BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR / Doris Bimmer
Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Schutz contra Sicherheit: Dilemma der Altenheime in der Coronakrise

14
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Schutz contra Freiheit: Das Dilemma der Senioreneinrichtungen

Viele Menschen sorgen sich um ihre Eltern in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Sie leben dort seit einem Jahr weitgehend abgeschottet. Das wollen Angehörige so nicht mehr hinnehmen. Doch die Abwägung zwischen Schutz und Freiheit ist nicht einfach.

14
Per Mail sharen
Von
  • Doris Bimmer

Die Impfquote in bayerischen Alten- und Pflegeheimen ist hoch, laut Gesundheitsministerium sind 98 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner mittlerweile zum zweiten Mal geimpft. Trotzdem haben vor einer Woche – neuere Zahlen liegen nicht vor - noch immer 137 Heime, das entspricht laut Ministerium 8,9 Prozent der bayerischen Einrichtungen, gegen einen Corona-Ausbruch gekämpft.

Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA-Pflegeschutzbund) fordert ungeachtet dessen in einer Online-Petition, dass alle Besuchsbeschränkungen sofort aufgehoben werden. Die Forderungen sind auch in der Politik angekommen.

Lockerungen schon ab Samstag

Die Staatsregierung hat am Dienstag bekannt gegeben: Schon ab dem 27. März können die Bewohnerinnen und Bewohner wieder mehr als einen Besucher pro Tag empfangen. Vorausgesetzt, es liegt ein negativer Corona-Test vor und die Schutz- und Hygienekonzepte, also FFP2-Maskenpflicht und ein Mindestabstand von 1,5 Metern werden eingehalten. Auch Gruppenangebote sollen wieder möglich sein. Der Leiter des Bayerischen Verbands der Pflegenden, Georg Sigl-Lehner, begrüßt diesen Schritt.

"Ich glaube, jeder wünscht sich eine Öffnungsperspektive. Weil in der Art und Weise, wie die letzten zwölf Monate waren, darf es, glaub ich, und soll es auch nicht mehr gehen. Diese Menschen brauchen tatsächlich mehr Kontakt, mehr ihr altes Leben ein Stück weit zurück." Georg Sigl-Lehner, Leiter des Bayerischen Verbands der Pflegenden

Heimleitungen erleben viel Unvernunft

Letztlich muss aber jede Einrichtung selbst entscheiden, wie weit sie öffnen will – und kann. Im Gesundheitsministerium heißt es dazu auf BR-Anfrage: Die Einrichtungen haben zu beachten, "dass eine Einschränkung nur möglich ist, wenn dies unerlässlich ist, um eine unzumutbare Beeinträchtigung des Betriebs der stationären Einrichtung abzuwenden." Und scheinbar missachten Angehörige immer wieder die Vorgaben. Bei Besuchen wird eben kein Abstand eingehalten, die Maske wird abgenommen. So schreibt ein Heimleiter aus Lindau:

"Letzten Freitag haben wir einer Angehörigen erlaubt, mit einer Bewohnerin hier in der Nähe spazieren zu gehen. […] Die Bewohnerin erzählte uns, dass sie auf dem Pfänder waren. Grenzüberschreitung nach Österreich und ignorieren der Besuchsregelung ... selbstverständlich wurde auch keine Maske getragen." Heimleiter aus Lindau

Hoffen auf Impfung und schönes Wetter

Eine Heimleiterin aus Kempten schreibt uns, sie stimme sich gerade mit der Heimaufsicht (Fachstelle für Qualität und Aufsicht) ab, wie sich die Abholung der Bewohner durch Angehörige gestalten lässt. Einerseits gibt es die Auflagen (Maske, Abstand) während des Besuchs, "auf der anderen Seite sollen wir keine Einschränkungen für die Mitnahme zu privaten Treffen, also zum Kaffeetrinken mit der gesamten Familie, vornehmen und den Bewohner danach in der Gruppe wieder ohne Maske integrieren."

Wohl keine Heimleitung will die SeniorInnen länger als nötig in ihrem "goldenen Käfig" abschotten, sie hoffen nun darauf, dass bald viel mehr Menschen geimpft sind. Und dass gemeinsame Aktivitäten mit Angehörigen und in der Seniorengruppe bald wieder draußen an der frischen Luft stattfinden können.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!