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Schuljahresbeginn: Kultusminister sieht keinen Lehrermangel | BR24

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Nach den Sommerferien geht ab Dienstag für mehr als 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Bayern wieder die Schule los. Lehrerverbände warnen, die Personaldecke sei extrem dünn - Kultusminister Piazolo sieht aber keinen Lehrermangel.

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Schuljahresbeginn: Kultusminister sieht keinen Lehrermangel

Nach den Sommerferien geht ab Dienstag für mehr als 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Bayern wieder die Schule los. Lehrerverbände und Opposition warnen, die Personaldecke sei zu dünn. Kultusminister Piazolo hingegen sieht keinen Lehrermangel.

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"Es wird vor jeder Klasse ein Lehrer stehen", sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zum Beginn des Schuljahres. Er widerspricht damit der Darstellung, es gebe an den bayerischen Schulen einen akuten Personalmangel: "Da entsteht ein falscher Eindruck", meint Piazolo.

Neu geschaffene Stellen wurden besetzt

Zum neuen Schuljahr werden in Bayern 5.200 neue Lehrer eingestellt, 1.000 Stellen wurden komplett neu geschaffen und sind unbefristet. Nach Aussage von Minister Piazolo konnten sie auch alle besetzt werden, trotz einiger Schwierigkeiten:

"Es ist nicht leicht, weil es natürlich auch den ein oder anderen Lehrer gibt, der dann kurzfristig nochmal absagt aus den ein oder anderen Gründen, und dann muss man nochmal nachbessern." Michael Piazolo (FW), bayerischer Kultusminister

Den Grünen fehlt ein Personal-Puffer

Genau das wird nach Ansicht der bayerischen Grünen immer schwieriger. Nach einer Berechnung der Partei werden in einigen Jahren an den Grund- und Mittelschulen jährlich jeweils mehr als 2.000 Lehrer fehlen. Und auch jetzt sieht die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Anna Toman, schon Lücken.

"Am Schuljahresanfang passt die Rechnung ja immer. Wir haben auf dem Papier mobile Reserven, die aber dann nach wenigen Wochen schon verplant sind und damit habe ich aber überhaupt keinen Puffer mehr für Vertretungen, für Schwangerschaftsvertretungen, für längerfristige Ausfälle an den Schulen." Anna Toman, Die Grünen

Lehrerverband fordert einheitliche Besoldung

Deswegen kritisieren sowohl die Grünen als auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Neueinstellungen als nicht ausreichend. Ein Grundproblem sei dabei eben, dass es seit Jahren zu wenige Grund- und Mittelschullehrer in Bayern gibt. Aktuell kann die Lücke zwar noch geschlossen werden, indem Gymnasial- und Realschullehrer umgeschult werden. Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, fordert jedoch weitere Maßnahmen, um den Beruf attraktiver zu machen:

"Die Arbeitsbedingungen vor Ort müssen eben nicht so sein, dass nur ein Lehrer vor der Klasse steht, sondern dass wir auch mal zwei Lehrer haben. Und wir müssen auch nachdenken über eine gleichwertige Besoldung von Grund- und Mittelschullehrern." Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin

Tatsächlich verdienen Lehrkräfte an Gymnasien oder Realschulen besser als ihre Kollegen an Grund- und Mittelschulen. Das zu ändern sei finanziell in der Koalition aber nicht umsetzbar, sagt Kultusminister Piazolo.

Eine Millliarde für die digitale Schule

Für ein anderes Projekt gibt es hingegen Geld: Etwa eine Milliarde Euro soll in die digitale Bildung investiert werden. Davon kommt ein Großteil aus dem Digitalpakt des Bundes, der Rest aus dem Landeshaushalt. Damit Tablets und Co auch sinnvoll eingesetzt werden, sollen Lehrer weitergebildet werden.

Umweltbildung als großes Thema

Auch in einem anderen Bereich plant das Kultusministerium mehr Fortbildungen für Lehrer: Das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit soll künftig eine größere Rolle im Unterricht spielen, so der Kultusminister, man wolle hier "auch die außerschulischen Maßnahmen ausbauen, da heißt Besuch von Umweltstationen, aber auch Bauernhöfen, Waldspaziergänge und vieles mehr".

Beim neuen Schwerpunkt Umweltbildung zeigen sich die Grünen skeptisch – die schulpolitische Sprecherin Toman sieht die neue Akzentsetzung den Protesten von Fridays for Future geschuldet. Bisherige Vorhaben auf diesem Gebiet sind ihrer Meinung nach aber noch gar nicht umgesetzt worden.

"Wir wissen ja, das hat auch eine Anfrage von uns ergeben, dass jede Schule einen Umweltbeauftragten haben sollte. Aber das Kultusministerium weiß nicht mal, ob jede Schule wirklich einen hat oder ob es ein Team gibt." Anna Toman, Die Grünen

"Geld gibt es in Bayern, Lehrer eher nicht"

Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband sieht gesellschaftspolitische Themen wie Nachhaltigkeit im Unterricht positiv – allerdings bedeuten solche Initiativen ihrer Meinung nach auch, dass Lehrer immer mehr Aufgaben haben:

"Die Lehrerinnen und Lehrer die jetzt ins Schuljahr 19/20 starten, die brauchen wir zu 100 Prozent, die dürfen nicht krank werden. Und wenn Bedingungen krank machend sind, müssen wir alles dafür tun, die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Geld gibt es ja wohl in Bayern, Lehrer wohl eher nicht." Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin
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Für 1,6 Millionen Mädchen und Buben in Bayern beginnt am nächsten Dienstag das neue Schuljahr - unter ihnen 115.000 Erstklässler. Um dem oft beklagten Lehrermangel zu begegnen, wurden 1.000 neue Stellen geschaffen.