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Schutz vor Wölfen: Bayerns Herdenschutz-Programm gestartet | BR24

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Zum Schutz von Weidetieren vor Wölfen hat die Staatsregierung ein mit rund zwei Millionen Euro bezuschusstes Förderprogramm etabliert: In vier Gebieten finanziert der Freistaat Elektrozäune, mobile Ställe und die Anschaffung eines Herdenschutzhundes.

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Schutz vor Wölfen: Bayerns Herdenschutz-Programm gestartet

Zum Schutz von Weidetieren vor Wölfen hat die Staatsregierung ein mit rund zwei Millionen Euro bezuschusstes Förderprogramm etabliert: In vier Gebieten finanziert der Freistaat Elektrozäune, mobile Ställe und die Anschaffung eines Herdenschutzhundes.

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Das Interesse vor allem bei den Schaf- und Ziegenhaltern in Bayern ist hoch. Beim Landesverband Bayerischer Schafhalter, den Alp- und Almwirtschaftlichen Vereinen und den staatlichen Fachberatern sind seit Anfang der Woche viele Dutzend Anrufe eingegangen. Gefragt wird: Wie funktioniert die Förderung für die Anti-Wolf-Maßnahmen? Wie hoch ist sie? Wie kann ich die Mittel beantragen?

Zuständig für die Abwicklung des neuen Förderprogramms sind die örtlichen Landwirtschaftsämter. Im Moment hält sich der Andrang dort noch in Grenzen – aber der Beratungsbedarf steigt. Vor allem in den vom Landesamt für Umwelt benannten vier Gebieten in Bayern, in denen Wölfe bereits dauerhaft ansässig sind: Rhön, Nationalpark Bayerischer Wald, Veldensteiner Forst und Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Nur dort und im südlichen Allgäu, wo immer wieder Wölfe aus Österreich herüberkommen, können Schaf- und Ziegenhalter die Zuschüsse seit dem 1. Mai beantragen.

Schafhalter begrüßen neue Fördermöglichkeiten

Martin Bartl, Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Schafhalter, begrüßt die neuen Fördermöglichkeiten für seine Mitgliedsbetriebe als "sehr wichtigen Schritt und Bekenntnis der Staatsregierung zur Weidetierhaltung".

Im Förderprogramm heißt es: "Bei Investitionen in mobile Elektrozäune, elektrifizierte Festzäune oder mobile Ställe werden bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Aufwendungen gefördert. Bei Investitionen in Herdenschutzhunde werden bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Aufwendungen gefördert, höchstens jedoch 3.000 Euro je Hund."

Schafhalter wollen Programm ausweiten

Das Programm über zwei Millionen Euro jährlich für die Erstinvestitionen in den Herdenschutz ist für Martin Bartl vom Schafhalter-Verband jedoch nur "der Einstieg". Vielmehr sollte es "dringend auf die laufenden Kosten ausgeweitet werden". Denn es koste die Tierhalter noch einmal laufend Geld, die mobilen oder festen Schutzzäune zu erhalten oder einen Herdenschutzhund das ganze Jahr über zu füttern.

Laut Wolfgang Thomann, staatlicher Fachberater für Kleintierzucht beim Landwirtschaftsamt Kitzingen, kostet ein Herdenschutzhund jährlich allein 1.000 Euro an Futter. Für die 58 Herdenschäfer in Unterfranken seien das Summen, die sie allein nicht erwirtschaften könnten.

In Thomanns Bereich fällt das offizielle Wolfsgebiet Rhön, wo bis jetzt noch kein Rudel lebe, sondern nur eine einzelne sesshafte Wölfin. Schafe oder Ziegen wurden dort noch nicht gerissen, auch deshalb bewertet Thomann die Stimmung unter den Schafhaltern als "unterfränkisch entspannt". Er kenne kein anderes Förderprogramm, das 100 Prozent auch für Hobby-Betriebe übernehme. Deshalb nennt er das Herdenschutzprogramm "hervorragend", es werde bei seinen Beratungsgesprächen sehr positiv aufgenommen.

Alm- und Alpwirtschaft sieht Zäune skeptisch

Eher gelassen-skeptisch sehen das staatliche Herdenschutzprogramm die Vertreter der Alm- und Alpbauern in Oberbayern und im südlichen Allgäu. Die Geschäftsführer beider Vereine begrüßen auf BR-Anfrage zwar die Möglichkeit, dass Schutzzäune und Herdenschutzhunde finanziert werden. In den oft quadratkilometergroßen, felsigen Hochgebirgs-Almen seien Zäune zum Wolfsschutz jedoch "völlig ungeeignet" und Herdenschutzhunde möglicherweise gefährlich für Wanderer und deren Hunde. Nicht umsonst lasse das Umweltministerium ganz Bayern gerade in "schützbare und nicht schützbare" Gebiete einteilen.

Im südlichen Allgäu können aber trotzdem – bei Bedarf – Schutzzäune beantragt werden. In Oberbayern ist das zur Zeit nicht möglich, weil es keine offiziellen Wolfsgebiete gibt.

"Problemwölfe schießen"

Auch Martin Bartl vom Schafhalter-Verband bezweifelt, dass in touristisch genutzten Almgebieten herumziehende Herden überhaupt wirksam vor Wölfen geschützt werden können. Erfahrungen aus Frankreich und aus Südtirol zeigten vielmehr, dass überall dort, wo Wölfe Nutztiere in den Bergen angegriffen hätten, im nächsten Jahr der Weidebetrieb aufgegeben wurde. Für Bartl ist deshalb klar, dass künftig Wölfe in solchen Gebieten vergrämt, also aktiv verjagt werden müssten. Sogenannte Problemwölfe sollten – nach staatlicher Genehmigung – auch geschossen werden.

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