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Beschlossen ist noch nichts - aber Schüler, Eltern und Lehrer müssen sich wegen Corona wieder auf einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht einstellen. Sind die Schulen in Bayern jetzt besser auf Homeschooling vorbereitet als im Frühjahr?

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Homeschooling rückt näher: Wie gut ist Bayern vorbereitet?

Beschlossen ist noch nichts - aber Schüler, Eltern und Lehrer müssen sich wegen Corona wieder auf einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht einstellen. Sind die Schulen in Bayern jetzt besser auf Homeschooling vorbereitet als im Frühjahr?

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Von
  • Astrid Halder
  • Martin Plank

Nächste Woche soll die Entscheidung fallen: Müssen an den Schulen in Bayern härtere Maßnahmen getroffen werden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen? Sind diese wirklich notwendig oder kommen weitere Schritte gar schon zu spät? Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Und vor allem: Sollte es zu geteilten Klassen und Homeschooling kommen, läuft es dann besser als im ersten Lockdown?

Corona: BLLV setzt auf Sicherheit

Für den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband ist klar: Sinnvoll ist alles, was die Gesundheit der Kinder, der Gesellschaft und der Lehrer in den Schulen aufrecht erhält, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im BR-Interview. Das bedeute, dass man Alternativen zum normalen Unterricht finden müsse, sobald die Inzidenzwerte so hoch seien, dass es in vollen Klassenzimmern keine Sicherheit mehr gibt.

"Unser Credo war immer: Solange Unterricht live wie möglich. Wenn die Inzidenzen es nicht zulassen: Schule, Klasse zu!" BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Nötig seien klare politische Vorgaben, die sich am Gesundheitsschutz orientierten.

Deutscher Lehrerverband hat mehr erwartet

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, im BR-Interview. Er forderte klare Richtwerte, ab wann an den Schulen Hygienemaßnahmen verschärft werden müssen. Es führe kein Weg daran vorbei, "dass wir an vielen Schulen in Deutschland wieder die Abstandsregelungen einführen und sicherstellen müssen, dass Kinder bei dieser Infektionslage nicht eng an eng im Klassenzimmer sitzen."

Enttäuscht äußerte sich Meidinger darüber, dass beim Bund-Länder-Gipfel die Entscheidung über Einschränkungen an den Schulen vertagt wurde.

Elternverband regt Alternativen zu Wechselunterricht an

Der Bayerische Elternverband begrüßt alle Maßnahmen, die die Zahl der Kinder in den Klassen reduziert, um die Abstandsregeln wieder einhalten zu können und so das Infektionsrisiko zu minimieren. Zugleich plädierte der Landesvorsitzende des BEV, Martin Löwe, dafür, Alternativen zum Wechselunterricht ins Auge zu fassen und die Wünsche der Eltern stärker zu berücksichtigen.

Damit wäre es etwa möglich, feste Schüler-Gruppen zu bilden – eine Gruppe solle immer zuhause beschult werden und die andere immer im Präsenzunterricht. So könne man darauf reagieren, dass es durchaus auch etliche Eltern gebe, die das Homeschooling ihrer Kinder positiv erlebt hätten, wie eine Umfrage des BEV im Frühjahr ergeben habe. Das Modell, so Löwe im BR-Interview, würde auch die Lehrer entlasten.

Wie gut sind die Schulen auf Homeschooling vorbereitet?

Auf einen neuerlichen Distanzunterricht sieht Elternverbandschef Löwe die Schulen eher schlecht vorbereitet. Zwar seien die Lehrer inzwischen gut geschult und motiviert. Es hapere aber nach wie vor an der technischen Ausstattung. Das Geld für Laptops seit zwar da, es werde aber zu wenig abgerufen oder verteilt, meint Löwe.

Das sieht BLLV-Präsidentin Fleischmann ganz ähnlich: Das nötige Geld sei vorhanden, ebenso die Einsicht, dass es viele benachteiligte Kinder gebe, denen geholfen werden müsse. Allerdings gingen die verschiedenen Sachaufwandsträger ganz unterschiedlich vor.

