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Bildrechte: Armin Weigel/dpa

Nach den Ferien ging heute in Bayern die Schule wieder los - allerdings wieder einmal zu Hause. Der Präsenzunterricht ist zunächst bis Ende Januar abgesagt. Statt im Klassenzimmer müssen die Schüler mit digitalen Hilfsmitteln daheim lernen.

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Schulstart: Mebis läuft besser - Zeitweise wieder Probleme

Beim Start des Distanzunterrichts in Bayern hat die Lernplattform Mebis zunächst ohne größere Probleme funktioniert. Gegen 13.30 Uhr gab es dann einen vorübergehenden Ausfall. Kultusminister Piazolo bleibt derweil weiter in der Kritik.

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Von
  • Petr Jerabek

Freudige Nachrichten von bayerischen Eltern, Lehrern und Schülern heute Morgen auf Twitter: "Mebis läuft einwandfrei", "aktuell geht Mebis", "bei uns funktioniert es super." Nachdem die bayerische Lernplattform Mebis in den vergangenen Wochen wegen Überlastung mehrfach ausgefallen war, gab es in den sozialen Netzwerk zum Start des Distanzunterrichts nach den dreiwöchigen Weihnachtsferien überwiegend positive Rückmeldungen. Auch nach Angaben des bayerischem Kultusministeriums hat Mebis mit dem Beginn des Distanzunterrichts funktioniert.

Allerdings hatte das Ministerium die bayerischen Schulen schon vergangene Woche in einem Schreiben dazu aufgefordert, die Lernplattform am ersten Tag nach den Ferien "nur sehr zurückhaltend zu nutzen", um Spitzenlasten zu vermeiden. "In den nachfolgenden drei bis vier Tagen kann der Einsatz von Mebis dann sukzessive gesteigert werden", hieß es in dem Schreiben weiter.

Piazolo unter Druck

Probleme mit der Lernplattform Mebis gab es seit dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr. Versuchten sich zu viele Nutzer anzumelden, brach Mebis immer wieder zusammen. Kultusminister Michale Piazolo (Freie Wähler) geriet daraufhin unter Druck, auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte öffentlich seinen Unmut.

Auf einer Pressekonferenz kündigte Piazolo am Donnerstag an, es werde unterschiedliche Slots für die Schulen geben, um die Nutzung zu entzerren. Auch sollten Plattformen und Tools anderer Anbieter für den Distanzunterricht genutzt werden. Schüler sollten sich dem Minister zufolge nur dann auf Mebis einloggen, wenn ihnen ihre Lehrer vorher mitgeteilt haben, dass sie neue Inhalte eingestellt haben.

Grünen-Politiker: "Keine dauerhafte Lösung"

Nach Meinung des Grünen-Landtagsabgeordneten Maximilian Deisenhofer besteht vor diesem Hintergrund kein Grund zum Jubeln über den Start des Distanzunterrichts. Es könne doch keine dauerhafte Lösung sein, wenn das Ministerium sage, mal solle Mebis bitte nicht nutzen. "Ich fände es gut, wenn es dauerhaft stabil läuft."

Der bayerische FDP-Fraktion beklagte, die staatliche digitale Lernplattform habe nur "mit Hilfe des ministeriellen Bettelbriefs" einigermaßen stabilisiert werden können. "Dafür bekamen anderen Kommunikations-Tools - wie etwa Schulmanager Online - zeitweise erhebliche Probleme." FDP-Bildungsexperte Matthias Fischbach forderte, die Staatsregierung müsse "jetzt in der von der Opposition eingeforderten Landtagssondersitzung des Bildungsausschusses ausführlich Rede und Antwort stehen und der Schulfamilie endlich eine ehrliche Bestandsaufnahme sämtlicher ungelöster Probleme liefern". Schüler, Lehrer und Eltern verdienten eine klare Perspektive, unter welchen Bedingungen das Schuljahr weitergehe.

