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Leeres Klassenzimmer

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Schulen: Bayern plant Regelbetrieb für Herbst

Die Ankündigung der Kultusminister, den Regelbetrieb an allen Schulen nach den Sommerferien wieder aufzunehmen, löst gemischte Reaktionen aus. Der Bayerische Elternverband reagiert mit Erleichterung, bei den Lehrern herrscht noch Skepsis.

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Von
  • Eva Huber
  • Stefanie Wagner
  • Sarah Beham

München - Der Bayerische Elternverband begrüßt die geplante Rückkehr zum regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien. Der Verbandsvorsitzende Martin Löwe sagte im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk:

"Wir finden das sehr vernünftig- mit der Einschränkung, wenn das Infektionsgeschehen das zulässt. Es ist so, dass uns in den letzten Wochen ganz viele Elternproteste erreicht haben, die gesagt haben: Es ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb Biergärten und Fitnesscenter öffnen , aber unsere Kinder dürfen nicht in die Schule. Wir sind am Ende unserer Kräfte (...) Da ist ein großer Leidensdruck auf Seiten der Eltern." Martin Löwe, Vorsitzender Bayerischer Elternverband

Forderung nach neuem Hygienekonzept

Skepsis herrscht dagegen beim Deutschen Lehrerverband. Präsident Heinz-Peter Meidinger kann sich einen normalen Schulbetrieb auch im Herbst nicht vorstellen. Als Lehrerverband teile man zwar den Wunsch der Eltern, dass bald ein normaler Schulbetrieb herrsche, aber dazu müssten erst entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Mit Blick auf die Ankündigung der Kultusministerkonferenz, Abstandsregeln im Unterricht abzuschaffen, fordert Meidinger eine Überarbeitung des Hygienkonzepts:

"Wenn wir auf die Abstandsregeln verzichten, und das ist ja Ziel der Kultusminister, wenn also die Schüler wieder ganz eng im Klassenzimmer beieinander sitzen, brauchen wir ein neues Hygienekonzept. Das ist bisher nicht vorgelegt worden. Stichwort: Lüftungskonzepte, Abgrenzung der Klassen voneinander, eventuell Reihentestungen, Maskenpflicht. Dazu haben wir nichts erfahren gestern von der Kultusministerkonferenz.“ Heinz-Peter Meidinger, Präsident Deutscher Lehrerverband

Wo stehen die Schüler mit ihrem Wissen?

Zudem erneuerte Meidinger im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk seine Forderung nach einer Abfrage des Leistungsstands aller Schüler nach den Sommerferien. Dabei sei nicht entscheidend, ob das mündlich oder schriftlich erfolge. Es gehe nicht um Noten oder stressige Tests, so Meidinger, sondern darum, dass sich die Lehrkräfte einen Überblick verschaffen können: "Wo sind Lücken da, wo muss nachgeholt werden, welche Schüler sind besonders abgehängt worden. (… ) Und dafür brauchen wir natürlich verlässliche Leistungsstands-Erhebungen, das wird die Herausforderung am Anfang des nächsten Schuljahres sein.“

Nur so könnten die Lehrkräfte gezielt Unterrichts-Schwerpunkte setzen oder bestimmte Schüler zusätzlich gefördert werden.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte zuletzt erklärt, der Gesundheitsschutz an den bayerischen Schulen habe oberste Priorität. Die Entscheidung für eine schrittweise Wiederaufnahme des Unterrichts sei daher bewusst gefallen - gemeinsam mit der Schulfamilie. Bayern sei bisher bei allen Schritten zur Öffnung der Schulen sehr behutsam vorgegangen, betont Piazolo. Die geplante Rückkehr zum Regelbetrieb im Herbst sei weder absolut noch zu voreilig:

"Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie sich die Infektionszahlen den Sommer über entwickeln – bis zum ersten Schultag sind es noch zweieinhalb Monate. (...) Selbstverständlich haben wir das Infektionsgeschehen weiter im Blick, und es wird auf jeden Fall genaue Hygienevorgaben für die Schulen geben. Schüler und Lehrer sollen sich weiter sicher fühlen." Michael Piazolo, Kultusminister Bayern (Freie Wähler)

Falls die Infektionszahlen einen solchen Regelbetrieb nicht erlauben sollten, gebe es selbstverständlich Alternativplanungen in der Schublade, so Piazolo.

Ab sofort wieder Schulsport

Heute nun kündigte der Kultusminister an, ab sofort sei unter Auflagen der Sportunterricht an Schulen wieder möglich. Der Schulsport habe in Bayern einen hohen Stellenwert, so Piazolo: "Ich freue mich sehr, dass wir damit das wichtige Anliegen vieler Schüler und Eltern erfüllen können." Ein Hygieneplan, den das Ministerium am Freitag an die Schulen schickte, sieht für den Schulsport entsprechende Auflagen vor, wie sie auch für den Vereinssport gelten. Dazu gehören laut Ministerium das Abstandsgebot und die Kontaktfreiheit.

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Heinz-Peter Meidinger, DLV-Präsident, sieht auch nach den Sommerferien keinen normalen Unterrichtsbetrieb an den bayerischen Schulen. Er hofft aber, dass nun Sanierungsrückstände aufgeholt werden.

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