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Schuss auf Kollegen: Polizeischüler gesteht vor Gericht | BR24

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In Würzburg muss sich ein Polizeischüler vor Gericht verantworten. Im Februar 2019 hatte er einen Kollegen auf dessen Stube bei der Bereitschaftspolizei erschossen. Es war wohl eine Mischung aus Unachtsamkeit und verheerendem Leichtsinn.

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Schuss auf Kollegen: Polizeischüler gesteht vor Gericht

Der Angeklagte hat die Tat gestanden. Ein Polizeischüler muss sich in Würzburg vor Gericht verantworten, weil er einen Kollegen auf dessen Stube bei der Bereitschaftspolizei erschossen hat. Es war wohl eine Mischung aus Unachtsamkeit und Leichtsinn

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Von
  • Pirmin Breninek

Der angeklagte Polizeischüler hat die Tatvorwürfe im Prozess vollumfänglich eingeräumt. Sein Anwalt verlas eine entsprechende Einlassung. Der Beschuldigte sagt auf die Frage des Richters, ob er sich äußern möchte knapp: "Ich schaffs nicht."

Laut Staatsanwaltschaft hätte der Schütze nicht die Absicht gehabt, seinen Kollegen auch nur zu verletzen. Zugleich soll er jedoch mehrere Sicherheitsvorschriften missachtet haben. In Würzburg steht ein damals 19 Jahre alter Polizeischüler vor dem Amtsgericht. Mit seiner Dienstwaffe hatte er einen zwei Jahre älteren Polizisten, der sich ebenfalls noch in Ausbildung befand, erschossen.

Schusswaffeneinsatz simuliert – Waffe geladen

Der Vorfall ereignete sich außerhalb der Dienstzeit im Zimmer des Opfers auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Würzburg. Nach Abschluss der Ermittlungen deutet vieles auf folgenschwere Unachtsamkeit hin. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hätten die Auszubildenden im Zimmer des Opfers einen Schusswaffeneinsatz simuliert. Das bedeutet, sie hätten ihre Waffen gezogen und dabei Schüsse angedeutet – in dem festen Glauben ihre Waffen seien entladen. Laut Anklage drückte der Beschuldigte dabei ab und traf seinen Kollegen in den Hinterkopf. Im Lauf der Waffe befand sich noch eine Patrone.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft lautet fahrlässige Tötung. Der Polizeischüler hätte den Abzug nie unnötig oder gedankenlos ziehen dürfen. Jede Dienstwaffe sei so zu behandeln "als sei sie geladen", so die Anklage. Dem Schützen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Geladene Pistole trotz Waffenkontrolle

Auch eineinhalb Jahre nach der Tat beschäftigen die Eltern des getöteten Polizisten noch immer viele Fragen, heißt es von deren Anwalt Jürgen Scholl: "Dass das in behüteter Atmosphäre einer Polizeischule passiert – das ist heftig." Scholl vertritt die Eltern als Nebenkläger. Sie erhoffen sich mehr darüber zu erfahren, wie trotz der Sicherheitsvorkehrungen eine geladene Waffe auf der Polizeistube landen konnte.

Die Polizeischüler müssen ihre Waffe nach Dienstende regelmäßig entladen und die Munition abgeben. Laut Anklage hatte der Schütze vorschriftsmäßig die Magazine ausgehändigt. Doch bei jedem Durchladen der Waffe bleibt eine Patrone im Lauf – auch wenn das Magazin entfernt ist. Diese Patrone soll bei der Kontrolle nicht aufgefallen sein.

Jugendstrafrecht könnte sich auf Urteil auswirken

Entscheidend für die Höhe des Urteils gegen den Polizeischüler könnte auch die Frage sein, ob bei dem Angeklagten Erwachsenenstrafrecht oder Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls war er 19 Jahre alt. Damit gilt er als Heranwachsender, weshalb auch eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht denkbar wäre. Diese würde vermutlich milder ausfallen.

Die Staatsanwaltschaft will sich erst vor Gericht ein Bild vom Angeklagten machen. Der Anwalt der Nebenklage fordert eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Die Tat sei nach Aktenlage "kein jugendlicher Leichtsinn" gewesen. Eine Reifeverzögerung, die maßgeblich für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht ist, halte er bei einem Polizisten im zweiten Ausbildungsjahr für unwahrscheinlich.

Für den Prozess hat das Amtsgericht Würzburg einen Verhandlungstag angesetzt. Ein Urteil soll voraussichtlich noch am heutigen Dienstag fallen.

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