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Schule in Corona-Zeiten: Die neuen Beschlüsse in Bayern | BR24

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Archivbild: Klassenzimmer

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Schule in Corona-Zeiten: Die neuen Beschlüsse in Bayern

Konfessionsübergreifender Religionsunterricht, CO2-Ampeln in allen Klassenzimmern, Geld für Aushilfslehrer, keine Ausnahmen bei der Maskenpflicht: Das bayerische Kabinett hat sich erneut mit dem Corona-Schulalltag befasst. Ein Überblick.

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Die Schulen in Bayern sollen trotz steigender Corona-Zahlen möglichst offen bleiben: Immer wieder betont die Staatsregierung dieses Ziel und sucht daher nach Wegen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Wenige Tage nach dem bayerischen Schulgipfel hat daher heute das bayerische Kabinett noch einmal über den Unterricht in Corona-Zeiten beraten und dazu mehrere Beschlüsse gefasst.

Konfessionsgemischter Religionsunterricht - "kein Muss"

Neue Wege geht Bayern in der Corona-Zeit beim Religionsunterricht: Erstmals können Kinder unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam unterrichtet werden, um die Vermischung von Klassen zu verhindern. "Infektionsschutz hat höchste Priorität. Deshalb ist es immer unser Ziel, nach Möglichkeit feste Gruppen zu haben, nicht zu viel Wechsel im Schulalltag", erläuterte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Damit die Klassen für den Religionsunterricht nicht geteilt werden müssen, sei mit der evangelischen und der katholischen Kirche die Möglichkeit eines "temporären kooperativen Religionsunterrichts" vereinbart worden.

Dafür gibt es verschiedene Modelle. Die evangelischen und katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen können sich wöchentlich abwechseln, gegebenenfalls können auch Ethiklehrer in die Rotation einbezogen werden. Möglich ist laut Piazolo auch ein gemeinsamer Religionsunterricht durch eine Lehrkraft, "die aber beide Konfessionen berücksichtigt". Es handle sich dabei um ein Angebot an die Schulen, betonte der Minister. "Es ist also kein Muss." Voraussetzung dafür sei auch immer die Zustimmung der Eltern aller betroffenen Schüler sowie der beteiligten Lehrkräfte.

Der FDP-Bildungsexperte im Landtag, Matthias Fischbach, begrüßte die Entscheidung: "Den Schulen bietet sich hiermit die einmalige Chance, Glauben und Werte im toleranten Miteinander zu vermitteln." Fischbach appellierte an die Eltern, "dem konfessionsgemischten Unterricht eine Chance zu geben".

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Wie kann Religionsunterricht in Corona-Zeiten mit festen Gruppen gestaltet werden? Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo erklärt vier verschiedene Modelle.

CO2-Ampeln in jedem Klassenzimmer

Bereits Anfang Oktober hatte die Staatsregierung angekündigt, 37 Millionen Euro für mobile Luftreinigungsgeräte und CO2-Ampeln in Schulen zur Verfügung zu stellen. Das Kabinett beschloss nun, diese Summe noch einmal aufzustocken, falls sie nicht reichen sollte. "Wir wollen jedes Klassenzimmer mit CO2-Ampeln ausstatten", sagte Piazolo. Zusätzlich solle es mobile Luftreinigungsgeräte für jene Klassenräume geben, in denen keine Quer- oder Stoßlüftung möglich sei.

Beschaffen und zunächst auch bezahlen müssen die Geräte nun aber die Städte und Gemeinden. Piazolo sagte, die Förderrichtlinie sei "schon aufgesetzt", es liege nun an den Kommunen, die Fördermöglichkeit auch wahrzunehmen. Im März werde dann abgerechnet. Dann sollen die Städte und Gemeinden das Geld erstattet bekommen.

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Der Bayerische Kultusminister Michael Piazolo gibt nach der Sitzung des Bayerischen Kabinetts bekannt, dass man in jedem Klassenzimmer in Bayern eine CO2-Ampel installieren möchte.

Aushilfslehrer und Schulassistenten

Da der Schulbetrieb in Corona-Zeiten laut Piazolo sehr personalintensiv ist, will die Staatsregierung noch einmal aufstocken. Zum einen koste die Umsetzung des Hygienekonzepts Ressourcen, zum anderen sei viel Personal auch gebunden, erläuterte der Minister. Es gebe Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, und auch viele Schwangere, die wegen Corona ebenfalls nicht unterrichten. "Ich glaube, noch nie waren so viele Lehrerinnen schwanger wie in diesem Jahr", sagte Piazolo. Weitere Lehrer seien in Quarantäne oder mit Corona infiziert.

Um eine gute Unterrichtsversorgung sicherzustellen, stellt Bayern laut Staatskanzlei ein zusätzliches Budget für Aushilfslehrkräfte zur Verfügung. Zudem sollen sogenannte Schulassistenzen eingestellt werden, die insbesondere an Grund-, Mittel- und Förderschulen Aufgaben außerhalb des Unterrichts übernehmen könnten - zum Beispiel Aufsichtstätigkeiten, Notbetreuung oder technische Unterstützung. Insgesamt sind dafür 20 Millionen Euro vorgesehen.

Maskenpflicht im Unterricht bleibt bestehen

Der Kultusminister bekräftigte nach der Kabinettssitzung noch einmal, dass die Maskenpflicht an Schulen "einheitlich für alle" gelte - "in allen Schularten und auch im Unterricht". Zwischen der Stadt München, die für Grundschüler im Unterricht eine Ausnahme wollte, und der Staatsregierung gab es darüber in den vergangenen Tagen einen öffentlichen Streit. Auch Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verteidigte die Linie der Staatsregierung. Sie verwies auf Aussagen einiger Wissenschaftler, "dass Kinder nicht unbedingt selber erkranken, aber durchaus auch Überträger sein können".

Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) sagte, die Maske sei eine klassische Präventionsmaßnahme, ein kleines Mittel mit großer Wirkung: "Natürlich ist keiner happy. Ich will auch am liebsten nicht einen dicken Wintermantel anziehen. Aber wenn es halt Winter ist, ist es halt Winter." Die Fakten seien, wie sie seien, "die Pandemie ist da". Herrmann betonte, Schulschließungen wären schlimmer.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof lehnte heute einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht an Schulen im Freistaat ab. Die Maskenpflicht sei bei summarischer Prüfung eine verhältnismäßige Schutzmaßnahme zur Eindämmung von Corona, hieß es zur Begründung. Das Tragen einer Maske sei für die Schüler grundsätzlich zumutbar. Die Vorschrift müsse aber so ausgelegt werden, "dass für die Schüler im Freien und unter Einhaltung des Mindestabstands die Möglichkeit zu Tragepausen" besteht, forderte der Verwaltungsgerichtshof.

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Staatskanzleichef Herrmann

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