Aiwanger lobt - und mahnt

Der bayerische Wirtschaftsminister und Parteichef Piazolos, Hubert Aiwanger, lobte am Mittag auf Twitter, der Start des Distanzunterrichts für 1,7 Millionen Kinder in Bayern habe gut funktioniert. Trotz "mehrerer hunderttausend Zugriffe" laufe Mebis störungsfrei. "Bleibt hoffentlich die nächsten Tage so." Der Freie-Wähler-Chef fügte allerdings auch eine Forderung hinzu: "Trotzdem: Systeme weiterentwickeln!"

Klagen über Probleme

Neben den insgesamt positiven Rückmeldungen gab es allerdings auch heute auf Twitter mehrere Klagen von Nutzern, dass die Lernplattform nicht laufe. "Nicht nur ich habe Probleme bei Mebis", twitterte beispielsweise ein Lehrer. "Einige Kollegen und SuS (Schülerinnen und Schüler) berichten ebenfalls davon." Mehreren Nutzern, die über Probleme klagten, antwortete das Mebis-Team mit der Aufforderung, sich an den Support zu wenden: "Dann helfen wir gerne weiter!"

Am Mittag fiel Mebis dann vorübergehend offenbar aus. Beim Versuch, die Lernplattform aufzurufen, kam bei vielen Nutzern rund eine halbe Stunde lang eine Fehlermeldung.

Andere User berichteten wiederum, sie hätten bewusst andere Plattformen kommerzieller Anbieter verwendet und dann dort Probleme gehabt. "Distanzlernen 2021 - Tag1: Mebis gemieden, auf SchulCloud gesetzt", schrieb ein Lehrer. Den ganzen Vormittag über habe er wegen einer Störung keinen Kontakt zu den Schülern gehabt. "Erkenntnis: Egal, wie man's macht, es ist verkehrt." Ein anderer User schreib: "Da funktionierte Mebis einmal (...), aber Gott sei Dank hat sich unsere Schule davor noch schnell entschieden, eine andere Plattform zu verwenden, die seit 8 Uhr Fehlermeldungen schickt."

Ministeriums: 468.000 erfolgreiche Logins registriert

Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums wurden auf der Lernplattform Mebis heute bis 16 Uhr 468.000 erfolgreiche Logins registriert. Nach "dem regulären Unterrichtsschluss an den meisten Schularten" sei es kurz nach halb zwei zu Verbindungsstörungen gekommen. Diese seien aber sofort identifiziert und innerhalb weniger Minuten behoben worden, betonte das Ministerium und fügte hinzu: "Aktuell läuft das System wieder störungsfrei."

SPD fordert schnelle Rückkehr zum Wechselunterricht

Die SPD-Bildungsexpertinnen Simone Strohmayr und Margit Wild wandten sich derweil mit einem "Brandbrief" an den Kultusminister und forderten eine möglichst schnelle Rückkehr zum Wechselunterricht an Bayerns Schulen und einen kindgerechten Zugang zu digitalen Inhalten in der Primärstufe. Pädagogische Aufgaben dürften nicht an die Eltern delegiert werden.

"Gerade für die Kleinsten ist es nicht möglich, den Distanzunterricht ohne die Hilfe der Eltern zu bewältigen", betonte Strohmayr. Wild warnte: "Hier werden Kinder, deren Familien nicht unterstützen können, einfach abgehängt." Die SPD-Politikerinnen forderten von Piazolo einen einheitlichen Plan für die Umsetzung digitaler Unterrichtsinhalte.

Piazolo zeigt sich besorgt

Laut Piazolo lässt sich im Moment noch nicht absehen, wann Präsenzunterricht wieder möglich sein wird. Für eine Rückkehr von Kindern und Jugendlichen an die Schulen müssten die Corona-Zahlen deutlich zurückgehen, sagte der Minister am Morgen im B5-Interview. Zugleich betonte er aber, dass das Lernen zu Hause den Präsenzunterricht keinesfalls ersetzen könne.

Piazolo zeigte sich in diesem Zusammenhang besorgt: Auch wenn die Schulen versuchten, den Distanzunterrricht so gut wie möglich zu gestalten, habe er die Sorge, "dass wir nicht jeden erreichen". In diesem Zusammenhang könnten auch Telefonanrufe ein wichtige Rolle in der Zeit des Distanzunterrichts spielen: Denn am wichtigsten sei es, Kontakt zu halten - "und da kann auch mal das Telefon ein Mittel sein".

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