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Ein Kind sitzt an einem Küchentisch und löst Aufgaben in einem Schulheft.

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    Schule light? Streit um Unterricht in Faschingswoche

    Die Faschingsferien sind gestrichen. Nun gibt es Streit darüber, wie intensiv der Unterricht in der zusätzlichen Schulwoche sein soll. Der Kurs der Staatsregierung steht heftig in der Kritik.

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    Von
    • Thomas Becht
    • Axinja Weyrauch
    • Lorenz Storch

    Dass manche Schulen es diese Woche etwas ruhiger angehen lassen wollen, sei eigentlich nicht vorgesehen, sagte Kultusminister Michael Piazolo dem BR. Die bayerische Staatsregierung will, dass die fünf zusätzlichen Schultage in der Faschingswoche genutzt werden, um verpassten Stoff aufzuholen.

    Laut Piazolo liegt die pädagogische Gestaltung der Woche zwar bei den Schulen, es sei aber normaler Unterricht vorgesehen und nicht nur Wiederholen.

    Heftige Kritik an Piazolo und an Kurs der Staatsregierung

    Doch an diesem Kurs gibt es heftige Kritik. Die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbands (BLLV), Simone Fleischmann, monierte gegenüber dem BR, es sei auch vor Corona nicht so gewesen, dass irgendjemand den Lehrkräften in den Unterricht hineinregiert habe.

    Außerdem seien Phasen ohne Stress laut Fleischmann zurzeit für die Schülerinnen und Schüler extrem wichtig, denn: "Die Kinder sind im Stress. Wir spüren Ängste. Wir haben womöglich Familiensituationen, die verdammt hart sind. Die Kinder lernen jetzt elf Wochen an der Strecke, und zwar nicht im Präsenzunterricht, sondern im Wechsel- und Distanzunterricht." Deshalb sei es richtig von den Schulen, in der Faschingswoche Tempo rauszunehmen.

    Bayern-SPD spricht von "Skandal"

    Weil das Kultusministerium offenbar mit der Schulaufsicht gedroht habe, wenn reduzierter Unterricht angeboten werde, zeigt sich die Bayern-SPD empört: Das sei "ein Skandal", so die Bildungsexpertin Simone Strohmayr aus der bayerischen Landtagsfraktion der SPD in einer Pressemitteilung.

    Kultusministerium stellt klar: Schulen entscheiden selbst

    Auf BR-Anfrage stellt das Kultusministerium klar: Wie der Unterricht in den gestrichenen Faschingsferien konkret ausgestaltet werde, würden die Schulen vor Ort entscheiden. Wenn es aber Hinweise darauf geben sollte, dass es an einzelnen Schulen kein Unterrichtsangebot gebe, würde die Schulaufsicht diesen nachgehen.

    So sieht es in der Praxis aus

    Und in der Praxis? An der Wilhelm-Löhe-Schule, einer evangelischen Gesamtschule in Nürnberg, findet an Rosenmontag und Faschingsdienstag tatsächlich kein Unterricht statt. Weil die Schule eine Privatschule ist, kann Direktor Mark Meinhard diese Entscheidung treffen, die er für sinnvoll hält, weil man nicht elf Wochen in Distanz "durchunterrichten könne".

    Weniger neuer Stoff, mehr Wiederholung

    An staatlichen Schulen dagegen findet Unterricht statt - allerdings vielerorts ruhiger als sonst. Am Münchner Wilhelmsgymnasium beispielsweise gibt es eine "Nachhaltigkeitswoche", erklärt Schulleiter Michael Hotz. Verpflichtende Videokonferenzen mit Lehrerinnen und Lehrern gebe es weniger als sonst und insgesamt werde kein neuer Stoff durchgenommen, sondern der Schwerpunkt auf Üben und Vertiefen gelegt.

    Auch Hotz verweist darauf, dass die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Sachen Distanzunterricht "mürbe" geworden seien. Zustimmung für diesen Kurs gibt es vom Bayerischen Elternverband, denn sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Eltern bräuchten eine Pause. Wessen Kinder noch in die Kita gehen, bekommt diese womöglich – denn nach Aussage des Verbands Katholischer Kindertageseinrichtungen in Bayern läuft die Notbetreuung unabhängig von Fasching weiter.

    Einzelhandel, Betriebe, Behörden: So ist der Kurs abseits der Schulen

    Die gestrichenen Faschingsferien und ausfallende Veranstaltungen haben auch Auswirkungen auf andere Bereiche abseits von Schulen. Die bayerischen Läden und Geschäfte im Einzelhandel, die gerade geöffnet haben dürften, seien froh darüber und machten nachmittags dann auch nicht zu, so der Handelsverband Bayern. An Faschingsdienstag war das in den Vorjahren sonst häufig anders.

    Auch in vielen Betrieben ist am Faschingsdienstag häufig früher Schluss – da es kein gesetzlicher Feiertag ist, hängt das aber vom jeweiligen Unternehmen ab. Ob dieser Kurs in den Betrieben in diesem Jahr durch die ausfallenden Faschingsferien tendenziell ein anderer ist, vermögen Wirtschaftsverbände aber nicht zu sagen.

    Keine Dienstbefreiung für Angestellte in Behörden

    Und was die Behörden angeht: An diese hatte das Finanzministerium im Januar ein Schreiben gesendet, dass es heuer keinen Anlass für die Beschäftigten gebe, am Faschingsdienstag früher nach Hause zu gehen, da auch keine Faschingsveranstaltungen stattfinden würden.

    Vielmehr würde eine Dienstbefreiung im Widerspruch mit dem Staatsbemühen stehen, Kontakte zu reduzieren und das Infektionsgeschehen einzudämmen. Manche Ämter befolgen das – andere nicht, die Kommunen können selbst entscheiden. Bei der Stadt Augsburg zum Beispiel ist am Faschingsdienstag am Mittag Schluss – aus Tradition, wie es heißt.

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