BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Schwabach will Wohnungen statt Wald – und verklagt den Freistaat | BR24

© stock.adobe.com/lassedesignen
Bildrechte: stock.adobe.com/lassedesignen

Als Ausgleich für Rodungen am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost muss ein Bannwald angelegt werden. Der Freistaat favorisiert ein Gebiet nahe Schwabach.

6
Per Mail sharen

    Schwabach will Wohnungen statt Wald – und verklagt den Freistaat

    Die Stadt Schwabach zieht gegen den Freistaat Bayern vor Gericht. Direkt neben der Stadtgrenze soll ein Bannwald entstehen, als Ausgleich für Rodungen rund um das Autobahnkreuz Nürnberg-Ost. Die Stadt möchte dort aber lieber Wohnungen bauen.

    6
    Per Mail sharen
    Von
    • Franz Engeser

    Die Stadt Schwabach geht gerichtlich gegen einen geplanten Bannwald nahe ihrer Stadtgrenze vor. Es geht um das Gelände der alten Autobahnmeisterei Schwabach sowie die umliegenden Ackerflächen. Unter dem Namen "Forsthof Süd" will die Stadt Schwabach dort ein Baugebiet ausweisen, auf dem sich Betriebe ansiedeln und Wohnhäuser errichtet werden sollen.

    Der Wohnungsmarkt in Schwabach sei angespannt, sagte Baureferent Ricus Kerckhoff dem Bayerischen Rundfunk. Vor allem geförderte Wohnungen würden dringend gebraucht. Nach dem Willen der Stadt sollen in dem Neubaugebiet nahe der A6 in einigen Jahren bis zu 550 Menschen ein neues Zuhause finden.

    Schwabach plant Neubaugebiet bereits seit Jahren

    Bereits im Jahr 2016 hat Schwabach einen Strukturplan für die Fläche aufgestellt. Das war möglich, weil im Zuge des Autobahnausbaus im Jahr zuvor auch der Lärmschutz verbessert worden war. Vor drei Jahren wurde der Strukturplan dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Auftrag der Stadt werden aktuell Verkehrs- und Energiekonzepte für den "Forsthof Süd" erarbeitet. Es gibt aber ein Problem: Die Fläche gehört nicht der Stadt, sondern dem Staat.

    Freistaat will Wald neben Schwabach aufforsten

    Der Freistaat Bayern hat mit dem Gelände der Autobahnmeisterei andere Pläne: Für den Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost mussten Teile eines besonders schützenswerten Bannwalds gerodet werden. Diesen muss der Freistaat Bayern als sogenannte Ausgleichsfläche an anderer Stelle wieder aufforsten – und möchte das auf dem Gelände der alten Autobahnmeisterei tun, direkt an der Stadtgrenze zu Schwabach. Damit würden rund 15 Prozent der Fläche für Schwabach wegfallen.

    Schwabach fordert Bannwald an anderer Stelle

    Deswegen zieht die Stadt nun vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Der Bannwald könne auch an anderer Stelle angelegt werden, sagt Baureferent Kerckhoff. Dies habe auch die Autobahndirektion bestätigt. Mit einer Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs wird frühestens in zwei Wochen gerechnet. Spätestens im Frühjahr will die Stadt Schwabach mit den konkreten Planungen für das Baugebiet beginnen.

    💡 Was sind Ausgleichsflächen?

    "Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft", etwa durch die Ausweisung von Baugebieten oder durch den Straßenbau, "erfordern Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen", heißt es aus dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Wo also "auf der grünen Wiese" gebaut wird, muss ein entsprechendes Gebiet der Natur gewissermaßen zurückgegeben werden. Dazu reicht es aber nicht, eine Wiese schlicht brach liegen zu lassen. Ausgleichsflächen müssen eine deutlich höhere "ökologische Qualität" aufweisen, so das LfU. Zudem müssen diese Flächen dauerhaft gesichert werden. Verantwortlich für das Anlegen solcher Ausgleichsflächen ist stets der Verantwortliche der Baumaßnahme. Bei Straßenbauprojekten also in der Regel der Staat. Zuletzt hatte der Landesbund für Vogelschutz bemängelt, dass viele Ausgleichsflächen allerdings nicht den Auflagen entsprachen oder gleich gar nicht angelegt wurden.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!