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Schulhund Charlie in seiner Klasse in der Mittelschule Bad Brückenau.

Bildrechte: BR/Christiane Scherm
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Schulhund Charlie: Von der Rennbahn nach Bad Brückenau

Hunde im Klassenzimmer gibt es inzwischen in vielen Schulen in Unterfranken. Doch den wohl außergewöhnlichsten Schulhund hat die Mittelschule in Bad Brückenau: einen Windhund, den der Tierschutz von der Rennbahn in Irland gerettet hat.

Von
Christiane SchermChristiane Scherm
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Mit Geodreieck und Bleistift bewaffnet sitzen die Schülerinnen und Schüler an ihren Plätzen. In der siebten Klasse der Mittelschule Bad Brückenau im Landkreis Bad Kissingen steht Geometrie auf dem Stundenplan. Während Lehrer Alex Kociper erklärt, wie man ein Prisma zeichnet, spaziert Schulhund Charlie gemütlich durchs Klassenzimmer.

Erst holt er sich bei einem Schüler in der ersten Reihe seine Streicheleinheiten ab, dann sucht er im Rucksack einer Schülerin nach etwas Essbarem.

Schulhund in Bad Brückenau ist ein Greyhound

Der Schulhund ist ein sogenannter Greyhound – der schnellste Windhund, den es gibt. Bei Sprints erreicht die Rasse bis zu 80 Stundenkilometer. Charlie ist etwa 70 Zentimeter groß, hat kurzes dunkelbraunes Fell, den für Windhunde typischen dünnen Körper und eine extrem lange Nase.

Charlie gehört für die Schüler zur Klasse

Für die Kids gehört Charlie ganz selbstverständlich dazu. "Ich finde es ganz besonders, dass wir einen Schulhund haben. Nicht jede Klasse hat ein Haustier", so eine Schülerin. "Charlie beruhigt uns, wenn wir Proben schreiben und motiviert uns insgesamt, leiser zu sein. Wir wollen den Hund ja nicht stören", berichtet einer der Siebtklässler.

Schüler lernen Umgang mit Hund und übernehmen Verantwortung

Wenn Charlie zum Beispiel in sein Körbchen geht, heißt das: Er will kurz seine Ruhe. So lernen die Jugendlichen auch den Umgang mit dem Hund und müssen Verantwortung übernehmen. Befehle geben darf nur das Herrchen, Streicheln ist nur erlaubt, wenn Charlie von sich aus zu den Schülern kommt. Zum Schuljahresbeginn hat Klassleiter Alex Kociper ein paar Regeln aufgestellt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass man sich nicht von oben zum Hund runterbeugen sollte. Davon könnte er sich bedroht fühlen.

Jeden Tag gibt es einen Charlie-Dienst in der Ganztages-Klasse. Der- oder diejenige ist dann für den Hund verantwortlich: Körbchen holen, Wassernapf füllen und Geschirr oder Jacke für den Spaziergang anziehen.

Auch ein großer Windhund kann Schulhund werden

Die meisten Schulhunde sind typische Familienhunde – Labradore oder Golden Retriever zum Beispiel. Aber kann auch ein riesiger Windhund diese Aufgabe übernehmen? Ja, denn er hat den nötigen Wesenstest mit Bravour bestanden. Und wenn man Charlie persönlich kennenlernt, fällt sowieso jegliche Skepsis weg.

Charlie baut Ängste der Jugendlichen in der Mittelschule ab

"Ich habe eigentlich Angst vor großen Hunden. Aber bei Charlie ist das anders. Er ist so lieb und bellt auch gar nicht", sagt eine Schülerin der siebten Klasse. Deshalb hat Herrchen Alex Kociper seinen Charlie auch zum Schulhund ausgebildet. "Er ist total ruhig und ausgeglichen, aber auch offen gegenüber Menschen. Wenn jemand traurig ist, dann kommt er und versucht, einen zu trösten, so der Lehrer.

Direktor hatte keine Bedenken, Eltern waren neugierig

Direktor Michael Heyne war zuerst überrascht von der Größe des neuen Schulhunds – doch nach dem Kennenlernen hatte er keine Bedenken mehr. "Charlie ist zwar groß, aber ein total netter Kerl und im Wesen ganz ruhig. Deshalb gab es auch keine Probleme mit den Eltern. Sie waren eher neugierig, wieso die Mittelschule nun einen ausgebildeten Schulhund hat", so Heyne. Kinder, die Angst oder Allergien haben, haben keinen Kontakt zu Charlie, betont der Direktor.

Schulhund motiviert Siebtklässler gerade in der Corona-Zeit

Seit einem Jahr ist der Windhund nun im Amt: Er wirkt beruhigend auf die Teenies – aber motiviert sie gleichzeitig auch. "Gerade jetzt in der Corona-Zeit sind die Schüler schulmüde und haben wenig Lust. Wenn sie aber wissen, dass Charlie da ist, kommen sie wieder lieber zum Unterricht", so Kociper.

Tierschützer retten Charlie von der Rennbahn in Irland

Ursprünglich sollte Charlie eigentlich Hunderennen laufen – auf der Rennbahn in Irland. Doch dort wurde er "ausgemustert". Er hat nicht genügend Gewinne erzielt – und das würde eigentlich das Todesurteil für einen Rennhund bedeuten. Doch Tierschützer haben den heute dreijährigen Hund gerettet und an Alex Kociper und seine Frau Karina nach Bad Kissingen vermittelt. Dort ist er jetzt ein Familien-Mitglied und begleitet sein Herrchen einen Tag die Woche zum Unterricht.

Ausruhen nach einem Schultag

"Zuerst war er zwei Tage die Woche dabei – aber das war zu stressig für ihn. Vor allem die Lautstärke strengt ihn an. Nach so einem Schultag gehen wir ausgiebig spazieren und Charlie schnuppert viel", sagt Herrchen Alex. Abends ruht er sich dann daheim auf seinem Hundekissen aus. Anders als erwartet sind Greyhounds nämlich eigentlich faul. "Der Hund geht vielleicht ein bis zwei Stunden spazieren – und den restlichen Tag schläft er. Er tobt oder sprintet gerne, aber ein Marathonläufer wird er nicht", sagt Alex Kociper.

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