayern rasch ausbreitende Delta-Mutante betonte Klink-Geschäftführer Mayer, dass Corona nicht vorbei sei. "Wir werden uns bald wieder intensiver damit beschäftigen müssen", so seine Prognose. Er geht davon aus, dass die Zahl der Patienten wieder steigen wird. "Der Anteil der jüngeren Personen wird deutlich höher sein", so Mayer mit Bezug auf die überwiegend noch nicht geimpften Jugendlichen und Kinder.

    Auf mögliche vierte Welle gut vorbereitet

    Er rechnet jedoch damit, dass die Zahl der Intensivpatienten in Aichach und Friedberg geringer sein wird als noch während der zweiten und dritten Welle der Pandemie. Der Chefarzt für Intensivmedizin am Klinikum Kempten, Dr. Florian Wagner, teilt diese Einschätzung. Dank eines flexiblen Pandemieplans sei man auf eine vierte Welle gut vorbereitet. "Falls erforderlich, wird dann auch wieder bereits eingearbeitetes Personal aus anderen Bereichen in die Covid-Strukturen verschoben und dafür die Leistungen in anderen Bereichen reduziert."

    Aktuell Normalbetrieb in den Kliniken

    Aktuell herrscht sowohl in den Kliniken an der Paar sowie im Allgäu Normalbetrieb. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Mitarbeiter zurücklehnen können. Zwar sei die Zahl der Intensivbetten im Friedberger Krankenhaus von zehn auf sechs reduziert worden, doch die Arbeit werde nicht weniger, sagt Geschäftsführer Mayer. Er spricht von einem Spagat, den die beiden Häuser derzeit machten. "Auf der einen Seite wollen wir den Ansprüchen der Patienten, die in den Hochphasen nicht zum Zug gekommen sind, gerecht werden. Auf der anderen Seite versuchen wir den Bedürfnissen der Mitarbeiter in Sachen Urlaub und Überstundenausgleich gerecht zu werden."

    Lob für das Krankenhauspersonal im Allgäu

    In den Häusern des Klinikverbunds Allgäu hat man sich laut Intensiv-Chefarzt Wagner bemüht, eine Anhäufung von Überstunden während der Pandemie zu vermeiden. Nach seinen Worten konnte verhindert werden, dass das Personal zusätzlich zur Versorgung der Covid-Patienten mit massiven Überstunden strapaziert wurde. Er lobte die Arbeit des Personals: "Wir haben die zweite und dritte Welle gut bewältigt, weil wir uns auf unsere Mitarbeiter immer verlassen können." Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage sei unterdurchschnittlich gewesen.

    Vorsorge: Kliniken decken sich mit Schutzausrüstung ein

    Größere Lockerungen im Arbeitsalltag sind allerdings noch nicht möglich, betont Klinik-Geschäftsführer Mayer. In den Häusern in Aichach und Friedberg gelte weiterhin FFP2-Maskenpflicht und ein strenges Hygienekonzept. Mayer mahnt angesichts einer Studie der Uni Mainz, dass die Lage weiter ernst sei. Der Studie zufolge wissen mehr als 40 Prozent aller mit dem Coronavirus infizierten Personen nichts von ihrer Infektion. Die Kliniken an der Paar sorgen daher vor: "Wir kaufen jetzt nochmal Schutzausrüstung." Dies mache aber auch betriebswirtschaftlich Sinn: In der Hochphase der Pandemie habe das Friedberger Krankenhaus zwischen zwölf und 15 Euro netto pro FF2-Maske ausgegeben. "Im Moment zahlen wir 30 Cent."

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