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Lockdown gefährdet Jugendliche

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Schulöffnung wird Ausmaß der psychischen Probleme zeigen

Im Lockdown soll laut Studien ein Drittel der Kinder und Jugendlichen psychische Probleme entwickelt haben. Das Ausmaß wird sich zeigen, wenn nun alle wieder zur Schule kommen. In Nürnberg klärt ein Theater-Video über Depressionen auf.

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Von
  • Ulrike Lefherz

Wenn ein Jugendlicher sein Zimmer nicht mehr verlassen und seinen Geburtstag alleine feiern will, sollten Eltern normalerweise hellhörig werden. Dies können Hinweise auf eine beginnende Depression sein. Im Lockdown waren aber alle zu genau diesem Verhalten verdonnert. "Es wird jetzt schwerer, herauszufinden, wer unter eine Depression leidet oder wer sich einfach nur an die Regeln gehalten hat", sagt Inga Neubauer vom Nürnberger Institut für Pädagogik und Schulpsychologie.

Wegen Lockdowns: Ein Drittel hat psychische Probleme

Studien zufolge seien ein Drittel der Kinder und Jugendlichen von psychischen oder psychosomatischen Problemen betroffen, sagt Neubauer. "Das ist in einer Schulklasse ganz schön viel", fügt die Schulpsychologin hinzu. Wenn jetzt der Präsenzunterricht wieder beginnt, sei es an den Lehrern, genau hinzusehen. "Wir rechnen mit einer steigenden Anzahl von Schülerinnen und Schülern mit Unterstützungsbedarf".

Aufklärung per Theater-Video –"Icebreaker"

Das Nürnberger Gesundheitsamt und die AOK fördern das Theaterprojekt "Icebreaker", das über Depressionen aufklärt. Wegen der Corona-Bedingungen hat Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak das Stück während der Pfingstferien im Nürnberger Labenwolf-Gymnasium als Video aufgezeichnet. Sechs Schülerinnen haben dies innerhalb einer Projektwoche realisiert. Das Video wird allen Schulen für den Unterricht zur Verfügung gestellt.

Pubertäre Stimmungsschwankungen oder Depression?

Das Stück zeigt parallele Leben zweier Jugendlicher. Beide kommen morgens nicht aus dem Bett, beide haben Probleme mit den Eltern, beide haben Schulstress. Doch wo handelt es sich bei mieser Laune und Appetitlosigkeit einfach um pubertäre Stimmungsschwankungen? Und wo beginnt eine Depression, bei der eine Behandlung beim Therapeuten helfen kann, wieder ins Leben zurückzufinden?

Bei Depression: keine Gefühle mehr spürbar

Schülerin Ellora aus der achten Klasse erklärt es so: "In der Pubertät hat man Stimmungsschwankungen, also große Freude, große Trauer, große Wut. Bei einer Depression ist man taub. Man spürt nichts." Sie beschreibt es als eine Abwesenheit von Gefühlen. Wenn dann im wochenlangen Rückzug die Gedanken um den Tod zu kreisen beginnen, wird es gefährlich. Hier sollte spätestens Hilfe geholt werden. Die Zahl der Depressionen könnte sich während der Pandemie verdoppelt haben, sagt Schulpsychologin Inga Neubauer. Der Schulleiter des Labenwolf-Gymnasiums, Harald Behnisch, merkt, dass manche Schüler nicht mehr am Distanzunterricht teilnehmen: "Es gibt Schüler, die wir verlieren." In der Schule würden Lehrer schneller merken, wenn mit einem Kind etwas nicht stimme. Aus der Ferne sei dies deutlich schwieriger, so Behnisch.

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Pandemie, Lockdown, möglicherweise Quarantäne: Corona ist für Jugendliche besonders hart. Ein Theaterprojekt in Nürnberg nähert sich nun dem Thema Depressionen und wie sie erkannt werden können.

Auch Ängste haben zugenommen

Neben Angst vor der Zukunft hätten viele Schülerinnen und Schüler auch Angst, ausgelacht zu werden - oder den schulischen Anforderungen nicht zu genügen. "Schülerinnen und Schüler mit größeren Ängsten hatten ein Jahr lang keine Übung, diese zu überwinden", sagt sie. Sie empfiehlt den Schulen, erst langsam mit Klausuren und Proben wieder anzufangen. Somit sinke die Angst und der Leistungsdruck der Schülerinnen und Schüler vor den vielen Prüfungen, die nachgeholt werden müssen.

Psychiater rät zur Nachsicht

Um Verständnis für die schwierige Situation der Eltern wirbt der Oberarzt der Kinder-und Jugendpsychiatrie im Nürnberger Klinikum. "Eltern sind durch die Pandemie auch doppelt und dreifach belastet", sagt Patrick Nonell. Seine Empfehlung für Kinder und Eltern ist, miteinander nachsichtig zu sein. Es sei wichtig, Verständnis für die Situation des jeweils anderen zu haben.

Zur Schule gehen bedeutet Routine

Fast ein halbes Jahr lang konnten viele Schülerinnen und Schüler morgens länger im Bett bleiben und von zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Wenn jetzt der Präsenzunterricht wieder beginne, sei das auch eine Chance für die psychische Gesundheit, sagt Schulpsychologin Neubauer. Es sei nötig, morgens wieder aufzustehen, zu duschen, aus dem Haus zu gehen. Die Routinen würde für mehr Stabilität sorgen und eine Gesundung ermöglichen, so Neubauer.

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