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Schulen im Corona-Modus: Was ist im Lockdown mit den Noten? | BR24

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Seit kurz vor Weihnachten sind bayerische Schulkinder im Lockdown, Präsenzunterricht findet nicht statt. Das erste Halbjahr neigt sich zu Ende, doch viele Prüfungen sind noch gar nicht geschrieben. Wie kommen die Schüler jetzt zu ihren Noten?

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Schulen im Corona-Modus: Was ist im Lockdown mit den Noten?

Seit kurz vor Weihnachten sind bayerische Schulkinder im Lockdown, Präsenzunterricht findet nicht statt. Das erste Halbjahr neigt sich zu Ende, doch viele Prüfungen sind noch gar nicht geschrieben. Wie kommen die Schüler jetzt zu ihren Noten?

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Von
  • Gabriele Knetsch

Die 16-jährige Klara besucht die 11. Klasse des Klenze-Gymnasiums in München. Seit vielen Wochen hat Klara ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Erst musste der ganze Jahrgang zweimal in die Quarantäne – das hieß: vier Wochen Homeschooling. Jetzt sind die Schüler bis Mitte Februar im Lockdown. Eigentlich zählen bei der Elftklässlerin alle Klausuren für das Abitur – nur konnte Klara in diesem Schuljahr noch nicht allzu viele schreiben: Nach Plan hätten sie vor Weihnachten sechs von zehn schriftliche Arbeiten schaffen müssen - Klara hat aber erst zwei geschrieben.

Kommt nach dem Lockdown ein Schulaufgaben-Marathon?

So lange die Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht lernen, dürfen Lehrerinnen und Lehrer keine schriftlichen Leistungserhebungen machen – nur mündliche Noten per Videoschalte sind erlaubt. So lautet die jüngste Anweisung aus dem Bayerischen Kultusministerium. Klara und ihre Freundinnen machen sich Sorgen, dass es zu einem Schulaufgaben-Marathon kommt, wenn der Lockdown vorbei ist. Denn dann neigt sich das Halbjahr dem Ende zu – und irgendwann müssen die Lehrer ja ihre Noten bekommen!

"Unsere Lehrer haben gesagt, wir machen einen ganz normalen Klausurenplan, lassen uns da Zeit. Kein größerer Stress als sonst. Aber es ist trotzdem total ungewiss, wie wir an unsere Noten kommen und ob das überhaupt fair bewertet ist. Es ist eine undurchsichtige Zeit." Klara Bosch, Schülerin 11. Klasse

Ungleiche Verhältnisse an bayerischen Schulen

Auch das Augsburger Jakob-Fugger-Gymnasium hat schon lange keinen vollen Präsenz-Unterricht mehr erlebt. Die Infektionszahlen sind in der schwäbischen Bezirkshauptstadt hoch. Aus diesem Grund mussten Augsburger Lehrkräfte auch schon vor dem Lockdown, seit Mitte November, wechselweise im Distanz- und im Präsenzunterricht ihre Stunden abhalten. Auch hier sind die Lehrkräfte mit ihren Noten in Verzug.

"Es sind natürlich in dieser Zeit Leistungserhebungen gemacht worden. Es wurden Schulaufgaben geschrieben, zum Teil in geteilten Gruppen. Aber es ist natürlich so, dass jetzt noch kein vollständiges Notenbild da ist. Und in der kurzen Zeit man jetzt auch nicht alle Noten mehr nachholen kann." Angelika Felber, Direktorin, Jakob-Fugger-Gymnasium Augsburg

Die Situation an den bayerischen Schulen ist extrem unterschiedlich. Manche kamen bis kurz vor den Weihnachtsferien vollständige mit Präsenzunterricht durch – andere waren durch hohe Infektionszahlen oder Corona-Fälle zu viel Distanzunterricht gezwungen. Sind die Noten bayernweit überhaupt vergleichbar? Schulleiterin Angelika Felber macht sich vor allem Sorgen um die Noten der Abschlussjahrgänge:

"Also was jetzt hier sehr wichtig ist, dass vor allem die Abschlussklassen nicht benachteiligt werden im Vergleich zu den Schulen in anderen Landkreisen, weil ja dann im Mai alle zusammen die gleiche Abiturprüfung schreiben sollen." Angelika Felber, Direktorin, Jakob-Fugger-Gymnasium Augsburg

