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Schule in Corona-Zeiten: Hitzige Piazolo-Befragung im Landtag | BR24

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Bildrechte: pa/SvenSimon

Lernen und Lehren im Lockdown! Schüler, Lehrer, Eltern müssen das NOCH ein paar Wochen durchhalten. Das Schuljahr soll kein verlorenes sein. Aber ob man im Distanzunterricht die Lernziele schafft? Da sind viele skeptisch.

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Schule in Corona-Zeiten: Hitzige Piazolo-Befragung im Landtag

Viele Fragen, viel Kritik: Die Opposition im Landtag hat Kultusminister Piazolo heute in den Bildungsausschuss zitiert. "Ich habe hier nichts schöngeredet", verteidigt sich der Minister - und verweist auf Corona-bedingte Erleichterungen.

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Von
  • Maximilian Heim
  • Julian von Löwis

Ärger über die gestrichenen Faschingsferien, über fehlende Luftfilter für Klassenzimmer und den Distanzunterricht in Bayern: Im Bildungsausschuss des Landtags haben Politiker der Opposition kontrovers mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) diskutiert. In der eigens von Grünen, SPD und FDP anberaumten Sondersitzung musste der Minister letztlich zweieinhalb Stunden Rede und Antwort stehen - ursprünglich war nur eine Stunde für die Befragung angesetzt gewesen.

Piazolo bezeichnete den bayernweiten Start in den digitalen Distanzunterricht erneut als gelungen. Seit eineinhalb Wochen lernen die meisten Schüler in Bayern zuhause, nur ein kleiner Teil ist in der Notbetreuung - bei den Grundschülern lag der Anteil zuletzt bei 8,7 Prozent. Selbstverständlich werde es durch den fehlenden Präsenzunterricht Lernrückstände geben, sagte Piazolo. Er verteidigte die Entscheidung, die Faschingsferien Mitte Februar zu streichen. Das Argument der Staatsregierung: In dieser Woche soll ausgefallener Präsenzunterricht nachgeholt werden.

Strohmayr: "Das ist einfach nicht ehrlich"

Die SPD-Abgeordnete Simone Strohmayr warf dem Kultusminister vor, die Situation schönzureden. "Es läuft einfach nicht so gut, wie Sie es darstellen", sagte Strohmayr. Es reiche nicht, die Abschlussprüfungen etwas nach hinten zu schieben, Leihgeräte für einen Bruchteil der Schüler anzuschaffen und die Faschingsferien zu streichen. "Sie glauben doch nicht, dass in dieser einen Woche das nachgeholt werden kann, was über Monate ausgefallen ist", betonte die SPD-Politikerin. "Das ist einfach nicht ehrlich, und das spüren die Menschen auch."

"Ich habe hier nichts schöngeredet", entgegnete Piazolo. Zudem wies der Minister Forderungen zurück, wegen der Corona-bedingten Ausnahmesituation das komplette Schuljahr zu wiederholen. "Wir wollen, dass das Jahr, das kein normales ist, kein verlorenes ist." Der Minister betonte, dass die Zahl der geforderten Leistungsnachweise bereits reduziert worden sei. Auch das "Vorrücken auf Probe" werde im Sommer großzügig gehandhabt. Wer freiwillig ein Schuljahr wiederholen will, dem werde dadurch kein Nachteil entstehen.

Der AfD-Abgeordnete Markus Bayerbach, selbst jahrelang Förderlehrer, kritisierte die Streichung der Faschingsferien aus einem anderen Grund. Angesichts einer Woche Mehrarbeit fehle ihm ein Signal an die Lehrer, das "mit irgendeiner Maßnahme" zu honorieren. Piazolo wiederum versprach, die Mehrarbeit der Lehrer im Blick zu haben - mit welchem Ausgleich genau, ließ er offen.

Gymnasien und Berufsschulen: Abschlussklassen bald zurück?

Am Mittwoch hatte die Staatsregierung beschlossen, dass Abiturienten und Berufsschüler, die bald ihre Abschlussprüfungen machen, ab 1. Februar wieder in den Wechselunterricht gehen sollen. Im Regelfall werden die Klassen dabei geteilt und die Schüler gehen im täglichen oder wöchentlichen Wechsel zur Schule.

Wie es für alle anderen Schülerinnen und Schüler weitergeht, ist derzeit offen. Stand jetzt gilt der aktuelle Corona-"Lockdown" inklusive weitgehend geschlossener Schulen bis einschließlich 14. Februar. In der heutigen Sondersitzung des Bildungsausschusses war auch das ein mehrfach geäußerter Vorwurf: fehlende Planbarkeit. Hier verweist die Staatsregierung allerdings regelmäßig auf die Infektionszahlen, deren Entwicklung man nicht über Wochen vorhersagen könne.

Debatte um Kommunikation des Ministeriums

Am Rande der Debatte im Bildungsausschuss gab es ausnahmsweise auch Lob von Teilen der Opposition für Kultusminister Piazolo. Die Schreiben des Ministeriums an die Schulen mit aktuellen Anweisungen seien übersichtlicher und klarer geworden, sagte die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel. Auch Piazolo selbst wies Kritik an seiner Kommunikation zurück. Dass etwa die Schreiben an die Schulen oft erst am Freitag für die Folgewoche herausgegangen seien, liege an der sich schnell ändernden Infektionslage - und an den politischen Gremien, durch die diese Beschlüsse zuvor müssten.

Weiterhin gibt es aber auch negative Stimmen zur Kommunikation des Kultusministeriums. So beklagten die Grundschullehrerinnen und -Lehrer in Bayern, dass die Absprachen zwischen den Schulen und dem Kultusministerium nicht immer ideal verlaufe. "Inzwischen sind wir froh, dass wir Informationen kurz vor der Öffentlichkeit erhalten. Die Informationen auf der Homepage des Kultusministeriums sind da oft hilfreicher als die ministeriellen Schreiben", sagte Konstanze von Unold, Landesgruppendelegierte des Grundschulverbandes Bayern, dem BR.

Der FDP-Abgeordnete Matthias Fischbach kritisierte heute im Landtag vor allem die schleppende Digitalisierung an den Schulen. Es brauche für den gesamten Lehrplan digitale Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte, betonte er. Diese Forderung nach digitalen Schulbüchern bügelte Piazolo ab: Es sei "von beispielloser Naivität zu glauben, dass man innerhalb von neun Monaten digitale Schulbücher auf den Markt bringt", sagte der Minister. Dennoch sei das Ministerium natürlich dabei, digitale Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Piazolo: "Wahnwitzig", wer sich alles äußert

Generell sagte Piazolo: "Es ist wahnwitzig, wer sich inzwischen zu Schule alles äußert. Jeder! Und jeder überschlägt sich mit Vorschlägen, wo man Schrauben anziehen kann." Das sei die Konsequenz daraus, dass der Unterricht den bisherigen Schutzraum im Klassenzimmer verlassen habe und durch Homeschooling öffentlich geworden sei.

mit Informationen von dpa

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