"Fest steht: Der Mythos der Gleichheit, der Vergleichbarkeit in Bayern ist weg." BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Probleme der Bürokratie

Je nach Schulart sind die Landkreise oder die Kommunen für die Finanzierung zuständig. Der Bayerische Landkreistag verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es Vergabe- und Ausschreibungsrichtlinien gebe, die Zeit kosten und man verpflichtet sei, "vergabe- und förderrechtliche Bestimmungen und Fristen konsequent einzuhalten."

Das bekommen Schüler und Lehrer in der Praxis zu spüren, wie zum Beispiel Peter Popp, Schulleiter des Franz Marc-Gymnasium in Markt Schwaben. Wie er dem BR schildert, ist in seinem Fall der Landkreis Ebersberg für die Anschaffung der Leihgeräte für Schüler zuständig. Dieser habe angekündigt, dass die Geräte ausgeschrieben seien, aber nicht vor 2021 kommen würden. Benötigt würden 400 Geräte, man würde aber maximal 100 Geräte vom Landratsamt bekommen.

"Wir sind didaktische gut vorbereitet, jetzt viel besser als im März, aber erst am Anfang vernünftiger digitaler Ausstattung." Peter Popp, Schulleiter des Franz Marc-Gymnasium Markt Schwaben

Alle Beteiligten verweisen mit Blick auf neue mögliche Schulschließungen auf ein Problem, das noch gelöst werden müsse: Wie sollen vor allem die jüngeren Kinder betreut werden? Viele Eltern können keinen Urlaub mehr beantragen und die Zahl der Notbetreuungsplätze wird wieder recht begrenzt sein.

Kultusministerium sieht Schulen auf gutem Weg

Das Kultusministerium erklärte auf Anfrage von BR24, Ziel sei es, den Präsenzunterricht an den Schulen aufrechtzuerhalten - vor allem mithilfe des umfassenden Rahmenhygieneplans. Außerdem sei Kultusminister Michael Piazolo in einem "engem und kontinuierlichen Dialog mit allen Verbänden der Schulfamilie."

Zum Vorwurf, es gebe zu wenige Laptops, hieß es, zuständig für Beschaffung von Endgeräten seien die kommunalen Schulaufwandsträger. Die Mittel stelle der Freistaat bereit.

Mit dem Förderprogramm "Sonderbudget Leihgeräte" konnte laut Ministerium die Zahl der mobilen Schülerleihgeräte um 150 Prozent auf 125.000 Geräte gesteigert werden. Das Fördervolumen liege bei 108 Millionen Euro. 97,5 Prozent der Mittel seien bereits bewilligt, so dass der Leihgerätepool möglichst schnell auf 250.000 Geräte gesteigert werden könne.

Weiter schreibt das Ministerium: "Guter Distanzunterricht muss nicht zwingend auf Basis von Videokonferenzen stattfinden. An vielen Schulen wird eine didaktisch sinnvolle und altersgerechte Mischung an digitalen und analogen Lehr-/Lernmethoden und Werkzeugen angeboten."

Söder gibt sich zurückhaltend

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Schüler, Eltern und Lehrer im Freistaat auf Klassenteilungen und Wechselunterricht zumindest in einigen Klassenstufen eingestimmt. Nach seinen Worten müsse man jetzt genau prüfen, in welchen Jahrgängen es ein besonders hohes Infektionsgeschehen gebe und wie man den Schulalltag möglicherweise mit einem Wechselunterricht für bestimmte Klassen gewährleisten könne.

"Ich bin der festen Überzeugung: Schulen sollen offen bleiben, aber nicht auf Biegen und Brechen." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war von möglichen Schulschließungen die Rede. In der politischen Diskussion geht es derzeit jedoch vor allem um geteilte Klassen und damit um einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Wir haben die entsprechenden Passagen geändert.

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