Druck herausnehmen

Das Bayerische Kultusministerium will nun Druck herausnehmen. Der Notenschluss des ersten Halbjahres ist an den Schulen nach hinten geschoben worden und auch die Abschlussprüfungen an allen Schularten sind nach hinten gerückt, damit die Lehrkräfte mehr Zeit haben für ihre schriftlichen Prüfungen. Das Ministerium bietet nun in allen Klassenstufen an, eine Schulaufgabe pro Fach zu streichen. Pflicht sind schriftliche Leistungserhebungen ab dem 2. Halbjahr nur noch in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und den Fremdsprachen. In den Nebenfächern können die Jugendlichen sich freiwillig für Schulaufgaben melden. Allerdings – schreibt das Kultusministerium auf Anfrage – wird schon der gesamte Stoff abgefragt – der aus dem Unterricht im Klassenzimmer und der selbst erarbeitete Stoff aus dem Homeschooling.

"Sowohl die im Präsenz- als auch die im Distanzunterricht erarbeiteten Inhalte sind Bestandteile der geltenden Lehrpläne. Wurden sie hinreichend behandelt, können sie damit auch Teil von Leistungserhebungen sind." Pressestelle, Bayerisches Kultusministerium

Unzuverlässige Technik

Aber nicht immer können sich Schülerinnen und Schüler zu Hause ausreichend vorbereiten, beklagen Eltern, Schülerinnen und Schüler. Nicht alle Kinder haben Mikrophone, die Konferenz-Tools Microsoft Teams oder Blue Button streiken immer wieder.

"Wir hatten in der Woche nach den Ferien echt viele technische Probleme. Viele haben gar kein Mikro, mit dem sie was sagen könnten. Dementsprechend sind auch die Beiträge nicht so gut. Das wurde von den Lehrern so kommuniziert, jeder muss dafür sorgen, dass er ein Mikro hat. Das ist, finde ich, unter dem Gesichtspunkt der Chancengerechtigkeit schwierig". Klara Bosch, Schülerin 11. Klasse

An den Universitäten gibt es auch Klausuren per Internet. Doch Angelika Felber kann sich das für das Augsburger Fugger-Gymnasium nicht vorstellen und nimmt lieber den zeitlichen Verzug in Kauf. Denn die Technik funktioniert sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern zu unzuverlässig. Deswegen gibt es an der Fuggerschule auch keine mündlichen Schulaufgaben per Videoschalte, auch wenn diese erlaubt sind. Denn das Lehrpersonal hat die Erfahrung gemacht, dass es zu Übertragungsschwierigkeiten kommen kann, wenn mehrere Schüler – etwa in einer mündlichen Englisch-Klausur – miteinander diskutieren. Für eine gerechte Notengebung ist das problematisch.

Viele Protestbriefe an Michael Piazolo

Viele Eltern befürchten, dass die Schule im Homeschooling den Stoff nicht richtig vermitteln kann. Kultusminister Michael Piazolo hat in den letzten Wochen viele Protestbriefe bekommen. Auch der Elternbeirat an Klaras Schule, dem Klenze-Gymnasium in München, hat sich bei Piazolo beschwert, weil die technischen Pannen Kinder und Eltern frustrieren.

"Lehrer und Schüler brauchen in der jetzigen Situation eine Plattform und ein Conferencing-Tool, das langfristig bereitgestellt wird, um sich ganz auf die Lehre und das Lernen konzentrieren zu können. Machen Sie bitte diese Angelegenheit zur Chef-Sache." Elternbeirat, Klenze-Gymnasium München

Aus Sicht des Kultusministeriums ist diese Forderung allerdings schon erfüllt, denn den weiterführenden Schulen in Bayern wurde flächendeckend das Conferencing-Tool MS Teams angeboten.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte ja auf dem Schulgipfel Ende Juli 2020 eine Bayern-Cloud für die Schulen versprochen. Aber die gibt es bisher nicht. Die Schülerinnen und Schüler befürchten, dass sie zu Leidtragenden werden, weil die Abschlussprüfungen entweder zu schwierig sind – oder zu leicht und damit als "Corona-Abschluss" entwertet sein könnten.

Lehrerinnen und Lehrer machen sich aber auch darüber Sorgen, dass gerade bei jüngeren Kindern die schlechten Noten erst noch kommen werden – wenn sie wieder Schulaufgaben schreiben dürfen.

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