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Auch an den Schulen herrscht wegen der sinkenden Infektionszahlen endlich wieder mehr Normalität. Nach den Pfingstferien hat in den meisten bayerischen Landkreisen der reguläre Schulunterricht im Klassenzimmer begonnen.

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Schulstart nach Pfingsten: Freude übers Wiedersehen

Die Rückkehr in den Präsenzunterricht in Bayern ist an den meisten Schulen geglückt. Bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 50 konnten die Schülerinnen und Schüler nach den Pfingstferien mit Coronatest und Maske wieder vollzählig ins Klassenzimmer.

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Von
  • Monika Haas

Für die meisten Schülerinnen und Schüler hieß es am ersten Schultag nach den Pfingstferien früh aufstehen. Pünktlich um acht Uhr ist zum ersten Mal wieder der Präsenzunterricht gestartet, nur in Landkreisen mit einer Inzidenz über 50 bleibt es beim Wechselunterricht.

"Die meisten freuen sich, ihre Freunde wiederzusehen in den Klassen, und nicht wie bisher getrennt zu sein", schildert die 17-jährige Johanna das Gefühl auf dem Schulhof am Münchner Karls-Gymnasium und Jonathan, ebenfalls in der Q11, ergänzt: "Ja, da ist jetzt wieder was los auf den Gängen, hoffentlich geht das jetzt so weiter in den nächsten Wochen."

Unterricht für die komplette Klasse in allen Jahrgangsstufen und Schularten soll nach den Plänen des Kultusministeriums möglich bleiben, sofern die regionale Inzidenz nicht den Wert 165 überschreitet.

Langersehnter Schritt in die Normalität

Das Öffnen der Schultore für ihre gesamte Schülerschaft war ein besonderer Moment, auf den sich die Schulleiter seit letzter Woche gut vorbereitet haben. Walter Baier vom Verband der Gymnasialdirektoren beschreibt das Gefühl von heute morgen: "Wir haben uns richtig gefreut, alle unsere Klassen endlich wiederzusehen, manche habe ich gar nicht mehr erkannt – aber alle unsere Schüler wirkten glücklich und hatten viel zu erzählen."

Hygieneregeln, Maskenpflicht ab Jahrgangsstufe 5 und die Tatsache, dass inzwischen viele Lehrkräfte mindestens einmal geimpft sind, sollen vor einer Ansteckungsgefahr schützen. Zustimmung findet deshalb auch die neue Maskenbefreiung im Schulsport und beim Schwimmunterricht.

Mehr Platz und Tests für alle im Klassenraum

Bei niedriger Inzidenz unter 50 muss ab heute kein Mindestabstand im Klassenzimmer eingehalten werden, deshalb ist der Unterricht vollzähliger Klassen wieder möglich. Schon in den Pfingstferien hatten die Sekretariate der Schulen vorsorglich die Corona-Testkits für alle Klassen zusammengestellt, allein in Bruckmühl für rund 800 Schülerinnen und Schüler. Unabhängig von der regionalen Inzidenz wird in ganz Bayern weiter getestet. Kultusminister Michael Piazolo (FW) will damit verhindern, dass sich an einer Schule womöglich ein neuer Corona-Hotspot entwickelt, denn die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen seien noch immer erhöht, so das Kultusministerium.

Auch wenn Schnelltests in der ersten Stunde inzwischen vielerorts Routine geworden sind – am ersten Schultag nach den Pfingstferien dauerte es doch oft länger, bis der Unterricht tatsächlich starten konnte.

Der Zeitaufwand könnte ab Mittwoch, 09.06. zum Normalfall werden, denn dann sollen Lehrer auf Wunsch der Eltern für ein negatives Corona-Testergebnis eine extra Bestätigung ausstellen, die auch außerhalb der Schule verwendet werden kann. Eine zusätzliche unterrichtsferne Aufgabe für Lehrkräfte, die auch Kritik hervorruft: So sinnvoll die Idee einer allgemeingültigen Bescheinigung sei, diese Regelung werde zusätzlich Unterrichtszeit in den ersten Schulstunden blockieren, fürchten Pädagogen und Schulleiter.

Wissensstand und Verbesserungschancen

Mit Spannung erwarten Schülerinnen und Schüler die in den nächsten Wochen bayernweit angekündigten individuellen Lernstandserhebungen. Solche unbenoteten Tests sollen ihnen und ihren Lehrkräften einen Überblick über den individuellen Wissensstand geben, und dabei helfen, besonderen Förderbedarf zu identifizieren.

Michael Braun, Schulleiter der Grund- und Mittelschule in Wartenberg gibt Entwarnung, es werde da keine böse Überraschung geben: "Wir Lehrkräfte wissen ja, wo wir in den letzten Monaten Abstriche gemacht haben und wir kennen unsere Schüler, die haben wir ja nicht aus den Augen verloren – trotz Distanzunterricht."

Für ihn ist wichtiger, dass auf der Grundlage der Mitarbeit und mündlichen Noten in den nächsten Wochen individuelle Gespräche stattfinden können, wenn die Versetzung aufgrund fehlender Leistungen gefährdet sein sollte.

Rückkehr ins Schulleben statt Notendruck

Bis auf die Abiturienten und Abschlussklassen an den Realschulen und Förderschulen, die noch Prüfungen haben, sind die ersten Schultage nach Pfingsten zum "Wiedereingewöhnen" da. Das Nachlernen von ausgefallenem Unterrichtsstoff wird die Klassen noch das nächste Schuljahr begleiten, so die Einschätzung von Monika Faltermeier, vom Jungen Lehrerinnen- und Lehrerverband, die an der Mittelschule Wartenberg eine 6. Klasse unterrichtet:

"Jetzt sollen alle erst einmal ankommen, weil Schule ist mehr als nur Lernen, es geht auch darum soziale Kompetenz wieder aufzubauen und ihre Gemeinschaft zu erleben."

An den Schulalltag mit frühem Unterrichtsbeginn, sechs Fachstunden und Hausaufgaben müssen sich die Schülerinnen und Schüler nach dem langen Distanzunterricht erst wieder gewöhnen. Die letzten Wochen im Schuljahr sollen die Klassen schrittweise auf einen gemeinsamen Wissensstand bringen. Verschobene Praktika sollen nach Möglichkeit nachgeholt werden, auch Exkursionen sind wieder denkbar. Schulfahrten werden aber wohl nicht mehr stattfinden vor der Zeugnisvergabe.

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