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Vor dem Distanzunterricht: Es fehlt an Laptops und Support | BR24

© pa/dpa/Fotostand/K. Schmitt

Während Homeschooling und die Probleme um die Lernplattform Mebis viele Eltern und Schüler auch in den Ferien beschäftigen, ist man in Ingolstadt fit für den Distanzunterricht: Hier hat jeder ein Endgerät - auch die sozial Schwächeren.

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Vor dem Distanzunterricht: Es fehlt an Laptops und Support

Die Nachricht klingt wie ein kleines Weihnachtswunder: Alle Schüler sind technisch ausgerüstet für den Distanzunterricht. Zumindest in Ingolstadt. Andernorts in Bayern sieht es nicht ganz so glanzvoll aus.

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Von
  • Susanne Pfaller
  • Carola Brand

Sabrina und Antonia blicken optimistisch auf die Zeit nach den Weihnachtsferien mit Distanzunterricht und Wechselunterricht. Die Ingolstädter Realschülerinnen haben seit zwei Monaten einen Laptop, eine Leihgabe ihrer Schule und fühlen sich gut gerüstet.

"Also ich fühle mich sicher. Wir sind alle gewappnet. Das ist sicher ein bisschen schwerer als Präsenzunterricht, aber nicht unmöglich." Sabrina und Antonia, Schülerinnen aus Ingolstadt

Beim ersten Lockdown im Frühjahr sah das noch ganz anders aus. Da kämpfte Sabrina mit ihrem Handy und Antonia mit einem defekten alten Laptop. Neue Geräte konnten sich ihre Eltern nicht so einfach leisten.

Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler

Mittlerweile verfügen alle sozial benachteiligten Schüler in Ingolstadt über ein Endgerät, versichert Schulreferent Gabriel Engert. Die Stadt habe so viele angeschafft, dass gar nicht alle verliehen werden und jetzt in den Schulen im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten, so Engert.

Sabrina und Antonia profitieren vom Digitalpakt Schule. In einem Soforthilfepaket hat das Bundesbildungsministerium im Sommer eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung gestellt. Bayern hat noch einmal kräftig draufgesattelt, um Endgeräte einzukaufen und sie an sozial benachteiligte Schüler zu verleihen.

© BR

Die Nachricht klingt wie ein kleines Weihnachtswunder: Alle Schüler sind technisch ausgerüstet für den Distanzunterricht. Zumindest in Ingolstadt. Andernorts in Bayern sieht es nicht ganz so glanzvoll aus.

Kultusministerium spricht von Erfolg

Für das Kultusministerium eine Erfolgsgeschichte. Schließlich haben 97,5 Prozent der Kommunen die Fördermittel abgerufen. In Ingolstadt sind die Leihgeräte tatsächlich bei den Schülern angekommen. Ähnliches gilt für München, Nürnberg, Regensburg und Augsburg.

Doch das ist nicht überall in Bayern so, weiß Simone Fleischmann, Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Sie sagt, nicht jedes Kind in Bayern, das ein Endgerät braucht, habe bereits eines.

Nicht alle Kinder in Bayern sind mit Laptops versorgt

Gründe dafür gibt es viele. Zum einen reicht das Geld aus dem Fördertopf des Digitalpakts nicht aus, um alle bedürftigen Kinder mit einem Leihgerat auszustatten. Das meldet zum Beispiel die Stadt Nürnberg. Zum anderen können viele Kommunen und Schulen in ganz Deutschland die Wartung der zusätzlichen Geräte nicht stemmen.

Support fehlt: Neue Laptops unausgepackt in Schulen

Ungezählte Geräte liegen deshalb noch unausgepackt herum, berichtet Bildungsexperte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Für Bayern bestätigt das auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: "Wenn die Geräte ausgeliefert sind, sind sie erstmal an der Schule. Wir müssen das Gerät auch in irgendeiner Weise installieren. Wir müssen schauen, welche Software ist da drauf."

Einige Städte leisten sich IT-Teams für Schulen

Sabrina und Antonia in Ingolstadt haben also Glück. Ihre Stadt hilft den Schulen mit einem starken IT-Team. Eine ähnliche IT-Unterstützung leisten auch München, Nürnberg, Regensburg, Passau und Augsburg. Die millionenschweren Kosten für die Wartung der schulischen IT-Geräte müssten die Kommunen derzeit alleine tragen, beklagen sie und fordern Hilfe vom Freistaat. Denn die Wartungskosten wachsen mit der Zahl der Geräte und sind Pandemie-bedingt nach oben geschnellt.

Auch Bildungsexperte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht hier die Länder in der Pflicht. Er spricht von 20.000 zusätzlichen Kräften, die es brauche, um die Schulen im IT-Bereich zu unterstützen.

Freistaat kündigt finanzielle Hilfe an

Das bayerische Kultusministerium betont, dass grundsätzlich die Kommunen für die technische Wartung der schulischen IT zuständig sind. Allerdings werde man die Städte und Gemeinden dabei künftig stärker unterstützen, schreibt die Behörde auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks.

Geplant sei, dass für den technischen Support ab kommendem Jahr in Bayern 40 Millionen Euro zur Verfügung stehen – Geld, das von Bund und Land kommt. Nach 2024, kündigt das Kultusministerium an, werde der Freistaat sich zur Hälfte an den Kosten beteiligen.

Die Bildungsreferenten in den Kommunen werten dieses Statement als Absichtserklärung. Aus Ingolstadt heißt es, dass nach wie vor der Löwenanteil an der Kommune hängen bleibe. Und das Bildungsreferat Regensburg verweist darauf, dass es dazu noch keine Richtlinie des Freistaats gebe: "also viel Ankündigung und genau genommen nichts Konkretes."

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