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Bildrechte: Sylwia Lech

Verdi-Beschäftigte demonstrieren

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    Schwaben: Streiks im Handel ausgeweitet

    Zweimal haben Arbeitgebervertreter des bayerischen Handels und der Gewerkschaft Verdi verhandelt – ohne Ergebnis. Deshalb wird heute in Schwaben gestreikt. Betroffen sind das Lidl Zentrallager in Graben und die H&M Store City Galerie in Augsburg.

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    Von
    • Matthias Lauer

    Nach zwei gescheiterten Verhandlungsrunden von Arbeitgebervertretern des bayerischen Handels und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) werden die Streiks im bayerischen Einzel- und Versandhandel heute ausgeweitet. Im Bezirk Schwaben haben bereits am Mittwoch Beschäftigte des Lidl Zentrallagers in Graben bei Augsburg zu Beginn der Spätschicht ihre Arbeit niedergelegt. Heute schließen sich Beschäftigte vom H&M Store City Galerie in Augsburg dem Streik an.

    "Die hervorragende Arbeit der Beschäftigten verdient Respekt und Anerkennung auch beim Gehalt. Das Angebot der Arbeitgeber bedeutet nicht nur Reallohnverluste für die Beschäftigten, es vergrößert auch die Gefahr von Altersarmut und lässt jede Wertschätzung vermissen, welche sich die Beschäftigten jeden Tag unter erschwerten Bedingungen hart erarbeitet haben.“ Sylwia Lech, Verdi-Gewerkschaftssekretärin Bezirk Schwaben.

    Verdi fordert mehr Geld und Schutz

    Gerade Beschäftigte in Krisenbetrieben hätten durch Kurzarbeit massive Einbußen hinnehmen müssen und bräuchten dringend Entgelterhöhungen, um die Verluste auszugleichen, so Lech. Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll zwölf Monate betragen. Verdi will aber auch einen Beschäftigtenschutz durch tarifliche Regelungen durchsetzen. Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollten wieder allgemeinverbindlich werden. Damit würden Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden, so die Gewerkschaft. Für tarifgebundene Krisenbetriebe will Verdi durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

    Gewinner verstecken sich hinter Krisenbetrieben

    Viele Versandhändler hätten sich während der Pandemie eine goldene Nase verdient. Diese versteckten sich hinter den Betrieben, die wirklich gelitten hätten, so die Botschaft von Verdi. "Diese dreiste Vorgehensweise der Arbeitgeber sorgt für Empörung“, sagt Sylwia Lech. Die Beschäftigten seien motiviert und würden ihren Arbeitskampf so lange ausweiten, bis die Arbeitgeber endlich ein diskutables Angebot vorlegten, ergänzt Lech.

    Beschäftigte haben Angst vor Altersarmut

    Nach einer Verdi-Befragung unter knapp 4.200 Beschäftigten binnen vier Wochen gaben 64 Prozent an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. 81 Prozent gehen davon aus, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt. 76 Prozent unterstützen eine überproportionale Anhebung der unteren Einkommen und 90 Prozent fordern die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel.

    Laut Verdi sind im bayerischen Einzel- und Versandhandel nach Zahlen von Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 Prozent der Beschäftigten arbeiteten in Teilzeit und 70 Prozent der Beschäftigten seien Frauen. Wie die Gewerkschaft weiter mitteilt, erwirtschafteten 2020 laut Statistischem Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 Prozent und real 6,8 Prozent mehr Umsatz.

    Arbeitgeber bieten deutlich weniger

    Wie Verdi weiter mitteilt, soll es nach dem Willen der Arbeitgeber für 2021 nach zwei Nullmonaten 1,0 Prozent, 2022 weitere 1,4 Prozent und nach 24 Monaten bei einer Laufzeit von 36 Monaten 2,0 Prozent geben. Eine Einmalzahlung von 1,4 Prozent des individuellen Bruttomonatsgehalt für die Monate Juli 2021 bis April 2022 soll das Angebot ergänzen. Bei Unternehmen, die durch die Pandemie in eine Krise geraten sind, soll es keine Einmalzahlungen für die Beschäftigten geben.

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