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Kultusminister Piazolo hofft auf eine rasche Grundschulöffnung, lässt den Zeitpunkt dafür aber offen.

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Schulgipfel: Präsenzunterricht ab nächster Woche fraglich

Ob die Grundschüler nächste Woche in den Wechselunterricht zurückkehren können, bleibt auch nach dem Bayerischen Schulgipfel in der Staatskanzlei völlig offen. Kultusminister Piazolo will die Hoffnung aber noch nicht aufgeben.

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Von
  • Arne Wilsdorff

Wenn es nächste Woche zu Erleichterungen des Lockdowns kommen sollte, dann dürfen Förder- und Grundschulkinder am ehesten hoffen. Das machte Kultusminister Michael Piazolo nach dem Schulgipfel klar. Ob schon kommenden Montag, oder doch erst frühestens ab Mitte nächster Woche wieder Wechselunterricht stattfinden kann, ist nach den Gesprächen völlig offen. Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo hatten zu einer informellen Videokonferenz mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern geladen.

Piazolo: wenn Präsenzunterricht, dann für Grundschüler

Dabei wurde klar, dass konkrete Entscheidungen zum Präsenzunterricht für Bayern erst nach den Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch (9.2.) zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten fallen. Und zwar im bayerischen Kabinett am Donnerstag und endgültig dann am Freitag im Landtag. Derzeit lernen Bayerns Schüler mehrheitlich zuhause. Nur die Abschlussklassen sind teilweise im Wechselunterricht in den Schulhäusern.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW), zeigte sich nach dem Schulgipfel zufrieden mit dem "konstruktiven Austausch". Allerdings habe man "nicht ganz konkret über die Daten gesprochen, es geht um Öffnung und da schauen wir auf die nächste Woche." Mit Blick darauf, dass erst am Freitag der Landtag möglichen Änderungen zustimmt, müsse man bei der "Umsetzbarkeit realistisch" sein. Möglicherweise brauche man noch Zeit bis zum Mittwoch kommender Woche, so Piazolo.

Piazolo verspricht Masken und Corona-Tests für Lehrer

Piazolo machte aber auch klar, dass er es "gerade bei den Grundschülern für wichtig" hält, "dass alle in absehbarer Zeit wieder in die Schule kommen". Schließlich sei bei den Grundschülern der soziale Kontakt noch wichtiger - und die Eltern seien hier zu Hause noch viel stärker involviert.

Bei allen Entscheidungen stehe der Schutz der Gesundheit von Schülern und Lehrern im Mittelpunkt, sagte Piazolo. Daher werde der Freistaat weiter medizinische Masken für Lehrkräfte bereitstellen. Auch bei den Corona-Tests werde man den Lehrerinnen und Lehrern etwas anbieten. Man sei da aber noch in den letzten Abstimmungen mit dem Gesundheitsministerium, so Piazolo.

BLLV: Schulöffnung nur mit Test-, Hygiene- und Impfkonzept

Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), fordert im BR, dass die Voraussetzung für jede Schulöffnung "optimale Test- und Hygienekonzepte" seien und ein Impfkonzept, das Erzieherinnen und Lehrer dann auch mit Vorrang behandelt. Fleischmann zeigte sich zufrieden, dass sie beim Schulgipfel dem Ministerpräsidenten erst einmal klar machen konnte, "wo die Belastungsgrenzen von Lehrern, Eltern und Kindern" liegen.

Elternverband: Schluss mit Spielchen um Schulausstattung

Martin Löwe, Vorsitzender des Bayerischen Elternverbandes, ist ebenfalls nicht für Wechselunterricht um jeden Preis, fordert aber vom Freistaat, endlich die Schulen optimal für Distanzunterricht, mit schnellem Internet und Laptops auszustatten, und für Wechselunterricht mit Plexiglastrennern und Luftfilteranlagen.

Dabei müssten "dieses Spielchen – die Verantwortung hin und her zu schieben endlich aufhören. Alle - Staat, Kommunen und Schulen - müssten jetzt zusammen anpacken." Komplizierte Ausschreibungsverfahren für Laptops sollte der Staat einfach aussetzen, so Löwe. Denn immer wieder bekomme er zu hören: Der Freistaat habe das Geld längst zur Verfügung gestellt, die Schulen alles beantragt, aber die Kommunen kommen wegen der Bürokratie nicht hinterher Laptops oder Schnelles Internet zu stellen. Der Elternverbandssprecher sieht die Staatsregierung um Markus Söder in der Pflicht, dass "schon wenig Sand im Bürokratie-Getriebe nicht alles bremsen" kann.

Druck steigt: Schülervertreter von Söder "sehr enttäuscht"

Moritz Meusel, Vorsitzender des Landesschülerrates äußert sich im BR "sehr enttäuscht" über den Schulgipfel, da hauptsächlich über den möglichen Präsenzunterricht ab dem 15.2. gesprochen wurde.

Zwar hätten Kultusminister Piazolo und Ministerpräsident Söder "ganz allgemein" ihr Versprechen wiederholt, der Druck auf die Schüler solle gesenkt werden. Konkrete Anweisungen an die Kultusbeamten die Lehrpläne und Prüfungsanforderungen endlich tatsächlich zu "entschlacken" bekamen die Teilnehmer nicht zu hören, so Meusel. Denn, "statt den Druck rauszunehmen wird der Druck täglich größer". Immerhin hätten Söder und Piazolo aber eingesehen, dass bisher das Wenige an den völlig falschen Stellen gekürzt worden sei.

Opposition nennt Schulgipfel "überflüssig und wirkungslos"

Laut Gabriele Triebel, Bildungsexpertin der Landtags-Grünen, wollte Piazolo lediglich die "Wogen bei der Schulfamilie glätten". Ihr fehlt weiterhin eine die Schulöffnung "begleitende Teststrategie" um "der Schulgemeinschaft die notwendige Sicherheit" zu geben.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Matthias Fischbach findet, man hätte sich "den hochgejazzten Schulgipfel … sparen können". Ministerpräsident Söder habe lediglich "gönnerhaft Mitsprache suggeriert, ohne jedoch ernsthaft auf die Sorgen und Nöte der gestressten Schulfamilie einzugehen".

Die stellvertetende Fraktionsvorsitzende der Landtags-SPD, Margit Wild kritisiert den Schulgipfel als "Placebo" und das Vorgehen der Staatsregierung bei der Organisation des Unterrichts in den Faschingsferien als "unzumutbar". Diese fielen zwar aus, aber das Kultusministerium gebe "keinerlei Orientierung, wie der Unterricht gestaltet werden soll".

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Markus Bayerbach (AfD) zeigte sich ebenfalls vom Schulgipfel enttäuscht. Er fordert: "Schulen auf ohne Wenn und Aber. Notfalls in Gemeindesälen, Sporthallen oder im Wechselunterricht." Statt am Inzidenzwert solle man die Corona-Einschränkungen nur noch an "konkreten Krankheitssymptomen festmachen". Denn Homeschooling bedeute extreme psychische Belastung für Eltern und Kinder mit Langzeitfolgen, so Bayerbach gegenüber dem BR, außerdem gehe die "Bildungsschere" immer weiter auseinander.

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Wechselunterricht bedeutet, dass eine Klasse in zwei Gruppen geteilt wird. Die eine hat eine Woche lang Präsenzunterricht, die andere gleichzeitig eine Woche Homeschooling. Doch nicht bei allen Schülern stößt das Prinzip auf Zustimmung.

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