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Wieder Schülerprotest gegen Präsenzunterricht | BR24

© BR/Tom Wittmann

Symbolbild: Leeres Klassenzimmer

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    Wieder Schülerprotest gegen Präsenzunterricht

    Die Proteste der Schüler gegen den Präsenzunterricht in der Corona-Krise gehen weiter. Zuletzt streikten Abiturienten in Nürnberg, nun gab es Aktionen in Augsburg. Münchner Schüler schrieben einen Brandbrief. Der Lehrerverband zeigt Verständnis.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Astrid Dachs
    • Anna Klein
    • Christian Wagner
    • Claudia Steiner

    Die Proteste der Schülerinnen und Schüler gegen eine Rückkehr zum Wechselunterricht für Abschlussklassen in Bayern weiten sich aus. Am Montag und Dienstag streikten Abiturienten mehrerer Nürnberger Schulen, heute gab es Aktionen in Augsburg: Am Holbein-Gymnasium und am Bayernkolleg wurde gestreikt.

    Abschlussklasse meldet sich krank

    Die Jahrgangsstufe 12 am Holbein-Gymnasium in der Augsburger Innenstadt habe sich in der Früh fast geschlossen krankgemeldet, sagte Schülersprecherin Luisa Link dem BR.

    "Wir sind im Warnstreik, nehmen aber am Unterricht teil, nur eben von zuhause." Schülersprecherin Luisa Link

    Die Schülerschaft lehne den Unterricht im Schulhaus – für jeweils die Hälfte der Schüler – nicht nur wegen der Corona-Infektionsgefahr ab. Tatsächlich funktioniere der sogenannte "Distanzunterricht" per Videoschalte durchaus gut. Außerdem: "Für den Wechselunterricht müssen unsere Lehrer die Stunden zweifach vorbereiten; darunter leidet der Unterricht für die Klassen der jüngeren Schüler."

    Kritik wurde nicht gehört

    Ein Schreiben der Schüler gegen die Wiederaufnahme von Wechselunterricht habe das Holbein-Gymnasium im Januar unbeantwortet gelassen, kritisierte die Schülerin. Das Kultusministerium habe in seiner Antwort die Einwände der Schüler nicht gelten lassen.

    Momentan bereiten sich die Abiturienten auf eine Klausur in Mathematik am kommenden Dienstag vor. Sollte sich an der Anwesenheitspflicht für die Hälfte der Schüler nichts ändern, wollen sie sich am kommenden Mittwoch erneut krankmelden und dem Unterricht stattdessen von zuhause folgen.

    Aktion am Bayernkolleg in Augsburg

    Auch am Bayernkolleg in Augsburg verweigern nun die Schülerinnen und Schüler den Wechselunterricht. Der Wechselunterricht sei ein Widerspruch zur aktuellen Infektionsschutz-Politik und eine Belastung für alle Beteiligten. "Das Homeschooling in der aktuellen Form mag nicht perfekt sein, ist aber dem derzeitigen Pandemieverlauf angemessen", heißt es in dem Schreiben.

    Weil am Donnerstag eine Klausur angesetzt sei, die zum Abitur zählt, unterbrechen die Schülerinnen und Schüler ihren Streik für diesen Zeitraum. Außerdem wollen die Abschlussklassen an den Ferien Mitte Februar festhalten.

    Brandbrief aus München an das Kultusministerium

    Auch Schüler und Schülerinnen in München sind mit der derzeitigen Schulpolitik nicht zufrieden und beklagen in einem Schreiben an das Kultusministerium, das dem BR vorliegt, den Wechselunterricht.

    "Es ist schlicht und ergreifend in vielen Fällen nicht möglich, den Unterricht gleichzeitig online und in Präsenz abzuhalten, sodass sowohl die Schülerinnen und Schüler zuhause als auch die im Klassenzimmer gleichermaßen profitieren." Benjamin Specht, Schülersprecher der Nymphenburger Schulen in München

    Verschärfter Notendruck befürchtet

    Die Schüler befürchten demnach Infektionen und einen verschärften Notendruck. Die bisherige Änderung der Themen Themenschwerpunkte durch das Streichen von Stoff für die schriftlichen Abiturprüfungen "lässt sich optimistisch formuliert als ein 'Tropfen auf den heißen Stein' beschreiben, so der Schülersprecher. Die Schüler kritisierten zudem das Streichen der Faschingsferien. Dies zeuge von "absoluter Verzweiflung und daraus resultierenden willkürlichen Maßnahmen".

    "Vor allem Sie, Herr Minister (Piazolo), sollten wissen, wie wichtig diese letzte Woche der 'echten' Erholung für uns ist." Benjamin Specht, Schülersprecher der Nymphenburger Schulen

    Chef des Lehrerverbands zeigt Verständnis

    Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, zeigte Verständnis für die Sorgen und Proteste der Abschlussklassen. Es gebe in Bayern noch Landkreise mit teilweise sehr hohen Inzidenzzahlen.

    Er verstehe, dass man da "ein schlechtes Gefühl" haben könne. Außerdem sei sein Eindruck, dass sich der Distanzunterricht im zweiten Lockdown sehr gut eingespielt habe und zumindest für die Abiturienten gut funktioniere und auch praktischer sei als der Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht.

    Der vergangene Abiturjahrgang habe unter Corona-Bedingungen ein gutes Abitur-Ergebnis erzielt. Meidinger geht davon aus, dass auch die diesjährigen Abschlussschüler die Umstände durch ihr Engagement wettmachen werden. Vom Verzicht auf die Abschlussprüfung hält er nichts. Wichtig sei es nun, dass die noch ausstehenden Klausuren in den drei Abifächern geschrieben werden.

    Schulgipfel am 8. Februar

    Meidinger nimmt am Schulgipfel der Staatregierung am 8. Februar teil. Dann werde sich entscheiden, ob und wie nach dem 14. Februar ein stufenweiser Präsenz-Schulbetrieb gestartet werden könne. Die Gruppe, die man zuerst zurückholen sollte, sind für Meidinger Grundschüler bis zur sechsten Klasse. In einem Telefonat mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe dieser erklärt, dass zwar die Infektionszahlen zurückgingen, aber die Corona-Mutationen Sorge bereiten.

    In der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" machte sich Meidinger zudem für eine Rückkehr zum Unterricht abhängig von der Inzidenzzahl stark. Der Kultusminister müsse klar sagen: Bei einer Inzidenzzahl von 50 gehen wir in den Wechselunterricht, bei einem Wert darüber bleiben die Schulen im Distanzunterricht.

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