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Schultheater in Mellrichstadt: Mauerfall als erlebte Geschichte | BR24

© BR Fernsehen

Schüler der Udo-Lindenberg-Mittelschule im unterfränkischen Mellrichstadt haben zum 30-jährigen Mauerfall ein besonderes Theaterstück einstudiert. "Unter demselben Stern" erzählt eine Ost-West Liebesgeschichte, basierend auf realen Stasi-Akten.

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Schultheater in Mellrichstadt: Mauerfall als erlebte Geschichte

Für Jugendliche liegt der Mauerfall lange zurück und ist trockener Unterrichtsstoff. Bei den Schülern der Udo-Lindenberg-Mittelschule in Mellrichstadt nahe der früheren Grenze zur DDR ist das anders. Hier feierte ein Theaterstück umjubelte Premiere.

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Am Ende gab es stehende Ovationen in der voll besetzten Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt. Zwei Stunden haben rund 20 junge Schauspieler und viele weitere Akteure vor, hinter und neben den Kulissen das Publikum gerührt, informiert und bestens unterhalten – mit einem Stück Schultheater, das 30 Jahre nach dem Mauerfall diesen mittlerweile historischen Stoff zum gegenwärtigen Erlebnis machte.

Verbotene Liebe zu Zeiten des Kalten Kriegs

"Unterm selben Stern" heißt das Stück, das von einer verbotenen Ost-West-Liebe im geteilten Deutschland erzählt. Mitte der 1980er lernen sich zwei Jugendliche kennen und lieben: Uwe aus Meinigen in Thüringen und Marion aus dem unterfränkischen Mellrichstadt, die mit ihren Eltern immer wieder auf Verwandtenbesuch in der DDR. ist. Beide leiden unter der Trennung, sehnsüchtige Briefe gehen hin und her – und wecken die Aufmerksamkeit der "Abteilung M", der Postkontrolle der Staatsicherheit in der DDR. Der verliebte und verzweifelte Uwe entschließt sich zum Fluchtversuch in den Westen. Und die Dinge nehmen ihren Lauf.

© Jochen Wobser/BR-Mainfranken

Für Jugendliche liegt der Mauerfall lange zurück und ist trockener Unterrichtsstoff. Bei den Schülern der Udo-Lindenberg-Mittelschule in Mellrichstadt nahe der früheren Grenze zur DDR ist das anders. Hier feierte ein Theaterstück umjubelte Premiere.

Deutsch-deutsche Teilung als emotionaler Stoff für Schultheater

Autor des Stücks ist Achim Libischer, Leiter der Udo-Lindenberg-Mittelschule Mellrichstadt. Der 50-Jährige hat die deutsche Teilung und den Mauerfall hautnah miterlebt – anders als die rund 360 Kinder und Jugendlichen an seiner Schule.

"Der Mauerfall ist für die Kinder selbst ewig weit weg. Und wir haben versucht, das durch so eine einfache Liebesgeschichte ein bisschen herunter zu brechen und den Kindern bewusst zu machen, dass das, was wir heute erleben dürfen, keine Selbstverständlichkeit ist. Das war vor 30 Jahren noch ganz anders und da eine Wertschätzung zu entwickeln, ist Absicht dieses Stücks." Achim Libischer, Leiter Udo-Lindenberg-Mittelschule Mellrichstadt

Historische Vorlage aus Stasi-Akten

Den Text des Stücks hat Libischer in der insgesamt acht Monate dauernden Probephase gemeinsam mit den Schülern immer weiterentwickelt. "Die haben mich teilweise etwas gerügt und haben gesagt: So spricht doch heute kein Jugendlicher", so Libischer mit einem Lächeln. Als Vorlage diente ihm ein tatsächlicher Fall aus einer Stasi-Akte, den der Autor und Heimatforscher Gerhard Schätzlein in einem Buch über Schicksale aus der Zeit der deutsch-deutschen Teilung zum Thema gemacht hatte. Libischer hat diesen Fall als Inspiration zum nun uraufgeführten Theaterstück aufgegriffen.

Gemeinschaftsprojekt mit Herzblut und Lerneffekt

Die jugendlichen Akteure setzen die in "Unterm selben Stern" erzählte Liebesgeschichte mit viel Leidenschaft und Können um. Fotosequenzen erklären die historische Vorgeschichte der deutschen Teilung, selbst gedrehte Filmszenen entwerfen eine Rahmenhandlung aus der Jetzt-Zeit. Mehrere Spielszenen auf der Bühne der Oskar-Herbig-Halle springen dann in die 1980er. Schulleiter Libischer leitet die einzelnen Szenen durch Erläuterungen ein. Hinzu kommen Livemusik und gekonnte Tanz- und Gesangseinlagen. Immer zu spüren ist das große Engagement aller, die auf, neben und hinter der Bühne beteiligt sind. Und zu spüren ist auch, dass die Arbeit an diesem Gemeinschaftsprojekt bei den Jugendlichen etwas bewirkt hat – zum Beispiel bei dem 16-jährigen Joni Schmidt, dem Darsteller des Uwe:

"Das ist die Botschaft, die ich rüberbringen will: Wie das damals war mit der Grenze, dass das alles nicht so leicht ging. Wir wussten da nicht viel drüber und so viele Gedanken macht man sich da auch normalerweise nicht. Aber das hat sich jetzt geändert, wo wir das Theaterstück gemacht haben. Das nimmt einen jetzt mehr mit, als man vielleicht gedacht hat." Joni Schmidt (16 Jahre), Udo-Lindenberg-Mittelschule Mellrichstadt