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Schuldneratlas: Welche Münchner besonders betroffen sind | BR24

© BR/Gabriel Wirth

München gilt als reiche und lebenswerte Stadt. Dennoch ist in der Landeshauptstadt im Schnitt jeder zwölfte Bürger über 18 Jahre überschuldet. Der aktuelle Schuldneratlas von Creditreform zeigt auch: Die Unterschiede unter den Stadtteilen sind groß.

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Schuldneratlas: Welche Münchner besonders betroffen sind

München gilt als reiche und lebenswerte Stadt. Dennoch ist in der Landeshauptstadt im Schnitt jeder zwölfte Bürger über 18 Jahre überschuldet. Der aktuelle Schuldneratlas von Creditreform zeigt auch: Die Unterschiede unter den Stadtteilen sind groß.

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In München sind im Schnitt weniger Menschen überschuldet als im Bundesdurchschnitt. Die Überschuldungsquote lag im vergangenen Jahr bei 8,4 Prozent. Das ist zwar über dem bayerischen Durchschnitt von 7,2 Prozent, in ganz Deutschland lag die Quote aber bei rund zehn Prozent.

Die Entwicklung bezeichnet Creditreform bei der Vorstellung des Schuldneratlas trotzdem als bedenklich. Denn die Quote blieb nur konstant, weil mehr Menschen nach München zogen, als in die Überschuldung gerieten. Insgesamt stieg die Zahl der überschuldeten Münchnerinnen und Münchner ab 18 Jahre um 700 auf rund 110.200.

Gründe für Überschuldung: Vor allem Arbeitslosigkeit

Der häufigste Grund, warum Menschen mit ihren Einnahmen die Ausgaben nicht mehr dauerhaft decken können, bleibt die Arbeitslosigkeit. Daran hat sich auch im vergangenen Jahr nichts geändert. Als weitere Gründe folgen Krankheit und Trennung.

In der bayerischen Landeshauptstadt spielen daneben die hohen Mieten und Immobilienpreise eine große Rolle. Deshalb geht man bei Creditreform auch nicht davon aus, dass sich die Lage anders als im restlichen Bayern nicht verbessern, sondern im Gegenteil eher verschlechtern wird.

Große Unterschiede zwischen den Stadtteilen

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen sind zum Teil gravierend. Die geringsten Überschuldungsquoten gibt es der Statistik nach in Daglfing, Obermenzing, Solln, Trudering-Riem Süd, Englschalking, Nymphenburg, Harlaching, Thalkirchen und Schwabing West. In diesen Stadtteilen liegt die Quote zwischen fünf und sechs Prozent.

Dagegen ist die Quote in der Ludwigsvorstadt, Hasenbergl-Lerchenau, Trudering-Riem Nord, Ramersdorf, Am Hart und in der Altstadt deutlich über zehn Prozent, in der Altstadt gar bei knapp 15 Prozent. Beim Münchner Sozialreferat weist man darauf hin, dass in Stadtteilen wie Trudering- Riem, Feldmoching-Hasenbergl oder Ramersdorf-Perlach viele Familien mit Kindern und Alleinerziehende wohnen, während in der Altstadt oder Ludwigsvorstadt viele Einpersonenhaushalte sind.

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Überschuldungsquote 2019 in München

Überschuldung geht durch alle Schichten

Die letzten Schuldnerberichte haben zudem gezeigt, dass die Überschuldung kein Problem der Unterschicht ist, sondern alle Schichten trifft - gerade in München. In der bayerischen Landeshauptstadt können zusehends mehr Menschen der Mittel- und Oberschicht mit ihren Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken. Das hängt offensichtlich mit den hohen Lebenshaltungskosten zusammen.

Das wird von Experten als bedenklich erachtet, da die Arbeitslosenquote aktuell sehr niedrig ist. Creditreform warnt deshalb: Es ist davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in München auch 2020 eher steigen als sinken werden. Hintergrund sind auch die strukturell bedingte Konjunkturschwäche der deutschen Wirtschaft und anderer globaler Risikofaktoren.

Überschuldung trifft besonders ältere Männer

Überschuldung trifft vor allem Männer zwischen 40 und 60 Jahren. Allerdings fällt auch auf, dass in München die Altersarmut zunimmt. Von den 700, die im vergangenen Jahr neu dazugekommen sind, waren 500 älter als 70 Jahre. Ob es daran liegt, dass Lebenshaltungskosten in München so hoch sind oder die Renten der Betroffenen zu niedrig sind, das hat Creditforum nicht untersucht.

Beim Sozialreferat in München wird darauf hingewiesen, dass der Stadtrat Ende vergangenen Jahres ein ganzes Bündel von Projekten beschlossen hatte. Hierzu gehörten zum Beispiel kostenfreie Mittagstische in den Alten- und Service-Zentren für bedürftige alte Menschen.

Man werde sich auf Bundesebene unter anderem weiterhin für die Anpassung der Sozialleistungen an die höheren Lebenshaltungskosten in Ballungsräumen einsetzen, so die Sozialreferentin der Stadt, Dorothee Schiwy. Denn zur wirksamen Bekämpfung von Armut und Überschuldung seien die Kommunen stark auf die Unterstützung des Bundes und des Landes angewiesen.

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Viele Menschen in Deutschland kommen nicht mehr raus aus ihren Schulden. Allein in München ist die Zahl der überschuldeten Einwohner innerhalb von fünf Jahren um 15.000 gestiegen.