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BR24Live mit Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

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Schulen im Corona-Modus: "Zwei Krisen prallen aufeinander"

Die Sommerferien sind in Sicht, doch auch das kommende Schuljahr ist nicht mehr weit entfernt. Wie wird es angesichts der Corona-Krise weitergehen? BLLV-Präsidentin Fleischmann ist besorgt - denn die Schulen hätten auch mit Lehrermangel zu kämpfen.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Brigitta Drefers

Ihr größter Wunsch ist: Normalität an den Schulen. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- Lehrerverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, hat bei BR24 betont, wie sehr sie hofft, dass ab September wieder möglichst viel Präsenzunterricht stattfinden kann. Allerdings sei das ganz vom Corona-Infektionsgeschehen abhängig und von den Entscheidungen der Staatsregierung diesbezüglich. Trotz aller Schwierigkeiten gibt sie sich optimistisch, dass Lehrer, Schüler und Eltern es gemeinsam durch die Krise schaffen werden.

Fleischmann macht deutlich, wie wichtig es wäre, die Kinder, die in der Coronazeit den Anschluss verloren haben, wieder zurückzuholen. Und zwar nicht nur im Hinblick auf den Unterrichtsstoff: "Ja, wir müssen Wissen wieder reinholen. Aber es gibt mehr als Wissen: Wir müssen erst die Menschen wieder reinholen!"

Gute Digitalisierung bis September nicht machbar

Die hohe Erwartungshaltung an die Digitalisierung der Schulen werde nicht erfüllt werden können, so Fleischmann. Bis September alles zu 100 Prozent bereit zu haben für ein mögliches Homeschooling, das werde nicht funktionieren. Dafür sei in der Vergangenheit zu viel versäumt worden. Man habe zwar viel gelernt, es fehle aber weiterhin an vielem, beispielsweise Endgeräten für alle oder E-Mail-Adressen von staatlicher Seite für die Lehrer.

Zudem gebe es noch keine konkrete Antwort darauf, wie guter digitaler Unterricht aussehen müsse. Fleischmann plädiert dabei für eine Mischung aus Homeschooling und Digitalem in der Schule. Auf die Frage, welches Tool sie für am geeignetsten hält, betont Fleischmann, diese Wahl müsse individuell entschieden werden. "Wir brauchen Eigenverantwortlichkeit der Leherinnen und Lehrer vor Ort." Sie hofft, dass nicht "von oben" entschieden wird, welches Tool man nehmen muss.

Einhaltung von Lehrplänen nicht das Wichtigste

Die Aufgabe der Lehrer sei es, die Lehrpläne umzusetzen, sagte Simone Fleischmann. Aber "Menschen sind wichtiger als Lehrpläne." Es gehe nicht nur darum, "Wissen reinzustopfen". Schulen seien mehr als Wissensvermittler. Fleischmann hält es auch für nötig, die Stundenpläne bzw. Lehrpläne zu überdenken. "Ich glaube, dass nicht alles geht."

Zwei Krisen kommen zusammen: Lehrermangel und Corona

Die Bildungsgerechtigkeit habe durch die Coronakrise gelitten, sagt Fleischmann. "Gewinner" seien die Schüler, deren Eltern ihnen helfen konnten. Die Schere sei hier weiter aufgegangen - nur fördernde Lehrerinnen und Lehrer könnten da helfen.

Gerade, um die Kinder zu unterstützen, die wegen der Coronakrise in Rückstand geraten seien, bräuchte es laut Fleischmann mehr Lehrer, idealerweise zwei pro Klasse. "Da reicht nicht ein Lehrer für 26 Kinder." Auch im Hinblick auf Schüler, die auf Probe vorgerückt sind und sich nun bis Weihnachten "bewähren" können, sei der Lehrermangel ein Riesen-Problem. "Zwei Krisen prallen hier aufeinander."

Hoffnung auf Regelbetrieb ab September

Kultusminister Michael Piazolos Fahrplan für die bayerischen Schulen sieht ab September "ein Szenario A" vor. Das sei der "Regelbetrieb unter besonderen Hygiene-Auflagen". Frei übersetzt heißt das also: Präsenzunterricht für alle Schüler aller Jahrgangsstufen, Montag bis Freitag, ohne Teilung der Klassen. Es gibt jedoch weitere Szenarien.

Szenarien für neues Schuljahr in Bayern

Je nach Entwicklung der Corona-Krise hat der Kultusminister unterschiedliche Szenarien aufgestellt, wie Unterricht nach den Sommerferien ablaufen könnte:

1. Szenario

Zurück zum Regelbetrieb mit Hygiene-Auflagen, ohne Abstand halten und in normaler Klassenstärke. Voraussetzung: Günstige Entwicklung des Infektionsgeschehens.

2. Szenario

Infektionsgeschehen in ganz Bayern steigert sich. Das heißt, weiterhin Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht.

3. Szenario

Bei Corona-Hotspots: Einzelne Schulen oder Klassen werden geschlossen.

4. Szenario

Sollte es in Bayern eine zweite Corona-Welle geben, wäre nur noch Distanzunterricht möglich.

Online-Hilfestellung für Kinder und Jugendliche

"Corona und Du" - dieses Infoportal im Internet soll psychisch stark machen in Zeiten der Corona-Krise. Hier gibt es leicht umsetzbare Tipps, gezielt für junge Leserinnen und Leser: Wie wirkt sich die Corona-Zeit auf uns aus? Was tun gegen Langeweile oder Stress? Wohin kann man sich mit Sorgen und Problemen wenden? Die Webseite wurde von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU-Klinikums München gestartet und ist hier zu finden.

© BR

Kultusminister Michael Piazolo im BR-Interview

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